2004


Vorhin hat ein Junge aus 3rds Klasse hier geklingelt, der der Blogk-Familie normalerweise feindlich gegenübersteht. Kein Wunder, seine Eltern finden “diese Studierten” einfach nur so zum Wegschmeissen (dass 3rds Eltern nicht studiert haben, ist sowas von egal) und er hat daher bei uns von Zuhaus aus Hausverbot. Jedenfalls war der dann doch hier an der Tür:

Er: Kann ich dein Lesebuch leihen?
3rd: Wozu?
Er: Um das Gedicht zu lernen, das wir müssen bis morgen.
3rd: Ich habe es vergessen.
2nd, female: Ich kanns dir rasch ausdrucken, wenn du warten möchtest?
Er: Ich warte.

Ich hole “Knecht Ruprecht” von irgend einer Kindergarten-Präpp-Seite und passe den Text auf die Lesebuchversion an, während der Junge und 3rd vor der Türe flüstern. Dann mache ich eine lesefreundliche Variante im Word, die ich ihm in einem nigelnagelneuen Klarsichtmäppchen überreiche. Richtig elitär und superstudiert.

Er: Danke, tschüss.
3rd und ich: Tschüss.

Background: 3rd, der Streber, kann den Ruprecht längst auswendig, darum hatte er sein Lesebuch nicht dabei. Aber das würde er nie im Leben zugeben.

Man soll nicht nur in den Teller, sondern auch über dessen Rand schauen. In diesem Falle ist beides sehr erbaulich. Zum Beispiel die Website eines meiner liebsten Lokale. Besonders interessant: die Link-Kategorie “Matrimonials”. (Die Links “Heiratvermittlung” wurden unterdessen rausgenommen. 1st, female, 02.09.2013)

ist wieder da!!!

Jemand hat es mir letzten Donnerstag in den Briefkasten getan. Es ist nicht kaputt. Ich möchte gerne wissen: hat jemand ein schlechtes Gewissen gehabt oder haben es die Eltern gemerkt? Ich freue mich riesig, dass ich es wieder habe!!!

... zu meiner Lehrertabelle:

Jemand hat mittelrichtig geraten:

Platz 1: Französischlehrerin (ich habe nur eine, auch wenn sie 2x drauf war, das war ein Fehler.)
Platz 2: Gitarrenlehrer1 und Gitarrenlehrer2 und Flamencolehrerin
Platz 3: Herr Werken nicht textil, Flötenlehrerin1, Flötenlehrerin3
Platz 4: Klassenlehrerin1 und Klassenlehrerin2, Englischlehrerin, Flötenlehrerin2, Skilehrer
Platz 5: Frau Werken textil2
Platz 6: Frau Werken textil1

Seit drei Tagen liegt bei mir eine Packung Kaliumiodid, 2×6 Tabletten, von den verantwortlichen Behörden vorsorglich und gratis nach Hause geliefert. Auf dem Informationsblatt, verfasst in acht Sprachen und in winzigst kleiner Schrift, werde ich angewiesen, wie ich mich bei einem schweren Kernkraftwerkunfall zu verhalten habe. Alle, die im Umkreis von 20 km eines Kernkraftwerkes wohnen, sollten diese Jodtabletten griffbereit haben: Bitte, lagern Sie die Tabletten an einem Ort, wo Sie diese sicher wiederfinden.
Da ich in Zone 1, nur 10 km vom Kernkraftwerk Mühleberg entfernt wohne, nehme ich die Lupe zur Hand um nichts zu übersehen. Bei Gefahr, dass radioaktive Stoffe freigesetzt werden könnten, alarmieren die Behörden die Bevölkerung. Informationen dazu finde ich im Telefonbuch auf den hintersten Seiten: (ein regelmässig auf- und absteigender Ton der Sirenen, dauert 1 Min. mit 2 Min. Unterbruch). Die Behörden ordnen an, wann die Tabletten, mit viel Flüssigkeit, ein erstes Mal eingenommen werden sollen und wie lange. Die Informationsschrift: “Chemie und Radioaktivität im Alltag” erhalte ich gratis beim Bundesamt für Gesundheit.
Zu Weihnachten wünsche ich mir, dass es nie zu einer Alarmierung der Bevölkerung kommt. Das Merkblatt kann längst nicht von allen gelesen werden und kein Mensch weiss, was inzwischen mit all den Tabletten aus der Armeeapotheke geworden ist. Obwohl die Führungen durchs Kraftwerk bei den Schulklassen nicht unbeliebt sind, scheint es ein ungeahntes Problem zu geben, das von den Befürwortern der Kernenergie hier in der Schweiz (noch) nicht thematisiert wird.
Ich weiss, dies ist ein un-heiterer Beitrag für einen 2. Advent, aber Kleingedrucktes verschiebe ich immer auf den Sonntag.

Er türmt sich in hohen Haufen in der Schauplatzgasse und vor dem Bundeshaus, versperrt den Zugang zu den “Lauben”. Der Verkehr muss umgeleitet werden, Verspätungen von Bus und Tram sind nicht auszuschliessen. Menschen stehen in Gruppen zusammen, reden und gestikulieren, lachen, wundern sich über die weisse Pracht. Durch Schauplatz-, Gurten- und Kochergasse weht ein kalter Wind, während es in der Spitalgasse heute frühlingshaft warm ist und man eigentlich die traditionellen lebendigen Osterhasen in den Loeb-Schaufenstern erwartet. Aber in den hinteren Gassen herrscht emsiges männliches Treiben. Lastwagen, beladen mit Schnee lassen diesen in die Gasse flutschen, Absperrgitter werden zusammengehakt, Tribünen und Brücken errichtet, Rohre verlegt, um das Schmelzwasser abzuleiten, Rivella-Zelte aufgebaut, Lautsprecher eingerichtet. Die Bundesgasse wird mit weissen Planen überdacht. Das Organisationskomitee, ernste, stämmige Herren in hellblauen Sportjacken, versprechen sich gegenseitig, dass die Temperatur bald sinken würde. Sie haben sonst nichts zu tun, alles läuft, generalstabsmässig, wie am Schnürchen. Bern steht ein Langlauf-Weltcup-Wochende bevor und die Arbeiter packen an, strahlen, machen ein Spässchen. Heute sind sie die Stars.
Ich nähere mich einer Gruppe von Buschauffeuren und frage:
“Woher kommt der viele Schnee?”
“Das isch dr Abriib vo öppe füfzäche Iischbahne i dr Schwyz”, wird mir erklärt.
Ich muss lachen, diese Schweizer verkaufen sogar den gleichen Schnee zweimal. Der eisige “Abfall”, der von den Bahnen gewischt wird, wird hier zur Langlauf-Schlaufe präpariert: Mit der Loipe zu den Zuschauern ...
Cidhem, die Strumpfverkäuferin im Loeb, kann die Mittagspause kaum erwarten. Sie muss den Schnee sehen. Er gehört einfach zur Adventszeit. Es geht nichts über Bern im Schnee an Weihnachten.
Im Bus sitzen vor mir zwei albanische Frauen. Sie haben ein künstliche Weihnachtsgesteck gekauft und drapieren lachend die Blumen und Schlaufen neu. Die Jüngere trägt eine rote Umhängetasche mit Schweizerkreuz.

„Die Adventszeit ist für uns Lehrkräfte meistens eine unheilig schwierige Zeit.“ (November 04, aus einem Brief von der Schulleitung an alle SonderschullehrerInnen)

In der kleinen Pause beleidigt ein albanischer Nachbarsschüler die Mutter meines mazedonischen Schülers. Daraufhin bekommt der eine Halbwaise vom anderen Halbwaisen einen unheiligen „Bodycheck“, fliegt quer durch den Flur und bleibt liegen.

Die beschnittene Schülerin, 47kg, verprügelt den Katholiken. Nach meinem Einschreiten, taucht sie hinterrücks mit einem frisch gespitzten Bleistift auf und rammt ihn dem „Tsching“ in die Wange. Die Spitze musste im Spital entfernt werden. Der Italiener provoziert das Mädchen gerne, weil dieses immer unheilig spektakulär reagiert. Sie kann zwar nicht links und rechts unterscheiden, kämpft aber wie eine Tigerin, schreit wie die Vögel in “Ronja Räubertochter”, spuckt wie ein Cowboy und benutzt Wörter wie Nuttensohnscheidungskindhurensiechmongoloidbrillenschlangemissgeburtfiggdeinemutter.

Heute fand ein Elterngespräch statt. Ich war als erste im Schulzimmer, bemerkte nebenbei, dass schon die ersten drei Säckchen des Adventskalenders leer waren und zündete eine Kerze an.

Bisher hatten die Eltern jegliche Zusammenarbeit unterbunden und sind öfters umgezogen, wodurch die Töchter immer wieder den Schulkreis wechseln mussten. Mein Ziel war die heilige Unterschrift des Vaters für die Anmeldung seiner Tochter zur Abklärung auf der EB. Das Mädchen bereitet mir im ganzen Ghetto am meisten Kopfzerbrechen. Die schlaflose Nacht war jedoch umsonst, der Vater zeigte sich zur Zusammenarbeit bereit. War das das Ergebnis des Moduls “Gesprächsführung” oder bewirkte der gestrige Bleistift-Vorfall die Kooperation des somalischen Vaters?

Ich hatte einen Jacken-Wunsch aus dem Knabenheim zu verwirklichen. Habe ich gemacht und bin gestern mit dem Velo in die Abgeschiedenheit der Knabenheime gefahren (übertrieben, das Velo musste ich stossen, der Weg war definitv zu steil zum Fahren) und habe die Super-Jacke anprobiert. Aber sie war zu klein. Ich habe sie wieder mitgenommen und den Lauf zur richtigen Grösse in nützlicher Frist begonnen. Der Knabe geht nämlich am 15.12. in den Schnee und hat nicht etwa eine Alternative, nein, er hat eben nichts. Sondern als somalisch-kenyanischer Mensch einfach nur kalt.

Jedenfalls konnte ich die Sportgeschäftdame mit dieser Tränendrüsen-Geschichte, die nichts als die Wahrheit ist, davon überzeugen, mir die Jacke zu beschaffen, wo auch immer her. Direkt ab Händler muss ich aber 21.—CHF draufzahlen, deklarierte die Gute den “Haken”. Ich habe versichert, dass mir das nullundnix ausmachen würde (die Spende für die Minenkinder schrumpft zwar, mit denen verrechne ich das nämlich). Die nette Sportartikel-Dame hat aber noch einmal gefragt. Und ich habe noch einmal bestätigt und meinerseits gefragt, ob sie es schriftlich möchte? Worauf sie geantwortet hat: “Nein, nein. Hausfrauen glaube ich das.”

Yeah, ich bin eine Hausfrau. Sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen. So fühle ich mich gerade und ich habe den Eindruck, dass es der Familie überhaupt nicht bekommt. Alle sind verdammt überllaunig.

war auch hier ein solcher Tag.
Ich überlegte, während draussen der Nieselregen nieder ging und die Kürbissuppe des Mittags das einzige Helle bleiben sollte, ernsthaft den Beruf zu wechseln. Zwar hatte ich eben wieder einige Anfragen zur Frauengeschichte beantwortet, einer Studentin Bücher zu ihrer Hedwig-Dohm-Recherche vorgelegt und der älteren Historikerin gezeigt, wie ein Online-Katalog funktioniert. Trotz dieses sinnvollen Tuns dachte ich zurück an die vielen Jahre, in welchen ich als Erzieherin gearbeitet hatte, seis in Heim, Hort, Quartier, Schule, als Mutter, Pflege- und Grossmutter.
Abends, eingequetscht zwischen den feuchten Mänteln der telefonierenden Pendler, taucht in meiner Erinnerung eine ganz besondere Kindergruppe auf.
Zu Hause angekommen, greife ich nach einem alten Album.
Da sitzen sie auf ihren kleinen Stühlchen zu Viert am Tisch “Ofer fehlt” steht unter dem Foto. Yaron, den Daumen im Mund, spielt noch etwas verschlafen mit einem Büschelchen Haar. Er braucht seine Zeit um nach dem Mittagsschlaf richtig wach zu werden. Shachar, der Pfiffige, liebt es, die Spaghetti auf sein blondes Haupt zu legen, die vernünftige Ayeled mit ihrem Lockenkopf denkt nicht an solche Spiele, isst ihr Essen aus dem Teller. Dann, zu meiner Rechten, die zarte Gila. Sie will auf keinen Fall essen, weder Hühnchen noch Teigwaren, keine Ugioth und bitte weg mit dem Miz! Gleich wird ihre Mutter kommen und sie aus dem Kinderhaus abholen:
“Schalom, meine Süsse, hast du gut gegessen?” “Ich habe nichts gegessen. Ich konnte gar nichts essen. Hi (1st ist gemeint) lo natnah li schum dawar!” (Sie gab mir nichts.)

Ich blätterte noch ein bisschen weiter zu einem Bild, auf welchem eine junge lächelde Frau ein blondes Bübchen auf dem Arm trägt, den Sohn von Yaron.

Ein trister Tag fand ein heiteres Ende und ich wunderte mich, wie viele Kinder in einem Herzen Platz haben, obwohl so ein Herz im Pschyrembel gar nicht besonders gross aussieht.

Aus “Vermischtes”
in der Schweizerischen Familien Zeitung, Nr. 1, 1895:

Eine aufrichtige Braut.
Nachstehendes Inserat befindet sich im amtlichen “Friedeberger Kreisblatt”:
Ich bin Willens, mich mit Herrn Kühl in Wildenow zu verheiraten, aber in keiner Gütergemeinschaft mit ihm zu leben, da sämtliche Sachen, selbst der Trau-Anzug mir gehören und ich auch für keine Kosten aufkomme. Ich heirate Herrn Kühl nur, um einen Mann zu bekommen. Alwine Preuss

Gefunden beim eiligen Vorbereiten meiner Habseligkeiten für den 1. Arbeitstag der Woche.

[Reaktion auf einen WOZ -Artikel darüber, wie Gemeinden Kinder von Asylbewerberinnen dankend von der Schulpflicht entbinden, still und leise. Diese Praxis hält sich noch immer, ob das Ausmass bemerkenswert ist, entzieht sich meiner Kenntnis.]

Sent: Thursday, August 08, 2002 3:17 PM
Subject: an Beat Jung / Keine Hausaufgaben für Alexei

Lieber Herr Jung

Ich bin sehr froh, dass sich einmal jemand dem Thema “Flüchtlingskinder und (kein) Schulbesuch” angenommen hat. Herzlichen Dank!

Es gäbe in diesem Bereich noch so viele Missstände aufzudecken, z.B., dass es Gemeinden gibt, die Jugendliche zum für Erwachsene vorgesehene TAST abschieben, anstatt sie in die öffentliche Schule zu schicken. Oder auch Probleme von der anderen Seite, dass ausländische Eltern ihre Mädchen nicht alle Schulfächer und Schulreisen besuchen lassen, oder sie viel zu früh vor den Ferien aus der Klasse nehmen. Leider habe ich bis jetzt auch noch nicht herausgefunden, warum z.B. unter unbegleiteten Jugendlichen (ebenfalls ein eher ungenügend angegangenes “Problem”), die weiblichen Jugendlichen oft irgendwie aus TAST-Klassen oder ganz von der Bildfläche verschwinden.

Meine Pflegeschwester ist eine der wenigen Unbegleiteten, die einen Pflegeplatz gefunden hat und die regulär die Sekundarschule besucht. Kein Wunder also können sich EFH-Gemeinden wie Neuenegg (wo ich aber auch sehr engagierte Private kenne!) weiterhin über den im Vergleich niedrigen Ausländeranteil in den Klassen freuen.

Ich und mein Umfeld haben schon oft versucht, die Behörden – mit denen wir ohnehin zu tun haben – aufmerksam(er) zu machen, aber es ist halt eine unglaubliche Spirale von Sparmassnahmen, Personalmangel, Übersetzermangel, Lügengeschichten von Flüchtlingen (ständig falsche Altersangaben), Kompetenzproblemen zwischen den Gemeinden und Überlastung der privat sozial Engagierten.

Noch eimal merci für den guten Artikel in der heutigen WOZ.

Freundliche Grüsse

2nd, female

PS. Dies ist kein Leserbrief. Da ein Teil unserer Familie im Moment vom Rechtsradikalen XY bedroht wird, kann ich mich nicht exponieren.

für mich das schönste Wort dieses Sonntags, sozusagen die “Habseligkeiten” im Kleinen in der Berichterstattung über die berner Gemeindewahlen. Waggele, (wackeln), tun die beiden Sitze von Ursula Begert und Adrian Guggisberg. Begert, eine Frau, die ihre AmtskollegInnen oft mit einem feinen Bauernzopf beglückte, wird von ihrer Partei, der SVP (mit wenigen Ausnahmen) geächtet. Einen Parteienwechsel zieht die Getreue natürlich nicht in Betracht. Adrian Guggisberg, der sich hauptsächlich für die Verschönerung von betonierten Plätzen mit bepflanzten Betonkübeln verdient gemacht hat und sich für einen neuen Bärengraben einsetzt, bei dem wir dem Mutz endlich Auge in Auge gegenüber stehen können, ist auch ein Waggukandidat.
“Ein Häiläit jagt das andere” höre ich gerade. Also, ich muss eilen –

Heute habe ich meine Lehrertabelle aufgestellt. Ratet, wer auf welchen Plätzen ist? Auflösung folgt.

Es sind alle Lehrer und Lehrerinnen dabei, an die ich mich erinnern kann. Mehrere für das Gleiche habe ich nummeriert, 1 ist länger her als 2 und 2 ist länger her als 3.

Flötenlehrerin1 | Flötenlehrerin2 | Flötenlehrerin3 | Französischlehrerin| Werken textil1 | Werken textil2 | Französischlehrerin | Werken nicht textil | Klassenlehrerin1 | Klassenlehrerin2| Englischlehrerin | Gitarrenlehrer1 | Gitarrenlehrer2 | Logopäde | Flamencolehrerin | Skilehrer

Die Tabelle hat auch etwas damit zu tun, welche Fächer ich mag.

Eine weitere Geschichte aus dem Irak, erzählt von L. (16), gesammelt von 1st, November 2002

1991 haben die Peshmerga Saddams Soldaten aus Kurdistan verjagt. Meine Mutter ging mit uns Kindern, ich war 5 Jahre alt, zu dem grössten Gefängnis in Suleimanja. Es war ein eigenartiges Wetter an diesem Tag: sonnig, der Himmel war hellgrau und es blies ein starker Wind. Ich ging an der Hand meiner Mutter. Sie trug meinen kleinen Bruder Zaniar auf dem Arm. Im Lautsprecher wurde der Bevölkerung mitgeteilt: „Bevor wir das Gefängnis putzen, sollt ihr kommen und sehen, wie schrecklich es aussieht.“ Es gingen nicht viele Leute hin. Wahrscheinlich hatten sie Angst. Das Gefängnis Chabad war zweistöckig und drinnen war es schwarz. Es roch nach Blut. An einer Wäscheleine hingen blutbespritzte „Nüggeli“ von Babys, kleine Hütchen und Hemdchen, blutige Unterhosen. Die „Nüggeli“ habe ich grausig gefunden. Eine alte Frau hat auf dem Boden nach etwas gesucht und laut geweint.
Wir haben alles angeschaut und sind dann den weiten Weg zu Fuss nach Hause in die Ibrahim-Pasha gegangen: vier Kinder wie Enten hinter der Mutter mit Zaniar auf dem Arm. Der Wind blies heftig in ihr schwarzes Kleid.

Nach der gestrigen Kassensturz-Sendung muss ich mir diese Frage ernsthaft stellen. Esse ich den gesunden, teueren Lauch, sehe ich dabei die Arbeiter mit schweren Kisten übers nasse Feld stapfen für sFr. 12.-/h und in den Gaden “wohnen”, wofür ihnen der Bio-Bauer noch eine saftige Miete abnimmt. Der mickrige Lohn wird von den Arbeitgebern so erklärt, dass sich die Angestellten ja Wissen aneignen könnten, wichtig für ihre Existenz in ihrer Heimat.
Das begreife ich und hoffe, dass wir den Bio-Lauch bald aus der Gegend von Prizren beziehen, natürlich viel billiger und aus “ausgeruhter” Erde.

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