February 2005


tut die Swisscom schon seit einer Woche! Im Schneckentempo dreht sich die Weltkugel, ab und zu zuckt ein Fenster auf: Fehler 678: Keine Verbindung zum Server – Klick – ich putze wieder einmal gründlich den Backofen- Klick- ein junger Mann möchte mir einen Super-Türspion einbauen, mit dem ich um die Ecke sehen könnte – Klick – ich bündle endlich die alten Zeitungen – Klick- Frau Wannner aus Burgdorf verkauft am Telefon Tiefkühlkost im Abonnement, macht mir ein günstiges Angebot. Nein, danke. Frau W. kann nichts dafür, dass ich mir vor dem Glück stehe – Klick – eigentlich haben die Wasserhähnen eine Entkalkung nötig – Klick – ich lese in der Zeitung, dass die Briten im im Jahr 1999 395 Millionen Pfund für Antidepressiva ausgaben und dass die UBS im vergangenen Jahr einen Reingewinn von über
8 Milliarden Franken gemacht hat – Klick – Frau Rühler (?) aus FFM freut sich sehr, mich am Telefon über ein deutsches Superlotto mit sicheren Supergewinnen zu informieren. Ich gehöre zu den wenigen Auserwählten in der Schweiz, die in den Genuss eines Gehimtipps kommen! Frau R. kann nichts dafür, dass ich mir selber vor dem Glück stehe, à Dieu- Klick- Beenden – ich gehe jetzt ins Migros-Restaurant, wo zu dieser Tageszeit die Alten aus dem Quartier sitzen und ein Schwätzchen halten. Wenn Hermann am leeren Tisch ein bisschen einnickt beim Warten auf jemanden, der nie kommt, weckt ihn Frau Blaser: “Hermann, wosch es Käfeli?”

*Familiensprache, kommt aus dem Holländischen und bedeutet für uns, je nach Betonung und Satzzusammenhang, misslungenes oder gekonntes Basteln.

Letzten Freitag räumte ich meine Sachen im Schulzimmer zusammen. Die Kassettenhülle von Mani Matters Chansons war jedoch leer. Der Mazedonier habe sie kaputt gemacht und in den Abfall geworfen, verriet der Bub aus Sri Lanka. Wie bitte? Ich fragte nach. Der Angeschuldigte stritt die Tat nicht ab. Im Gegenteil, er erzählte sie mir: „Der blode Mann hat Muslime verarscht und alle Leute lachen über Araber und klatschen. Schais-Kassette! Sicher schmais ich in Küder Mann.“

Nachdem ich ihn überzeugt hatte, dass man fremdes Eigentum nicht vernichte und entsorge, übersetzte ich ihm den Text von Mani Matters Lied: Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama. Sidi hat sich eines Morgens vor der Moschee in zwei wunderschöne Augen verliebt. Er konnte aber für Mohammed Mustafas Tochter keine 220 Kamele bezahlen und fand schlussendlich eine billigere Frau, die er für nur 150 Schafe heiraten konnte. Diese war jedoch nicht so schön, aber dafür gescheit. Als Sidi in der Nacht den klaren Mond über der Sahara anschaute, dachte er für sich: Hätte ich doch früher begonnen zu sparen.

Der Mazedonier war sich sofort im Klaren: „Geschaid ist viel besser als schön Mann.“

sind 2nd, female & male mit 3rd.

Dann kommen wir an.
Dann laufen wir durchs Museum, das sich als Dorf verkleidet hat.
Dann gehen wir ins Hotel. Und schauen eine lange Weile aus dem Fenster.

Genau so machen wirs.

Balkonraucher werden bereits in unserem Treppenhaus darauf aufmerksam gemacht, dass sie ihre Zigarettenstummel nicht auf die Sonnenstoren, in die Blumenkisten, die Vorgärten, die Terrassen der Nachbarn schmeissen sollen:
!!!Bitte!!!
Hat man 16 Stockwerke über sich, sammelt sich schon einiges an an Kippen von oben. Das versaut jedem Hobbygärtner den Feierabend, vermiest jede Mahlzeit im Freien.
Rauchen ist in der Schweiz ein billiger Spass: für 1 Paket Zigaretten arbeiten wir ca. 12 Minuten. In Kenja, dem Land mit den teuersten Glimmstängeln, reichts dafür erst mit 158 Minuten Arbeit.
In meinem Bekanntenkreis wird kaum noch geraucht. Mit Wehmut denke ich an die schweren Roberto-Niederer-Glas-Aschenbecher zurück, die Jahre lang die Salontische der Leute mit Geschmack geziert haben. Auch die provençeblauen seien aus meinem Lieblingsrestaurant entfernt worden. Immer mehr rauchfreier Raum in Bern! Kein verqualmtes Foyer mehr in der altehrwürdigen Stadtbibliothek. Es wird draussen in den zugigen Lauben geschlotet: !!!Bitte!!!
Wenn ich die jungen Leute sehe, denke ich manchmal zurück an meine Rauch-Zeit. In der “Schwarzen Tinte” sassen wir, hörten bereits am Nachmittag Jazz gespielt von Chlöisu Friedli und Freunden, rauchten “Gitane Maïs” und versuchten, kein Landei mehr zu sein und zum Kuchen zu gehören.
Während meiner Zeit im Kibbuz holte ich mir “Nadiv” bei Lea im Kibbuzladen. Sie würden mit dem Abfall aus der Fabrik gestopft, diese filterlosen Arbeiterzigaretten, spotteten meine Freunde in der Stadt. Durch die tägliche Übung wurde ich eine lässige Nadiv-Raucherin ohne feuchte Tabakkrümel an den Lippen.
Jahre später drehte mir der Bidiman in Indien jeden Tag fünf kräftige Armeleutezigaretten. Er schnipselte ein Tabakblatt auf ein zweites einer anderen Sorte, rollte es ein, band diese Tüten mit einem feinen bunten Baumwollfaden zusammen und verkaufte sie mir auf einem Palmblatt für 1 Rupie.
Heute weiss ich, dass 5 Bidis ca. 55 herkömmlichen Zigaretten entsprechen, huch! Aber Ghanesha, der Gott aller Ahnungslosen und Bidipaffenden, hielt seinen Rüssel über meiner Lunge.
Inzwischen bin ich zu einer gemässigten “Sommerraucherin” geworden. Zigaretten bei feuchtem, kalten Wetter gibts nur sehr selten. Trotzdem trage ich ein versilbertes Zigarettenetui und ein Feuerzeug mit dem Bild meines Lieblingsfussballspielers bei mir wie andere Leute eine Taschenapotheke.
So ein Zigarettli hat mir schon in manchen brenzligen Sitauation geholfen, seis an der jordanischen Grenze, auf einem türkischen Polizeiposten, im Zîgana Gebirge oder auf dem Kyberpass, da hatte ein solches als Geschenk einen Wert. Aber heute sind dies ja keine abgelegenen Gegenden mehr, und wahrscheinlich sind auch die “Bösen” dieser Welt inzwischen ihrer Gesundheit zuliebe Nichtraucher geworden.
Kürzlich habe ich eine Stange “Cleopatra Golden King” aus Ägypten geschenkt bekommen, bin also für mindestens acht Jahre mit einer wöchentlichen “Sommerzigarette” versorgt.

« Previous Page