Quint Buchholz

(Bild: Quint Buchholz)

seiltänzer

fasst
fuss
auf wenig

fusst
fast
auf nichts

setzt
fuss
vor fuss

hoch
über
köpfen

Kurt Marti, 31.01.1921 – 11.02.2017

(Im Moment gibt es nicht viel Erfreuliches von ennet dem Grossen Teich zu lesen, deshalb bin ich froh um den kleinsten Lichtblick.)

Danke allen Lehrerinnen und Lehrern, die heute pünktlich ihre Klasse in Empfang genommen haben. Das ist nicht selbstverständlich!
Danke meinen beiden Töchtern, die heute gut vorbereitet vor ihre SchülerInnen und MitarbeiterInnen treten und Unvorhergesehenes managen werden.

Meine Enkelin (10 J.) hat einen Abschiedskuchen gebacken – Schoggi mit bunten Zuckerperlen und Marzipangemüse. Heute ist ihr letzter Tag in der schlechtesten Schule der Stadt. Wir alle haben’s versucht, bis das Mädchen jeden Abend weinte, nachts nicht mehr schlafen konnte und keine Hausaufgaben mehr heim brachte. Die Klasse war ihr viel zu chaotisch und laut. Die Schlägereien, besonders in der Pause, waren ihr zuwider. Sie wurde vor einiger Zeit zur Peacemakerin gewählt (Wer Ruhe und Frieden will, soll gefälligst selber dafür sorgen?). Dieses “Amt” belastete die Viertklässlerin nur noch mehr, besonders, wenn sie Konflikte lösen wollte/sollte – etwa nach Turnstunden mit verlorenen Spielen – und keine Erwachsener weit und breit zu finden war.
3rd, female hat einen Platz in einer sehr guten Schule erhalten. Um ihn zu bezahlen, werden wir uns alle einschränken müssen. Aber das kennen wir ja schon von früher. Viel Glück zum Start am neuen Ort!

... im alten Haus.
Über das alte Haus im Dorf habe ich hier schon oft berichtet.
Nach dem Tod der Eltern räumten wir nicht nur ihre hinterlassenen Sachen aus Stuben, Keller, Garten und Bühne, sondern auch alles, was frühere Bewohner in den vergangenen hundertdreissig Jahren zurück gelassen und Generationen von fleissigen Spinnen mit einem grauen Vlies zugedeckt hatten. Neben papierenen Wespennestern gab es zwischen den Balken auch die fein erhaltene Mumie einer Ratte. Während wir drei Schwestern mit der Unterstützung unserer Kinder putzten und fegten, konnten wir uns nach und nach vom Haus “Dorf 10” verabschieden. Wer hier wohl einziehen wird? Werden neue Besitzer alles “aushöhlen” und teure Eigentumswohnungen in die historische Hülle einbauen?

Das Haus hatte Glück. Von der neuen Besitzerin, einer Stiftung, wurde es fachgerecht und liebevoll umgebaut. Viel Altes wurde aufgefrischt und am Ort belassen. Unter dem weiten Dach hat eine sozialpädagogische Wohngemeinschft ihr Zuhause. Es wird nun u.a. musiziert, gemalt, geschreinert, und regelmässig finden auf der ehemaligen Bühne kulturelle Veranstaltungen statt.
Ich bin sicher, dass irgendwo auch eine neue Generation Spinnen netzelt.

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A Dieu

(Bild: ABC News, 20.01.2017)

... müssen wir uns – bis auf Weiters – wärmer anziehen und zur Aufheiterung ein gutes Buch lesen – denn der schlechte Film läuft schon – auch bis auf Weiters.

Am 30. November 2016 habe ich hier geschrieben:

Je näher die Wahlen rücken, desto mehr zweifle ich daran, dass wir nach 184 Jahren Herrschaft endlich eine Stadtpräsidentin bekommen...

Das Stadtpräsidium von Bern bleibt fest in Männerhand! Das ist bitter.
Mein Dank und meine Hochachtung allen, die sich für eine Stadtpräsidentin einsetzten. Es war nicht leicht, sich zu exponieren, denn der Gegenkandidat und heutige Sieger samt seinen zahlreichen Anhängerinnen und Anhängern gehören einer Gruppe an, die das Sagen in den meisten Bereichen unserer Gemeinde hat.
Interessant war, dass sich diesseits die Wahl ähnlich abspielte, wie ennet dem Grossen Teich – nur eben auf Seldwyla zugeschnitten.
Kein Blatt war sich zu schade, die Kandidatin zu diskreditieren, monatelang herunterzumachen, in ihrem Privatleben auf Jahre zurück zu schnüffeln, Frisur und Kleidung zu kritisieren, sämtliche frauenfeidlichen und verleumderischen Kommentare stehen zu lassen, die Verdienste der Politikerin abzuwerten und sie als Frau zu verspotten. So etwas muss frau aushalten. Ich könnte z’luter Wasser gränne.

Die Unterlegene wird ihre Arbeit im Gemeinderat fortsetzten zum Wohle unserer Stadt – und des neuen Stadtpräsidenten.

Eines Tages, wer weiss, wird sie zu der Überzeugung gelangen, dass die heutige Niederlage gut für sie war.

Seit siebeneinhalb Jahren wird in diesem Blog der Beitrag “Seniorenrabatt” immer wieder aufgerufen.
Gerne bringe ich diesen vom Orangen Riesen gewährten Seniorenvorteil wieder auf den aktuellen Stand, denn vor einigen Tagen erhielt ich eine neue Karte zugeschickt.
Zwar ist mein 10%-Rabattag immer noch der Dienstag, aber die begrenzten Einkaufszeiten (9:00-17:00) wurden aufgehoben. Gültig ist der Ausweis nun auch für Do it + Garden, melectronics, Micasa, SportXX und OBI. Das ist gut, denn es gibt doch ein paar Rentner und Rentnerinnen, die gärtnern, ihres fortgeschrittenen Alterns zum Trotz elektronische Geräte benutzen, eine neue Matratze und Wanderstöcke kaufen oder zu Hause etwas knutzelieren und sei’s auch nur eine Sitzerhöhung fürs WC.

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Graue Wolken hängen über den Alpen. Wacker macht die Sonne den Versuch, sie zu durchbrechen. Heute früh hat der Regen einen grossen Teil des Schnees weggewaschen.

12:33:58 Uhr ist der Januar-Mond voll. Mit einer nächtlichen Aufklarung ist nicht zu rechnen, denn Schnee ist angesagt.

O süßer Mond, o holde Nacht,
wenn Ruhe thront, nur Liebe wacht,
wenn Ruhe thront, nur Liebe wacht.

(Otto Nicolai: Mondaufgang aus der Oper Die lustigen Weiber von Windsor,
Aufnahme vom 26.11.2016)

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Botschaft an die Nachkommen

Hier eine mütterliche Zettel-Botschaft an die Nachkommen:

Diese Pfanne hat noch dem Grosi Rosa Schenk-Haueter gehört, darum stelle ich sie beiseite. Euch wird es nicht schwer fallen sie weg zu schmeissen.
Grosi Glauser-Schenk

Heute vor zehn Jahren – es war auch ein Dienstag – ist meine Mutter gestorben. Ich erinnere mich an die friedliche Stimmung im alten Haus. Mutter lag still in ihrem Bett, als ob sie noch den Liedern auf ihrer Lieblings-CD lauschen würde: Heimlig isch der Summer gange, Näbel isch uf d’Bärge cho ...
Im Ofen brannte das Feuer und um den Esstisch sassen Familienmitglieder und Besucher, während meine Schwester Rosy etwas kochte und alles ruhig im Griff hatte, wie in all den Jahren, als wir Müeti pflegen halfen.
Mutter hatte immer sehr gern geschrieben. Ihre “träfen” Briefe an Ämter, Zeitungen, Familienmitglieder und Verwandte lösten nicht immer eitel Freude aus. Sie schrieb auf jedes Zettelchen, das ihr in die Hand kam. Das hing sicher mit ihrer entbehrungsreichen Kinder- und Jugendzeit zusammen. So ein leerer, weisser, linierter Schreibblock, ein freier Augenblick nach einem langen Arbeitstag, dazu eine umher hängende Ungerechtigkeit in der Familie, der Gemeinde, der Welt und schon purzelten die Wörter aufs Blatt.
Vater sagte dann: “Advokat hätte sie werden sollen, unsere Mutter.”

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drei Knaben

Zusammen mit den anderen Krippenfiguren werden sie heute weich verpackt in die Holztruhe gelegt. Jedes Jahr ist das ein Moment, in welchem ich mich frage, wie es wohl beim nächsten Auspacken sein wird. Mache ich das noch selber oder lesen meine Kinder die kleinen Zettel in den Schachteln?
Drei Könige, zwei Teile. Sorgfältig und auf weicher Unterlage auspacken. Liebe Grüsse und eine friedliche nicht allzu stressige Adventszeit. I., 9-11-2011

Auf der Truhe steht der Name meines Grossvaters und das Jahr 1893, an welchem er 20 Jahre alt und volljährig geworden war.
Über diesen Johann Sch. weiss ich nicht viel. Man sagte, er sei ein uneheliches Kind einer Bauernmagd und eines Wanderarbeiters aus dem Süden gewesen. Das “fremdländische” Aussehen habe er seinen Kindern vererbt. Er war ein geschickter Schuhmacher, Reisigwellenbinder und Feldmauser, der nach dem Tagewerk auf seiner Handharmonika spielte. Leider konnten er und seine Frau Rosa trotz fleissiger Arbeit “vo eire Tagheiteri zur angere” nur eines ihrer vier Kinder ernähren. Die anderen drei verbrachten ihre Jugend als Verdingkinder bei Bauern.

Ich habe es verpasst, mehr über meine Grosseltern mütterlicherseits heraus zu finden. Vor einigen Jahren wurden die Akten der kantonalen Ämter umgelagert. In meiner Heimatgemeinde macht man den Beamten mit Nachfragen zurück ins 20. Jahrhundert (noch nicht digitalisiert) gar keine Freude. Um den Todestag meiner Grossmutter mütterlicherseits im Archiv nachzuschlagen, brauchte es über ein Jahr und die Androhung eines Leserbriefs, bis jemand in den Keller der örtlichen Turnhalle hinunter stieg und einen Ordner öffnete.

(Über die Vorfahren meines Vaters – meist Bauern und Totengräber im Nebenamt – geht der Stammbaum zurück bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts.)

Meine Enkelkinder lieben es, in der alten Truhe, dem Trögli, zu kramen.
Wenn ich alle Weihnachtsdekoratioen weggeräumt habe, öffnen wir den Deckel anfangs April wieder für Ogdern – kein Schreibfehler, sondern aus Emil Steinbergers Kreuzworträtsel;-)

Isabelle schlug die Decke zur Seite, stand auf und trat ans Fenster. Draussen war es noch dunkel. Der Sternenhimmel war von einer unglaublichen Intensität – der Mistral hatte jeden Schleier weggeblasen, weit weg, hinaus aufs Meer. Es hatte deutlich abgekühlt. Irgendetwas peitschte in den Böen gegen das geschindelte Dach ….

Das bin natürlich nicht ich, sondern Isabelle Bonnet, ehemalige Chefin der Police nationale und jetzt, auf eigenen Wunsch, Kommissarin in einem südfranzösichen Dorf.

Ich erwache um 05:43 Uhr mit Kopfschmerzen, draussen ist es heller als sonst – der angekündigte “Schnee bis in die Niederungen” bedeckt spurenlos das Quartier unter mir. Im Block ist alles ruhig. Ich schlüpfe noch mal unter die Decke und öffne auf meinem iPad die Leseprobe (siehe oben) eines Krimis. 62 Gratisseiten lang befinde ich mich in der Provence, wo Isabelle Bonnet bei einem frühen Morgenspaziergang – auch sie ist mit Kopfschmerzen erwacht – über eine nackte Männerleiche stolpert.
Am Ende der Leseprobe drücke ich nicht auf “Kaufen”.
Anschliessend lese ich hundert Seiten aus dem Februarbuch für “mein” Café littéraire. Eine Mutter-Töchter-Schwestern-Geschichte, wird als Mutmacherbuch angepriesen und war der Vorschlag einer Leserin aus der Gruppe. Nach hundert Seiten bin ich überzeugt, dass die restlichen zweihundertvierundsechzig von mir ungelesen bleiben werden.

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Der Stern
Heisser Tee für Gäste auf dem Hochhausdach 21. Stock. (Foto vom 22. Dez. 18:43 Uhr)

Bereits am späten Nachmittag schleicht sich an der Hauswand der Nebel hoch. Er verschlingt seelenruhig alle bunten Lichtgarben, -kugeln, -regen und es bleiben nur Knallen, Heulen und Pfeifen. Eigentlich gäbe es für mich in den letzten Stunden des alten Jahres noch eine Menge zu tun, wollte ich fixfertig aufgeräumt ins neue treten, aber ich lasse alles liegen und nehme noch einmal die zahlreichen Weihnachtskarten zur Hand mit den Wünschen, die ich hier weitergebe:

Kraft
Energie
Glücksmomente
Gesundheit
Zeit, um anzuhalten und
vorwärts zu schauen
Zufriedene Füsse
Freundschaft
Hoffnung
Offline mit dem Alltag und
online mit den Lieben um uns
Zeit für Dinge, die dir gut tun und
die du richtig gerne machst
Gelegenheit, um Erinnerungen zu pflegen,
die Gegenwart zu besprechen und in
die Zukunft zu schauen

Une très bonne année 2017

Lauchernalp
Foto (2nd, female) vom 31.12.2016, 17:41
Walliser-Alp – wo sich gerade ein Teil der Blogk-Familie aufhält – 1970 m über Meer nebelfrei

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Aus: Das Magazin No 51/52, 24. Dezember 2016

78 drängende Fragen des Lebens, von Expertinnen und Experten erklärt.

1. Frage
Was ist der Sinn des Lebens?

Der Sinn des Lebens verbirgt sich hinter diesen drei Fragen:
Was ist der richtige Zeitpunkt?
Wer ist der wichtigste Mensch?
Was soll ich tun?
Der richtige Zeitpunkt ist der Augenblick. Nur über ihn haben wir Gewalt.
Der wichtigste Mensch ist der, mit dem uns der Augenblick zusammenführt; denn niemand kann wissen, ob wir es noch je mit einem anderen zu tun haben werden.
Das wichtigste Werk ist, dieser Person Gutes zu erweisen – denn nur dazu ist der Mensch ins Leben gesandt worden.

Leo N. Tolstoi, russischer Schriftsteller, in: «Die drei Fragen»

Baum 16
Ein Baum aus dem Bremgartenwald.

Sie schmecken nach Mandeln und Orangen mit einem Hauch von Kirsch (?), sind schlicht rund, nur kurz gebacken, etwas blass und zergehen einem auf der Zunge – die diesjährige limitierte Weihnachtsguezli-Kreation aus der Backstube von 2nd, male heisst “Macaron Bhumibol”. Am Familientisch erinnern wir uns an die “Fleurs de Kaboul” von 2005. Seitdem gibt es immer wieder eine neue, auf nur eine Weihnacht limitierte Sorte, die einen Namen zu einer politischen Aktualität des vergangenen Jahres bekommt.
Könige der festlichen Erzeugnisse sind und bleiben die Spitzbuben mit der Geleeüllung aus der eigenen Küche.
Die kleinen Krähen haben gezeichnet und geschrieben, verschenken allen Familienmitgliedern einen äusserst grosszügigen Komplimente-Brief. Nun habe ich es schwarz auf weiss: “Du bist nämlich nicht nur die gescheiteste, sondern auch die schönste, grosszügigste und liebste Grossmutter der Welt. Wir versuchen auch im 2017 das aller Beste. HO HO HO HO HO, fröhliche Weihnachten.”
(Danke, ihr Lieben, auch ich versuche im neuen Jahr das Allerbeste!)
Endlich kann ich eine langjährige Bildungslücke schliessen, denn neben anderen interessanten Büchern besitze ich nun eine feine Ausgabe “Anleitung zum Unglücklichsein”.
Wenn Scheren und Messer nur noch schneiden “wie ne tote Hung biisst” (wie ein toter Hund beisst), freut man sich über die scharfen Neuen.
Köstlich fanden wir alle die Golf-Nudeln aus der VW-Servicefactory Wolfsburg, Mitbringsel von einem Arbeitseinsatz. (Serviettenhalter mit Mercedes-Logo müssen dann nicht unbedingt sein;-))

Es war wieder ein turbulentes Weihnachtsfest mit ein bisschen überdrehten Kindern und eigentlich müden Erwachsenen, feinem Essen, gutem Wein. 2nd, male spielte auf dem Klavier einige jazzig angehauchte Weihnachtslieder, zu welchen nun auch unser jüngstes Familienmitglied (2nd3rd, female, 13 Monate alt) tanzen wippen konnte.

Pauluskirche

Ehrlich gesagt komme ich mir in dieser Christnacht meinem Quartier gegenüber ein bisschen untreu vor, besuche ich doch den Gottesdienst mit Tochter und Enkelin in einem anderen Stadtteil. Der Grund: zwei Familienmitglieder singen im Weihnachtschor.
Am Eingang verteilt der Sigrist den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern eine Kerze. An der prächtigen Weihnachtstanne glitzern Sterne und Kugeln mit den Orgelpfeifen (2300 Stück!) um die Wette. Die Glocken läuten. Der Chor, geführt von einem jungen Dirigenten, jubiliert In Dulci Jubilo. (Muss meine Tochter, ehemalige Flamencotänzerin, daran hindern zu klatschen und Olé zu rufen).
Der Pfarrer streicht sich nun auf diskret schwarzem Tablet durchs Gebet und dann durch die Weihnachtsgeschichte nach Lukas, Kp. 2. Wie viele Jahre ist es her, seit ich diese wieder einmal erzählt bekomme? Sehr feierlich – ich kann sie immer noch auswendig von “Es begab sich aber zu der Zeit…” bis ”... wie denn zu ihnen gesagt war.”

In flottem Tempo und mit freudigem Elan nimmt der Dirigent die Gemeinde mit auf die Fahrt durch die alten Weihnachtslieder Ros’ entsprungen, Ehre-sei-Gott- in- der- Höhe-Kanon – klingt voll und rein, Stille Nacht und Oh du fröhliche ebenso. Kein Wunder, hier singen viele Lehrerinnen und Lehrer, Leute, die ein Instrument spielen, Mitglieder von Orchestern. Sie kennen die Lieder auswendig.
Der Sigerist zündet die Kerze an und gibt das Feuer weiter. Dieses Licht vom Nachbarn nehmen passt mir weit besser als das “U-itz-gäbe-me-alli-enand-d’Hand” – nur peinlich.
Noch ein Himmelhoch vom Chor, dann die Fürbitte und die Kollekte für palästinensische Frauen und ihre Kinder und die Flüchtlinge in Bern. Dann Segen ohne Tablet. Der junge Organist lässt es fröhlich durch alle 2300 Pfeifen brausen. Gesittet rückt man dem Ausgang zu. Als ich meinen Batzen in den Opferstock fallen lasse, gibt es kein Geräusch, die Blechpinte ist bis obenhin voll mit Noten.

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Noch nie habe er so viele Tannenbäume verkauft wie in diesem Dezember. Zahlreiche Kunden und Kundinnen seien zum ersten Mal zur Verkaufsstelle im Bremgartenwald gekommen, erzählt der Förster. Je böser es in der Welt zu und her gehe, desto mehr hätten die Menschen das Bedürfnis, einen Baum zu schmücken – oder mögen sie einfach beim Grossverteiler keinen angetrockneten mehr kaufen? Herr Werder weiss es nicht, hat alles geholzt, was an Tannenbäumen “nache” war und weiss, dass nur noch kleine und mittlere Rottannen für den letzten Ansturm übrigbleiben. Unseren Baum, eine zweieinhalb Meter grosse Nordmanntanne, bekam er gestern aus dem Wald seines Freundes – die letzte in dieser Grösse.
Obwohl der Hochnebel keinen Sonnenstrahl durch lässt und sich nirgends ein Flöckchen Schnee verfangen hat, ist die Stimmung zwischen Tannenbäumen, Feuerholzbeigen, Deckästen und Mistelzweigen friedlich. Der Förster sorgt dafür, dass der Baum sicher transportiert werden kann und zu Hause in die Halterung passt.

Jedes Jahr nehme ich mir vor, einen sogenannt “besinnlichen” Advent zu machen mit vier roten Kerzen, *Vorlesebuch für die Enkelkinder und früh eingekauften Geschenken. Aber immer kommt etwas Unvorhergesehenes dazwischen, so dass ich ausser dem Türchen im Adventskalender nur wenig Besinnliches zu Stande bringe.
Schön und festlich war die Party meiner beiden Töchter, die ihren Dezembergeburtstag zusammen feierten, mit Fondue riche beim Feuer im Garten mit vielen warm eingepackten lustigen und interessanten Gästen.
Daneben gibt es aber Dezember-Erinnerungstage, an welchen uns Familienmitglieder und Freunde abhanden gekommen sind, weil sie nicht mehr leben wollten. Das macht traurig, und wenn sich ein solcher abrupter Weggang jährt, hat man wieder einige schlaflose Nächte. Dazu kommen die schlimmen Nachrichten aus der Welt. Lässt man das Feiern nicht besser bleiben?

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