Hasenleben

Sie erzählte, wie gemütlich das Hasenleben hinter der Mauer war. Die Soldaten waren extra dazu da, um auf sie aufzupassen, damit sie kein Auto überfahren konnte. Wenn sie ein Butterbrot übrig hatten, warfen sie es den Hasen hin, und manchmal hatten sie auch ein paar Karotten. Natürlich war die Küche nicht so gut, wie in Wien, sagte Mimi, aber dafür hatte man hier seine Ruhe.

Mauerfall

... bis eines Tages, mitten in der Nacht, ein ungeheurer Krach losging. Auf der ganzen Hasenwiese trampelten Hunderte von Menschen herum, und alle schimpften auf die Mauer. Sie hatten Hämmer und Bohrer dabei und fingen an, die Mauer kaputtzumachern. “Was ist los?” fragte Esterhazy. “Die Mauer muss weg!” riefen die Leute.

Aus: Esterhazy. Eine Hasengeschichte
Irene Dische / Hans Magnus Enzensberger / Michael Sowa
Published by Sauerländer, Aarau, 1993
ISBN 10: 3794136160 / ISBN 13: 9783794136162

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Achtzehn neue Schlüssel müsste er nachmachen lassen, wollte er das aufgebrochene Schloss ersetzen. Da stecke er vorläufig nur ein Stöpselchen rein, damit die Tür nicht offen stehe. Walter ist deprimiert. Jahrelang passierte nichts Schlimmes und nun gleich zweimal ein Einbruch in den Geräteschuppen auf dem Kompostplatz. Es wurden ein Gertel (Hippe) und ein Vlies gestohlen. Den Gertel könne er vergessen, meint Walter, denn damit könne man stemmen, schlagen, schneiden – ein vielseitiges, gäbiges Werkzeug eben nicht nur für ihn. Das Vlies zum Abdecken seiner Kompostwalme suche er noch in der Umgebung. Könnte ja sein, dass die Diebe es in die Brombeersträucher geworfen hätten.
Auch die Platzger erhielten Besuch von den bösen Buben. Ihr Häuschen am Waldrand wurde aufgebrochen und im Innern aufs Gröbste verwüstet. Sie machten auch vor den Kalten Platten nicht Halt, welche die Platzgerfrauen für das jährliche Kompostgruppen-Essen vorbereitet hatten, schütteten u.a. Öl auf den Boden und zerschnitten den Gartenschlauch.
Leider erhielt auch mein Garten einen nächtlichen Besuch. Der Zaun wurde aufgeschnitten (mit dem Gertel?) und die Tür zum Geräteraum aufgebrochen (mit dem Gertel?). Gestohlen wurde nichts. Wahrscheinlich stieg einer der Diebe über das hohe Holztor und fiel auf die Steinplatten – Blutspuren.
“Schade, dass diese Gemeinschaftsorte kaputt gemacht werden, aber wir dürfen einfach nicht aufgeben”, sinniert Walter. “Es bleibt zu hoffen, dass die Diebe an Kleinem nicht für Grösseres üben.”

... so, wie Barbapapa seine weitgesuchte Barbamama liebte, als diese dann aus dem heimischen Boden spross.

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Guten Tag!

Die helle Sonn\'
(07:10:56)

Wir Kinder waren schon gross, als meine Mutter das “Chuchistübli” mit Schmierseifenwasser bearbeitete, den Hühnerläusen damit den Garaus machte, das halbblinde Fenster polierte, zwei Betten bezog und die finstere Stube so freundlich wie möglich heraus putzte. Zwei Pflegekinder sollten bald in unsere Familie kommen. Zum Glück gings dem Frühling zu und ein warmer Krug unter der Decke reichte, dass die Kleinen nicht frieren mussten. Im April 1963 brachte die Fürsorgerin Fräulein S. dann Nelli und Heinz, zwei Geschwister von sechsen, zu uns auf den Bauernhof, wo sich Füchse und Hasen nie gute Nacht sagten.
Ich erinnere mich, wie zerbrechlich die Kinder waren, Nelli ein zartes Vögelchen und Heinz ein dünner Bub mit unsicherem Gang. Meine Mutter merkte bald, dass der Junge eine Brille brauchte, um auf die Beine zu kommen. Diesen Kindern konnten wir nur Fürsorge und Liebe bieten, nicht den geringsten Luxus. Gerne hätten meine Eltern auch Rita, die Schwester der beiden, aufgenommen. Die Behörden aus dem anderen Kanton erlaubten es leider nicht. Das Mädchen brauche eine heilpädagogische Sonderschule, und es genüge nicht, wenn unsere Dorflehrerin verspreche, es nach Kräften zu unterstützen. Rita kam dann in ein Heim (ohne jegliche heilende Pädagogik und Zuwendung), durfte aber die Schulferien bei uns verbringen.

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Auch alte Besen wischen

Noch hängen …

Noch muss viel fallen

... viele Körbe voller Laub in den Ästen …

Den “zeitnahen Städtern” und Selbermachern, die u.a. “ihre urbanen Gärten bejäten” ...

Noch ein paar frostfreie Tage

... “sich hinter den eigenen Zucchettis verschanzen” und in “Einmachblogs stöbern” hat Christoph Fellmann (in Bund, Tagesanzeiger und Berner Zeitung erschienen) einen blumigen Artikel gewidmet.
Danke vielmal!

Hier wird z.B. “ein essbares Selfie” hergestellt …

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Stern am Morgen

Als ich heute Morgen aus dem Fenster sah …

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Maienbohnen I

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Sabbath in Venedig
(Campo di Gheto Novo)

Hier einige Bilder aus dem ältesten Ghetto der Welt, welche meine Tochter (2nd2nd, female) heute kurz nach 09:00 Uhr gemacht hat. Wer hätte im 16. Jahrhundert gedacht, dass sich “Ghetto” als Bezeichnung eines Stadtviertels unverändert bis ins 21. Jahrhundert halten würde?

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Mönch mit Jungfrau

Lütschinental mit Mönch (hinter Wolke) und Jungfrau

Wenn die Harderbahn ruckelnd an den Stahlseilen hängt und die steile Fahrt durch Felsentunnel und Wald hinauf auf die Kulm beginnt, bleibt einem nichts anderes übrig, als auf die Schweizer Qualitätsarbeit zu vertrauen. Die Reisegruppe aus Japan jedenfalls scheint sorglos. Auf sie wartet bereits der Lunchteller im Bergrestaurant, denn mit der übernächsten Bahn gehts wieder talwärts einer weiteren Sehenswürdigkeit zu. Meine Nachbarin und ich werden von den asiatischen Gästen gleich als “Einheimische” erkannt. Lachend fotografieren wir uns gegenseitig neben der blaugeblumten Kuh auf dem Aussichtssteg. Dann gibts auf der Terrasse Spargelcremesuppe und Trutenschnitzel mit Gemüse. Frauen im Niqab wandeln an uns vorüber, begleitet von Männern in legerer Freizeitkleidung, eine Mädchenklasse in hellbrauen Kopftüchern freut sich an den Hunde- und Bärenschlüsselanhängern am Kiosk.
Wir bleiben, bis sich die Schneeberge aus den Wolken schälen und erinnern uns an die Zeit, als wir noch ohne Bahn in den Bergen wanderten, ausser ein paar Geissen nur selten jemandem begegneten und meinten, die Welt sei in Ordnung.

Letzter Weierlitag 2014

Saisonende Im Weierli, 21.09.2014

Die Liegewiesen leer, ab und zu ein Gerumpel aus den Umkleidekabinen, wo Liegestühle zusammengeklappt und Sonnenschirme gerollt werden. “Phu, nein, einen letzten Schwumm mache ich heute nicht mehr, viel zu kalt!” meint meine Kabinennachbarin aus Nummer 43. Der Mann mit dem Kunstbein hat schon gestern gepackt, wünschte einen schönen Winter und hoffentlich noch einen nächsten Weierlisommer. Man weiss ja nie …
Dieses Jahr bin ich nicht allein beim Abbaden. Obwohl das Wetter wechselhaft ist, bestehen auch die Kleinkrähen darauf, noch ein letztes Mal in diesem Jahr im Weiher zu schwimmen und zu schwaddern. Die Erwachsenen sorgen für genügend Verpflegung, spielen Mühle, plaudern, drehen noch einmal ihre Runden – das Bad ist rund, lassen den kühlen verregneten Sommer in Gedanken an sich vorbei ziehen – trotz allem ein Schwimmsommer, auch bei niedrigen Wassertemperaturen.
Ab und zu zwischen den Wolken einen nachsommerlichen Sonnenblick, dann stürzen wir uns noch ein allerallerallerletztes Mal rein.
Während vor dem Haus die Sommersaison zu Ende geht, wird hinter dem Haus die Eisbahn für die Wintersaison präpariert.

Erster Schultag

Nun habens wir’s doch getan, obwohl wir uns alle 2005 geschworen hatten: “Nie mehr!” Ja, ich habe vor neun Jahren sogar gesagt:”Nur über meine Leiche …!”
Ich lebe noch – Alhamdulillah, und die erste Schulwoche meines jüngsten Enkelkindes in einer der schlechtesten Schulen Berns liegt hinter uns.
Kleines Bübchen marschiert wacker dahin, hat bereits eine Zaubertüte gebastelt, A – klein und gross – und zwei Zeilen A-Wörter geschrieben, hat geturnt und ist geschwommen. Von “Barry”, der sitzt als Plüschhund auf einem Hocker mitten im Schulzimmer und ist das Natur-Mensch-Mitwelt-Thema, erzählt der Bub nichts. Vor einem Jahr, als er in den Kindergarten kam, war’s “Die kleine Raupe Nimmersatt”. Raupe und Hund Barry sind dem Kind bestens bekannt, da Barry ausgestopft im Naturhistorischen Museum steht und die gefrässige Raupe seit 1969 ganze LehrerInnengenerationen beflügelt. Kleiner Bub beklagt sich nicht, alles noch einmal ein bisschen verlangsamt zu hören.
Nur die Mathematik, besonders die Hausaufgaben, sind eine herbe Enttäuschung. Gilt es doch von 1 bis 10 kleine Kreise im Zahlenbuch Nr. 1 auszumalen, gleiche Gegenstände einzukreisen und mit der entsprechenden Zahl zu verbinden – einfach bubileicht – zum Weinen. “So etwas Blödes mache ich nicht bis 10!” Statt direkte Linien vom Gegenständepäckli zur richtigen Zahl zu ziehen, wandert der Bleistift in Kurven, Schleifen und Zacken über die Seite, um schliesslich auf verschlungenen Umwegen bei den entsprechenden Zahlen zu landen – für Ahnungslose ein chaotisches Gekritzel.
Vor dem Nachtessen verlangt der neue Erstklässler zwanzig “richtige” Rechnungen. Seine Schwester in der zweiten Klasse möchte auch noch ein bisschen Mal-Rechnen. Also schreibe ich zwischen Tomatensauce und Quarkcreme die verlangten “Bigeli” auf.

Die Schule habe sich in den vergangenen Jahren geändert. Es gebe Qualitätskontrollen, meint der Co-Schulleiter, ein netter Mann, der ins Mobbing gegen meinen älteren Enkel nicht involviert war.
Hier im Westen werden viele neue teure Wohnungen gebaut. Von der A-Stadt will man möglichtst sofort weg und zum “In-Quartier” kommen. Dazu braucht es auch eine gute Schule. Gerade habe ich von einer Politikerin gehört, dass westenlich weniger Familien mit Kindern zuziehen, als erwartet. Das neue Schulhaus könnte also auch von anderen Quartieren, die mit Platznot zu kämpfen haben, mitbenutzt werden. Das wäre doch eine prima Gelegenheit für Eltern, die es lebensschulend finden, ihre Kinder mit “fremden Kulturen” bekannt zu machen.

Ich schweife ab, Entsch …

Möchte nur noch sagen, dass der frischgebackene Erstklässler in einer sehr netten Klasse ist mit mindestens vier sehr sympatischen und kompetenten Lehrerinnen. Wer weiss, vielleicht hat sich ja doch etwas geändert.

Mond I

(Fotos vom 11.08.2014, 03:21:45 – 03:24:33)

Wenn wir mit heiterer Seele durch die Nacht wandeln und ihn sehen, rund wie ein gelbes Auge, das genau überm Dach hockend auf uns herab schaut …

Mond II

... dann fängt die unsterbliche Ballade von Musset in unserer Erinnerung zu singen an.
Und ist es nicht der schelmische Dichter, der ihn uns alsbald mit seinem Blick zeigt:

Mond III

C’était, dans la nuit brune,
Sur le clocher jauni,
La lune
Comme un point sur un i.

Mond IV

Lune, quel esprit sombre
Promène au bout d’un fil,
Dans l’ombre,
Ta face et ton profil?

Aus: Guy de Maupassant: Auf See, Hamburg : mare, 2013, ISBN 978-3-86648-166-4

Der Bericht von Vered, einer Blogk-Leserin aus Israel, wurde als Kommentar zu diesem Eintrag geschrieben. Er erreichte mich nach meinen Ferien und soll als “Anhang” an einen älteren Beitrag nicht übersehen werden.

Sälü 1st,
auch ich hätte gerne ein Wort von dir zum „Nahen Osten“ gelesen und bin ehrlich gesagt enttäuscht über dein Schweigen. Dass du dich nicht gerne Leuten (und Gazetten sowie TV-Menschen) aussetzest, die wie Gott alles wissen, nur besser, kann ich begreifen. Aber dass du darauf verzichtest, dich zu informieren und auch jenen „dort unten“ vielleicht einen Gedanken zu schenken – das tut weh.
Damit du verstehst, was ich meine, füge ich einen kurzen Abschnitt aus meinem alten Blog bei (Nov. 2012, könnte aber auch von heute sein):

Ein Verwandter in der Schweiz pflegt von Zeit zu Zeit anzurufen, ein „Wie geht’s? Wie steht’s?“ Gespräch. Ausgerechnet jetzt hörte ich aber keinen Pieps mehr von ihm. Da rief ich an, ob bei ihm alles in Ordnung sei… Oh er sei so froh, mich zu hören, sie machten sich soooo Sorgen um mich. Ich: Dem könntet ihr aber leicht abhelfen. Anruf genügt! – Ja, er habe das nicht gewagt. – Warum nicht? – Aus Furcht, mir zu schaden, da bei uns doch die Telefone überwacht würden! – Ich griff mir an den Kopf. So sieht er Israel? Als Staat, in dem einen die blosse Tatsache, dass man Anrufe aus dem Ausland bekommt, gefährden kann? Als Polizeistaat, in dem jeder Bürger dauernd bespitzelt wird? Woher hat er bloss diesen Stuss, diesen Quatsch, diesen Blödsinn? Das Gespräch hat mich sehr niedergeschlagen. Ein starkes Gefühl der Entfremdung packte mich, der Unmöglichkeit von Kommunikation, als lebte ich auf einem anderen Planeten.
Ich habe seitdem nicht mehr gebloggt. Andere tun es besser, als ich konnte.
Hier einige gute Adressen, die anzutippen sich lohnt (wenn du dich noch für Israel und die Menschen hier interessierst). Frauen aus D und CH schreiben aus ihrem Alltag, jede aus ihrem Gesichtswinkel.

Die Altmeisterin ist Lila, eine mit einem Israeli verheiratete Deutsche, ehemalige Kibbuznikit, Kunsthistorikerin, Mutter von vier Kindern, von denen drei ihren Militärdienst schon geleistet haben. Sie ist besser informiert als viele Berufsjournalisten und schreibt sachlich, lebendig und konkret.
Empfohlen seien ferner: Eine Lehrerin und Übersetzerin aus dem Berner Seeland, junge Mutter, lebt offenbar nicht weit von Sderot.
Noch eine junge Mutter, aus Bayern, künstlerisch begabt, eigentlich nicht politisch , aber jetzt …
Blick auf die Welt – von Beersheva aus (M.A. Neuere Geschichte, Literatur, Theaterwissenschaft). Ausgezeichnete Ergänzung zu Lilas Blog, da weiter „rechts“ positioniert. Recherchiert sorgfältig und umfassend.
Zum Judentum übergetretene Sozialarbeiterin aus Deutschland, sehr fromm. Schöner, subjektiver Blog.
Mittdreissigerin aus Süddeutschland, „Bibliomanin“, zwei Kinder. „Eigentlich wollte ich nur mal mit eigenen Augen sehen, warum dieses Land auf so viele Menschen einen so großen Reiz ausübt. Bereits nach wenigen Tagen war es um mich geschehen“.
Eine gute Ergänzung ist die Stimme einer in Ostdeutschland aufgewachsenen jüdischen Berlinerin, wach, unabhängig denkend.
Wichtig ist auch der Kollektivblog, geschrieben von einem Team von 5-6 Leuten.

Noch etwas: Wenn du noch Verbindung zu Menschen in deinem früheren Kibbuz oder sonst in Israel hast – lass ein Wort hören. Du weisst nicht, was das für uns ausmacht.

Die Blogs:

Letters from Rungholt: http://rungholt.wordpress.com/

Kinder, Katzen und Kakteen: http://chutzpi.wordpress.com/

Gan Eden: http://travelganeden.wordpress.com Saskia

Blick auf die Welt – von Beersheva aus: http://beer7.wordpress.com/

Giur, Israel, Volontariate und mehr …: http://noa50.blogspot.co.il/

Fragmente: http://fragmentage.blogspot.co.il

Irgendwie jüdisch: http://irgendwiejuedisch.blogspot.co.il/

Spirit of Entebbe: http://spiritofentebbe.wordpress.com/

U wüsst i, wohi dass i fahre
u was dert alls wartet uf mi,
de fragt i mi glych, isch das ds Ändi oder
geit’s wyter, no anderswo hi?
(Aus: Wohär u wohi? von Heinrich Boxler)

Wir denken an Christoph H.
Geboren am Freitag, 4. März 1977
Tödlich verunglückt am Montag, 22. Juli 2013

Es war ein prächtiger Sommertag.

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