Taj Mahal

Foto von hier

Das Vollmondbild für heute mache ich passend zu den beiden vorhergehenden Beiträgen – Taj Mahal bei Vollmond, das Grabmal eines Herrschers zum Gedenken an seine grosse Liebe (vor ca. 385 Jahren).

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2nd, male arbeitet nun schon mehrere Jahre für eine internationale, indische Firma. Das ist der Grund, weshalb ich wieder viel mehr über dieses Land, das ich als Kind so intensiv bereist habe, nachdenke und lese.

Es ist einerseits schwer zu verstehen, dass Indien immer noch so mausarme Menschen hat und eine so katastrophalen Umgang mit Mädchen und Frauen zulässt. Andererseits auch wieder nicht.

Indien führt uns vor, wie unmöglich Verbote von Diskriminierungen sind, wenn sie nicht bei den Kindern und in der Bildung aller Schichten anfangen. Das Verbot der Diskriminierung durch Kastenzugehörigkeit hat nicht mehr verändert, als dass man gegenüber Nicht-Indern nicht darüber redet und einer Unkrautjäterin neben einer Sehenswürdigkeit vielleicht nicht mehr die Beine unter dem Körper wegkickt, wenn sie zu langsam ist. Die indischen Frauenrechtlerinnen, aber vor allem die Schlagzeilen betreffend Vergewaltigungen, die dem Tourismus empfindlich schaden, haben dazu geführt, dass es immerhin in städtischen Gebieten zu mehr Anzeigen kommt. Das ist das Entscheidende. Denn Indien leidet nicht an seinen Gesetzen, Indien leidet an der Kluft zwischen Gesetzgebung und Lebenswirklichkeit. Letztere ist wie in allen Gesellschaften Jahrhunderte alt und wird durch Tradition weiter gereicht. Die vergleichsweise neue Gesetzgebung wird dagegen noch Jahrzehnte im Nachteil bleiben. Andererseits ist sie einer der Gründe, weshalb Indien gerade in der IT Erfolg hat. Seit sie europäische und amerikanische Firmen aufkaufen, haben sie sogar Personal gewonnen, welches westliche Kundschaft überzeugen kann, denn das ist schier unmöglich für in Indien sozialisierte Menschen. Das starke indische Prestigedenken führt nicht nur dazu, dass wir hier mehr von den Atom- und Mondlandungsplänen als von dem verheeerenden Wassermangel erfahren, sondern es killt auch die Lust, selbständig zu handeln, sich hochzuarbeiten, sämtliche intrinsische Motivation. Das alles sind aber Motoren westlicher IT-Erfolge.

Wo ich persönlich das grösste Potential sähe, wäre in der Durchmischung durch Ehe. Zwischen den Kasten, Religionen und Nationen. Und genau dort bewegt sich Indien nicht mehr als der Kosovo. Wer sich mischt, muss immer noch gehen.

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In Delhi um 6 aufgestanden, auf dem Inlandflug ein wunderbares Masala Dosa zum Frühstück. Um 11 in Pune angekommen, eine Stunde im Taxi zum Campus, Registrierung von Mensch und Laptop in einem grossen Buch und einem Computer, Stempel vom Chef mit zwei Sternen auf der Schulter, dann weiter zum Guest House. Registrierung von Mensch und Laptop und Röntgen des Letzteren daselbst, drei Formulare ausfüllen, dann ins Büro, und vor dem Sitzungszimmer abermals Registrierung von Mensch und Laptop durch einen Official, diesmal in zwei grossen Büchern.

Nun langsames Anlaufen mit den lokalen Kollegen, eine Stunde bei 40° über den Campus schlurfen und die verschiedenen Sitzungsräume für morgen auskundschaften. Dazwischen Kaffee für die einen und spätes Mittagessen für die anderen; es ist inzwischen zwei. Gegen fünf ist dann langsam allen klar, dass wir uns für morgen auch inhaltlich noch vorbereiten müssen, folglich angeregte Debatte bis halb neun, dann Abendessen, informell die wirklich wichtigen Dinge besprechen, um 10 nochmal eine Stunde mit Sao Paulo telefonieren, vorletzte Vorbereitungen, Zähneputzen, Duschen.

Jetzt ins Bett.

2nd, male lässt herzlich grüssen.

Bamershalten

Hier habe ich schon einmal über dieses Haus geschrieben:

Im Frühling 1957 zogen sie in die Bamershalten. Die Kinder freuten sich an dem moosüberwachsenen Land, auf welchem die schönsten Schlüsselblumen blühten. Aber die Eltern machten sorgenvolle Gesichter. Doch ohne sich zu beklagen, begannen sie, das Heimet zu bewirtschaften. Es brauchte Fleiss, Sachverstand, Durchhaltewillen und Kreativität um auf diesem mageren Land eine Familie durchzubringen. Johanna konnte das. Wir sehen sie vor uns mit einer Schürze voller Pilze, die sie im nahen Wald gepflückt hat, an der Nähmaschine, wo sie den Töchtern die ersten Kniehosen näht und am Backtrog, in dem sie den Teig für die unvergessenen Brote knetet.

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In der Schweiz lebte er mit seiner Familie weiter wie bisher. Er erzählte niemandem etwas, kaufte kein neues Auto. Die Wohnung blieb so schmucklos und karg eingerichtet, wie sie immer schon war. Die einzige kleine Sache, welche auf den Millionengewinn hätte hinweisen können, waren die teuren T-Shirts seiner Kinder. Da aber kaum jemand im Quartier diese Modemarke kannte, hätten die Kleidungsstücke auch aus dem Brockenhaus sein können.
Nach Abzug der Steuern blieben ihm noch ca. 650’000 Franken, eine Riesensumme in seinem Herkunftsland, wo neunköpfige Familien mit 400 Euro oder noch weniger im Monat auskommen müssen.
Er gehört nicht zu den Lottomillionären, die bereits nach kurzer Zeit verarmen.
In seiner fussballverrückten Heimat liess er ein Fussballstadion mit verschiebbarem Dach und Läden und Restaurants im Mantel bauen.
Er vermietet es zu einem günstigen Preis an Sportclubs, auch Hochzeiten und andere Grossanlässe finden darin statt. Das Stadion ist immer ausgebucht – ein voller Erfolg.

Die Kleinkrähen und ihre Eltern verbrachten einen Teil der Frühlingsferien bei ihren skipetarischen Verwandten im Dorf. Dieses liegt in einer abgelegenen Gegend an der Grenze zu Montenegro und Albanien. Erwerbsarbeit ist rar und man ist froh, dass von der neunköpfigen Mehrgenerationenfamilie einer Arbeit hat. Blerim verdient in einer Fensterfabrik ca. 300 Euro im Monat. Dazu kommt noch eine Familienzulage von 70 Euro. Obwohl sich die Familie zum grossen Teil selbst versorgt, bleibt für die bescheidensten Zusatzwünsche (z.B. ein ausländischer TV-Kanal zum Fussball schauen) absolut nichts übrig. Mit materiellen Gütern werden die Kinder nicht verwöhnt, aber es fehlt ihnen nicht an Zuwendung und Fürsorge seitens der Eltern und Grosseltern.

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Yola im Vollmond

Nach ausgiebigen Anproben hatte Yola ihren Panzer gegen ein kleines Grünes eingetauscht. Schick und schlank sehe sie aus, fanden ihre Freunde. Aber in der Nacht lag Yola lange wach. Statt wie gewohnt mit einem Dach über dem Kopf, fühlte sie sich klein und schutzlos unter dem weiten Himmel mit Vollmond.
(Kessler, Siglint: Yola erfüllt sich ihren Wunsch, ISBN 9783794145911)

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Ostereier auf rotem Reis

Wieder einmal mit allem im Verzug!
Der Beitrag zum Vollmond blieb liegen, weil magenverstimmte Kleinkrähe Zuwendung mit Haferschleim brauchte und auch die Ostergrüsse erscheinen etwas knapp. Daran ist die Stunde schuld, die mir durch die Umstellung zur Sommerzeit fehlt. Letzte Nacht hatte ich – im Hintergrund einen alten Wallander und dann einen wiederholten Beck – Schoggi- und Marzipaneier, Paninibilder, Glückskleetöpfchen, Comics und Osterhennen aus Milchschokolade in der Wohnung versteckt.
Als schliesslich der Ostertisch …

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Als ich noch jung war, hasste ich besonders Einladungen zu Hochzeiten. Damit entfachte ich manch heftigen Familienstreit, denn ich galt als lustig, ja sogar als witzig und – ehrlich gesagt – niemand konnte Hochzeitsgedichte in Berndeutsch unterhaltsamer vortragen. Die Verse verfassten Bertha, die Frau des Dorfkäsers oder ein anderer Auftragsschreiber aus dem Bekanntenkreis. Was sie nicht ohnehin schon über die Paare und ihre Familien wussten, notierte man in Stichworten auf einem Zettel. Und pünktlich zu den jeweiligen Hochzeiten war das passende Gedicht fertig.

Die folgende Auswahl aus 19 Strophen für das Brautpaar Rosa (Arztgehilfin) und Fritz (Bauer) soll den Leserinnen und Lesern dieses Blogs nicht vorenthalten werden:

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Heute sind in meiner Tageszeitung ca. 56 Männer und 8 Frauen abgebildet (TV Programm nicht mitgezählt).
Vor vier Jahren waren es 36:9.

Zum Ausgleich hier ein paar Fotos aus meinem Archiv:

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Nachdem ihr ID-Ausweis geprüft worden ist, befestigt sie das Schild mit dem Aufdruck “Bibliothek” seitlich an ihren Gürtel. Heute bekommt sie neben dem Schlüssel für Lift und Treppenhaus vom Wachmann ein schwarzes Telefon. Viel lieber hätte sie ein blaues, aber im Moment ist keines frei. Das bedeutet, dass der Arzt oder der Psychologe im Haus ist.
Im Gegensatz zum blauen darf man das schwarze Telefon nicht legen, nur stellen. Beim Legen geht gleich der Alarm los. Das Telefon meint dann, dass der Benutzer/die Benutzerin auch liegt, im schlimmsten Fall auf dem Boden – niedergeschlagen von einem Insassen.
Als sie den schwarzen “Knochen” das erste Mal ausgehändigt bekam, legte sie ihn ahnungslos auf den Schreibtisch. Ohrenbetäubendes Schrillen! Wie, wo, was drücken? Sie stürzte durch die Gänge, lief mit dem Ungetüm ins obere Stockwerk. Auch hier menschenleer. Endlich erlöste sie ein Aufseher aus ihrer Bedrängnis, indem er einfach zum Telefon sagte: “Fridu us em Zwöite – Fäualarm vo dr Bibliothekarin.”

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Der Pfirsichbaum steht krumm und knorrig da, gebeugt unter der Last der Früchte. Es ist überhaupt ein fruchtbares Jahr: Aprikosen, Kirschen, Äpfel – alle Bäume tragen so viel wie sonst nie.
Ich denke an die Laboranten, die ins Dorf marschierten und Proben von unserer Ernte nehmen wollten. Sidorow gab ihnen stolz seine Monsterzucchini, Lenotschka reichte die Hühnereier über den Zaun, Marja brüllte spöttisch: “Na klar, ich werde jetzt gleich aufstehen und für euch meine Ziege melken, sonst noch was?”, und ich liess die vermummten Gestalten schulterzuckend auf mein Grundstück, sie sollten sich zusammensuchen, was sie wollten. Schliesslich mussten sie ihre Arbeit tun.
Beim ersten Mal öffnete ich für sie ein Glas eingelegter Pilze, weil ich sie wie Gäste behandeln wollte. Sie gabelten einen Pilz auf und steckten ihn in ein Gefäss mit Schraubendeckel. Meine Tomaten fassten sie mit Gummihandschuhen an. Bei den nächsten Malen liess ich mein Eingemachtes im Regal.

Aus: Bronsky, Alina : Baba Dunjas letzte Liebe, Köln: Kiepenheuer und Witsch, 2015, ISBN 978-3-462-04802-5

In dieser Geschichte kehrt Baba Dunja als Greisin zurück in die Todeszone, in ihr verstrahltes Dorf Tschechowo, in ihr von verrückten Spinnennetzen ausgefülltes Haus, versorgt sich selbst mit Beeren, Gemüse und Früchten aus ihrem verstrahlten Garten.

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Mond in der Toscana

Pinocchio bittet um einen Platz auf dem Wagen ins Schlaraffenland.
Er wird dieses nach fünf Monaten Nichtstun und Vergnügen als Esel verlassen.

Colodi, Carlo: Pinocchios Abenteuer, Aarau : Sauerländer, 1986
Illustriert von Roberto Innocenti

Eine verwitwete Seniorin zur anderen, die gerade Witwe geworden ist:

“I ha dir no mis härzleche Bileid wölle usspräche.
I ha ke Charte gschribe.
Eigentlech schribeni überhoupt nüt meh.
Scho sit vierzg Jahr hani nid es Mau öppis ungerschribe.
Es isch mer eifach verleidet.
Sogar d’Amäldig für d’Klassezämekunft hani ihm ggä.
Är het de ds Formular usgfüllt.
Woni no ha ungerschribe, isch es ihm nie rächt gsi.
Entwäder hani z’fescht nach links gschribe oder z’vil nach rächts.
Mängisch isch ihm d’Ungerschrift z’höch obe gsi oder z’töif unger.
Wenis mit em Platz bpreicht ha, de het är gseit:
‘Die blöde ä-Zeiche u i-Tüpf wo du gäng machsch.’”

Als Kind hatte ich wenig Ahnung vom “Ausland”. Das Ausländischste, das ich kannte, waren die zahlreichen Kinder des niederländischen Predigers Wim Malgo. Meine Tante, eine eifrige Jüngerin des Gottesmannes, brachte ein paar von ihnen manchmal zu uns auf den Bauernhof.
Anfangs der 60er Jahre wurde ich dann selber “Ausländerin”. Immer noch mit wenig Ahnung machte ich mich damals auf die Reise nach Israel, um als Volontärin in einem Kibbuz zu arbeiten. Ich hatte alles selber organisiert. (Es gab damals noch keine Anbieter für freiwillige Arbeitseinsätze in Kibbuzim.)
Im Hafen von Haifa wurde ich von einem Israeli abgeholt, der ursprünglich aus der Schweiz stammte. Dudel machte mir gleich klar, dass es morgen schon zu Ende sei mit Schweizerdeutsch und ich gleich jetzt mit der neuen Sprache anfangen könne: “Wosch e Miz tapussim, e Miz tapuchim oder lieber e Miz eschkolioth?” fragte er im Restaurant. Ich entschied mich für den Miz tapussim und bekam Orangensaft.

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