Ihr Hilfswerk hat keinen Namen. Ihre Reisen bezahlt sie aus der eigenen Tasche. Kosten für die Administration fallen kaum an. Vom 11. Stock eines Hochhauses in Berns Westen leitet Elizabeth Neuenschwander mit ihren 85 Jahren drei Schulen (zwei Drittel sind Mädchen) und ein Frauenzentrum in Afghanistan und Pakistan. Jeden Samstag – bei niedrigem Telefontarif – spricht sie mit ihrer Assistentin in Kabul, welche ihr wöchentlich auch einen Bericht zu den Projekten per E-Mail sendet.
Mindestens zweimal im Jahr erhalten die zuständigen Botschaften in Genf einen unerbittlichen Besuch von der zierlichen alten Frau. Ohne ein gültiges Visum wird sie das Gebäude nicht verlassen. Das weiss mann aus Erfahrung

In diesem Monat ist es wieder soweit. Die Reise geht nach Kabul, wo Frau Neuenschwander sich mit der Leiterin des Frauenzentrums und dem Leiter der Schulen treffen wird, zur Sicherheit in einem Privathaus. Und natürlich wird sie dabei sein, wenn die Absolventinnen des Nähkurses ihr Diplom erhalten. Wer zwei Jahre fleissig gelernt hat, bekommt neben einem Diplom die Nähmaschine geschenkt.

(more…)

Erholungsgebiet

Fetthenne, Wullblüemli, Schwärtlilie, Tschuppufriesli, Stigüferli, MaggiJohannisuBohnechrutt, Röselichöli, Wandeluchlätterrösli, Sunnehuetublueme, Gloggeräbe, Guggumere, Stinkendi Hoffart, Lattlech, Boumtropf, Chruusle, Meertrübeli, Himpi, Chifu, Schtritte, Chruttschtile, Süferli, Huswurz, Frouemänteli, Geissblatt, Prunkwinde, Sälbine, Eichblattsalat, roti Melde …

(Uf Züritütsch tönti das kompetänter, steit i dr Zytig;-)

(more…)

“Willst du mal … ?”

(more…)

Supergabentisch

(Gabentisch, gesponsert von den Geschäften im Quartier, Juni 2015)

Heute treffe ich meine Nachbarin nicht im Schwimmbad, sondern am Fussballplatz, wo unsere Enkel alles geben für 3018 gegen 3027. Mit den Knirpsen ist nicht zu spassen. Sie tribbeln und pässlen hoch konzentriert, vielsprachig angefeuert von ihren Familien am Spielfeld. Einigen Sportlern hängen die Leibchen in diesem Jahr noch über die Knie. Wer im grossen Tor steht, weiss auch ohne Pedro: “Dr Goali bin ig.” Wir Grossmütter sitzen im Schatten, bewundern die Fortschritte unserer Enkel und sind stolz auf ihre Väter und Mütter, die dieses Turnier profimässig leiten. Wie war das doch früher, als diese Väter Buben waren und sich in verfeindeten Quartier-Banden gegenseitig vertöffelten?
Leider verlor Bethlehem das Heimspiel, und unsere Bümplizer gingen als Sieger vom Platz. Klar wollten sie nicht mit den Grossmuttertaschentücher den Schweiss abgewischt bekommen, der ihnen von den Stirnen strömte.

(more…)

Die ganze vergangene Woche wurden Wetterapps (allgemeine und regionale), Wettergrafiken in Zeitungen, Berichte im TV, wandernde, schwimmende, gärtnernde Nachbarn, ja, sogar die Frösche im Schulteich befragt, wie äch das Wetter am Sonntag … Alle meldeten Regen, Regen. Regen wäre ja wunderbar, aber da ist (nicht mehr ganz) Kleines Mädchen, welches sich nichts anderes zum Geburtstag wünscht, als ein Fest mit Feuer …

(more…)

Beschatten

Nein, kein Thriller, in welchem z.B. Jim Prideaux (mein Lieblingsspion) in einer Prager Hintergasse beschattet wird, sondern mein alljährlicher Feriengeklöne – beschatten, beschatten.
In diesem Sommer erhalten wieder einige Grossmutterleitücher und Bettbezüge eine neue Funktion und tun ihr Bestes, auch das leiseste Windchen einzufangen …

(more…)

Arztpraxis

Arztpraxis in Südfrankreich, fotografiert von 2nd2nd, female am 9.7.15

Wo sich die Bretter von der Bücherlast biegen, die Zeitschriften sich türmen, die Heiligen sich dicht an dicht reihen und der Doktor seine Notizen von Hand schreibt, verweilt man gerne und wird dabei schon beinahe gesund. ( 3rd, female mit Ohrenentzündung.)

Allen schöne Sommertage an einem schattigen Plätzchen!

Im Vollmond

Tomi Ungerer, 72/150

(fotografiert und weiter erzählt bei Vollmond von 1st, female)

Seitdem sich die drei Räuber ins Waisenkindergeschäft begeben hatten und täglich unglückliche, verlassene Kinder in ihr prächtiges Schloss karrten, hatte sie sich mit dem riesigen roten Beil des Dritten davon gemacht, zertrümmerte damit in dunklen Nächten weiterhin Kutschenräder, nicht, ohne den Pferden vorgängig Pfeffer in die Nüstern zu streuen. In Vollmondnächten sonnte sie sich am See und verzog sich dann in die verlassene Räuberhöhle hoch in den Bergen, sobald die fröhlichen Waisen aufwachten und in ihren roten Räuberuniformen durch die Gegend rannten. Sie stopfte sich Moos in die Ohren, wenn wieder eine Hochzeit im Schloss anstand und neue Häuser gebaut wurden.
Das Moos wärmte ihre Gehörgänge, verströmte einen feinen Duft und sie war erfüllt von grosser Dankbarkeit, dass die Leute mit den roten Hüten nur drei mächtige Türme gebaut hatten.

(more…)

Wenn ich so richtig über Zeitmangel jammern will sage ich: “Ich kam nicht mal dazu, den Kalenderzettel abzureissen.”
Gerade habe ich mich dieser tristen Beschäftigung hingegeben.
6, 7, 8, ... 15, 16, 17, ... 23, 24, 25
Max Ernst, Di Bartolomeo, Huber (Ika, einsam unter Männern), De Vries, Derain, Schiele, Fruhrunk, Perugino, Munch, Moret, Jones, Bellini, Bonnard, Russolo, Flegel, Sperl … alle ab ins Altpapier – Sorry, ihr Grossen!

(more…)

Rose

Den Schirm griffbereit im Einkaufswagen, in Jacke und Halstuch (aber mit Riemchensandalen) stehe ich vor dem Stand mit Schnittblumen. Es ist auch dieses Jahr kühl um den Sommeranfang. In einem der zahlreichen Eimer stehen aparte Buschrosen Eierschalenweiss mit Pink. Der Gärtner wickelt mir einen Zweig mit Blüten und Knospen ein.
“Diese Rose geht auf mich!” ruft ein Mann, der sich am anderen Ende des Standes mit Marktbesuchern unterhält. “Das ist ja henne nätt, danke!” sage ich erstaunt und erfreut, schüttle ihm die Hand und wünsche ein schönes Wochende in die Runde.
“Man kann ja auch einmal jemandem etwas schenken, den man nicht kennt”, meint der Mann lachend.
Recht hat er.

Im Tram treffe ich eine Genossin, die sich wundert, dass ich vom Markt komme. Um diese Jahreszeit sollte ich als Hobbygärtnerin doch genug eigenes Grünzeug ernten können, oder nöd?

Abends hing Mamoun meistens im “Ombra” herum und hielt erfolgreich Ausschau nach einsamen Herzen. Seine Kindheit hatte er im südliche Atlas hinter sich gebracht, einem trocken zerklüfteten Gebiet, jedem kleinsten grünen Hälmchen feindlich gesinnt.
Nachdem die holländische Familie, welche ihn als Mädchen Bübchen für alles in ihre Genfer Villa mitgenommen hatte, ohne ihn weiter gezogen war, fand er in Bern ein paar magrebinische Landsleute, über die er bald alles wusste: wer mit wem, wann, wo warum und so. Abends im “Ombra” wurde Mamoun umringt von hellhäutigen Bärnermeitschi, welche eifrig ihr Schulfränzösich an diesem blendend aussehenden jungen Mann ausprobierten. Solch exotische Männer waren anfangs der Sechzigerjahre in der Bundesstadt rar und all die Einwanderungverhinderungsinitiativen noch nicht angedacht.

(more…)

A dr Westwang vom Block isch es ruehig, drum hani d’Hälfti vo mim verstoubete Balkon gfägt u ghoffet, i chönni d’Wösch a dr gsiblete Sunne tröchne. I ha alles schön ufghänkt u wott us Übermuet vo so vil Rueh grad e Vierzger obtue, wo ni vo dusse es churzes Pfiffe dür Zäng ghöre. Zwe Bouarbeiter mit ere schildchrottähnleche Maschine chlättere über d’Balkonbrüschtig. “Isch das öie Ärnscht?” frage-n-i. “Müesse schliiffe Bode, sorry. Si mer doch sächzähnte Stock, oder?” Dr eint hilft mir, dr Wöschständer i d’Stube z’trage. Itz schliift dr anger dr Bode uf de Chnöi ab. Dr Schliifstoub wird vomene Stoubsuger, wo uf em Grüscht steit, ufgsugt. Töne tuets wie weme amene Riis würd i de Zäng bohre.
Weni dra dänke, das im Block no mindeschtens 300 Balkön müesse usgschliiffe wärde – mine wird der “Muschterbalkon”, wo me d’Farb usprobiert – mues i die Schliifer nume bewundere.

Heimatstuedeli

Und Tor

Nein, heute nichts über Fussball!!

(more…)

Salat & Co.

Eichblatt, Melde, Schnittlauch, Sellerie, Liebstöckel.
verschiedene Minze, Zitronenthymian, Catalogna-Blätter,
Rhabarber …

Zum ersten Gartensalat gibts einen Käsekuchen (Wähe) mit Kräutern und frischem Minzentee. Zum Nachtisch einen Rhabarberkuchen mit Schlagrahm.
(Für Salat- und Kuchenfotos hat’s nicht gereicht – ein gutes Zeichen).

(more…)

Gegen den Kernbohrer einige Stockwerke unter mir kommt der Elektriker mit seinem feinen Werkzeug – hohes Sirren jagt einem durch die Zähne – nicht an. Ein Schwall Schmutzwasser stürzt durchs offene Abflussrohr auf meinen Balkon, begleitet von einem ohrenbetäubenden Rollen und Brausen: der Kaercher-Panzertrupp arbeitet sich die Fassade herunter.

K1 K2
K3 K4
K5 K6
K7 K8

(more…)

Next Page »