2009


Nicht nur Roman P. wird mit einer elektronischen Fussfessel ein freieres und gesünderes Leben haben.
Auch Angestellte im Briefzentrum Härkingen sollen besser leben und tragen im Namen der Gesundheit eine Fussfessel. Damit wird geprüft, ob sich die Leute genug oder sogar zuviel bewegen und welche Massnahmen ergriffen werden müssen, damit die Frauen und Männer noch effizienter mitarbeiten können.
Das Tragen der elektronischen Fessel im Rahmen dieser Erhebung sei freiwillig, aber die meist ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten sich nicht getraut, sich zu wehren. Sie müssen das Gerät zum Entsetzten ihrer Freunde und Bekannten auch in der Freizeit tragen.
Was die Gewerkschaft dazu sagt, ist mir nicht bekannt.

Nachtrag:
Schon vor einigen Jahren erzählte uns eîn Angestellter bei der Post, dass die Briefträger mit entleertem Darm (er sagte “ausgeschissen”) zur Arbeit anzutreten hätten. Das sei ein Problem mit den unterschiedlichen Schichtdiensten.

Mini minaret
éxiste également en version clocher d’église ou synagogue …

Herzlichen Dank für den Link, liebes Granium!

Kafi-Wasser

“Ein Tag Honig, ein Tag Zwiebel”, (Jom asal, jom basal) so beschreibt ein hebräisches arabisches Sprichwort das Auf und Ab des Lebens. Heute gibts von beidem bis genug. Wenn sie wollen, können die Jungen nämlich früh aufstehen, meinen die “Mottenkugeln”, welche carweise zum Zibelemärit angereist sind und aufpassen, dass sie nicht vom Hämmerchen getroffen werden.
Der Zwischenfall im Bärenpark wird bei Glühwein und Käsekuchen diskutiert.
Noch immer weiss man nicht, ob Bär Finn überleben wird. Der verletzte
Mann “schwebe” ausser Lebensgefahr, teilt und der zuständige Gemeinderat mit.

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Gerade wurde in der Bahnhofunterführung der 51’500. Silberstern aufgehängt. Der junge Mann steigt von der Leiter und schiebt seine Rastas aus dem verschwitzten Gesicht. Weitere Schmücker ergänzen die Sternenräder mit einer roten Weihnachtskugel.

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Wo er Recht hat, hat er Recht:
....

o sole mio
loh mi lo si
iz si mir z’venedig
u wo wär i ohni di
guarda che luna
mach mi nid schwach …

Herbstmorgen in Bern-West
... näbel hets o z’gäbelbach

Oh sole mio,
lass mich sein.
Jetzt sind wir in Venedig,
wo wär ich ohne dich.
Guarda che luna,
mach mich nicht schwach.
Nebel gibts auch im Gäbelbach. (aus: Stiller Has / So verdorbe)

Am besten kann ich mich erholen, wenn ich so en passant etwas völlig Unnötiges aufnehme.
Hier ein Beispiel: Woran starb Mann im 19. Jahrhundert?

Einige Todesursachen, zusammengestellt aus den Neujahrsstücken der Künstler-Gesellschaft in Zürich:

Abzehrung
Altersschwäche
Brustkrämpfe
Brustübel
Brustwassersucht
Erschöpfung
Faulfieber
Gallenfieber
Gliedersucht
Halbe Lähmung von Händen und Füssen
Hautwassersucht
Hodenwassersucht
Lähmung der Gesichtsnerven
Lungenentzündung
Lungengeschwür
Nervenschwäche
Nicht ausgebrochener Friesel
Öftere Unpässlichkeit
Schlagfluss
Schmerzhafte Unterleibskrankheit
Steckfluss

Daran gestorben sind Zürcher Maler, Bildhauer und Kupferstecher.
Woran ihre Frauen gestorben sind, ist in den “Neujahrsstücken” nicht vermerkt.
Nur, dass sie die oft viel älteren Männer liebevoll gepflegt
und ihnen bis zu 19 Kinder geboren haben.

I mües mer überlege, was i wöll mache, weni pensioniert wärdi, süsch ghei-i ines Loch. I ha überleit u überleit. I chönnt dr Chuchischaft ändlech e chli gäbiger irume, d’ Ordner u d’ Archivschachtle nöi beschrifte, die alte Fotone u Negativ sortiere. I förchte nume, dass das alls innert ere Wuche erlediget wär, u de gheiti de glich i ds Loch. Vorgeschter hani spontan gseit, i lehri no Flöigefische. “Ou ja”, hei miner Ching gmeint, “das isch soo guet!” I weiss, das me a dene schottische Löcher Kurse cha näh, aber sicher gits ou Müglechkeite, a dr Aare lehre z’fische.
I kenne eine, wo d’ Flöige sälber knuzeliert. Jedi freii Minute baschtlet är a dene Köder. Wener irgendwo i dr Wält e Fisch gfange het, schickt är de Fründe es MMS: Mein erster Fisch in Alaska ….
Das mit em Flöigefische isch nume so ne Gedanke, dass i wenigschtens e Huuch vomene Plan ha, was i de nach minere Pensionierig chönnt mache. I gseh scho, dass die Fischerei de letschtamänd am Gäld schitteret. Mi cha sicher si, das i mir no Andersch überlege. Bsundersch das, wie-n-i us däm Loch use chämt, falls i dri gheiti.

Glaubt man Frauchen und Herrchen, gibt es keine bösen Hunde. Sie sind ausnahmslos “lieb” und “tun einem nichts”.
Leider gibt es immer noch Menschen, welche ohne Hund leben wollen. Sie machen sich keine Gedanken darüber, was ihnen dieser oder jener Vierbeiner sagen möchte, wenn er mit seiner Stimme spricht, knurrt, bellt, die Zähne zeigt, beisst, mit dem Schwanz wedelt oder ihn zwischen die Beine klemmt.
Damit solche Ignoranten einmal aussterben, hat das Bundesamt für Veterinärwesen eine Broschüre herausgegeben, um Kinder ab dem zartesten Alter im Umgang mit Tapsi anzuleiten.
Kleinesbübchen und Kleinesmädchen (1 + 3 Jahre) bringen das Heftchen aus der Kita mit nach Hause. So lerne auch ich Tapsi kennen:

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Wasserspiegel

Der Herbst war da, bevor ich richtig “abgebadet” hatte.
Deshalb steige ich heute beim Schwimmbad aus, um für mich persönlich die Badesaison abzuschliessen. An der Kasse steht Frau Löffel und grüsst freundlich durch die Scheiben. Im Winter übernimmt sie jeweils die Hallenbad-Kasse. Für sie ist immer Saison.
Im Bassin spiegeln sich die Bäume und die Wolken. Im Wasser schwimmen bunte Blätter. “Restaurant offen. Bitte Eingang neben der Eisbahnkasse benutzen. Danke!”
Zu dieser Jahreszeit ist das Schwimmbad eine Oase der Ruhe.

Treppe im Herbst

Blogk macht dies’ Mal Abstimmungsempfehlungen, wir haben uns für und gegen einiges persönlich engagiert:

Stadt Bern:
Budget: JA, dann halt.

Kanton Bern:
Stimmrechtalter 16: JA, unbedingt!

Schweizerische Eidgenossenschaft:
Bundesbeschluss Spezialfinanzierung für Aufgaben im Luftverkehr: Stimmfreigabe.
Volksinitiative für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten: JA, auf jeden Fall.
Volksinitiative gegen den Bau von Minaretten: NEIN, nie im Leben!

Heute liegen einige Gotthelf-Werke bei mir auf dem Schreibtisch, alte Ausgaben mit Goldschnitt und in französischer Sprache. Die “Käserei in der Vehfreude” heisst “La fromagerie de Bêtenval” und ist reich illustriert mit Bildern von Albert Anker. Eine kleine Zeichnung, wahrscheinlich aus den ganz frühen Jahren des Malers, erinnert mich an eine Begebenheit in meiner Jugend.
Als junges Mädchen machte ich “Landdienst” bei einer Kleinbauernfamilie im Emmental. Die Bäuerin betrieb einen Krämerladen und mochte nicht “ausrücken” in Stall und aufs Feld. An einem heissen Sommertag schickte mich der Bauer mit einer rolligen Sau zum Eber.

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Meine Versicherung gehört mit zu den Sponsorinnen und Sponsoren des neuen “weltweit einzigartigen Bärenparks”. Sie lädt mich ein, dieses ebenfalls einzigartige Einweihungsfest “kostenlos” zu besuchen. Dasselbe haben auch einige Tausend andere vor. Der Stadtvater mit rotem Schal und ohne Hunde bewegt sich ungehindert und sichtlich zufrieden in der Menge. Irgendwie, das zeigt die Erfahrung mit solchen Situationen, werden die Mehrkosten von 10 Millionen schon aufzutreiben sein. Heute ist ein Tag zum Feiern und sich Freuen. Und schliesslich wollen wir ja eine Bärenstadt, wies in Abermillionen von chinesischen und japanischen Reiseführern steht.
Im alten Graben wüten die Kummerbuben, und auf dem Grabenturm hat sich Chantal Michel eingenistet.
Im neuen Park mit Schwimmbecken und hässlichen, aber teuren Stützmauern rührt sich absolut nichts – wohl, ganz oben rechts neben dem Gitter streckt einer der Gefeierten die Nase heraus oder etwa doch nicht? Lebendige Bären bekomme ich keine zu Gesicht. Die Marktstände am abschüssigen Klösterlistutz stehen dicht an dicht und ganz im Zeichen des Bären, gebacken, gepatchworkt, gepuzzelt, geschnitzt, gesägt, gestrickt, getöpfert, gemalt, gedruckt. Mir gefallen am besten die genähten aus alten Armeewolldecken. Ich spreche ein bisschen mit der Künstlerin über das noch ursprüngliche Schweizerkreuz auf Bär Saschas Herzseite, kaufe dann am nächsten Stand drei Miniminimandlebärenlebküchelchen für neun Franken, begrüsse Bekannte, welche auch mit Kindern, Nüggeln, Schoppen und Ballonen unterwegs sind, esse mit meiner Familie im Stehen frische tibetanische Momos. Im “Schedi” am Bärenplatz bei Bier, Sirup, Kaffee und Frites endet unsere sonntäglicher Bärenbesuch. Wir lassen noch den letzten Ballon fliegen, der grediufe in den grauen Himmel steigt.

Ich komme

Sommernotizen aus der geheizten Stube

Schon immer war er da, der Mann mit dem Früchtestand hinter den Dünen. Pfirsiche, Tomaten, Melonen, Aprikosen, alles Früchte aus der Region. Die Bilder, welche ihn mit verschiedenen Filmstars zusammen zeigen, hat er inzwischen von seinen Autoscheiben entfernt. Etwas Flottes hat er immer noch mit seiner Mütze und dem Ringelshirt, welches er bei besonders heissen Temperaturen bis über die Brustwarzen aufkrempelt. Mit einem Fischmesser putzt er die angeschlagenen Früchte und verteilt die saftigen Schnitze an die Kundschaft.

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Beim Einkaufen treffe ich meine ehemalige Schülerin Aliva. Sie wohne nicht mehr im Quartier, sei ans andere Ende der Stadt gezogen, um Distanz zu Familie und Verwandtschaft zu bekommen. Vor dem Umzug habe sie den Eltern noch die Arzttermine organisiert, ihnen die Bus- und Bahnabonnemente erneuert und Winterkleidung eingekauft. Sie habe Vater und Mutter auch gezeigt, wie sie mit dem Postauto Alivas Bruder auf dem Land besuchen können. Ahmed sei mit Frau und Kindern in ein Dorf gezogen. Er wolle nicht, dass seine Kinder mit lauter Ausländern in den Kindergarten gehen müssten. Auf dem Land seis in dieser Hinsicht besser, wenig Ausländer und im Gegensatz zur Stadt, alte erfahrene Kindergärtnerinnen.
Aliva habe sich zurück gehalten und dazu nichts gesagt. Es sei dann aber doch noch zu einer Auseinandersetzung gekommen, als sie sich weigerte, ein Papier für Verwandte zu unterschreiben. Demnach wäre sie die Tagemutter der verwandten Kinder, und ihr “Gehalt” könnte von den Steuern abgezogen werden. So etwas möge sie nicht machen, habe sie nie gemacht und sei damit gut gefahren. Nie hätte sie die geringsten Probleme mit Behörden gehabt. Nun brauche sie, Aliva, etwas Ruhe. Im Heim, wo sie arbeitet, waren in den letzten Wochen viele Pflegekräfte krank und sie hatte als ausgebildeten Fachfrau einige Zusatzdienste zu leisten.
Im Sommer waren ihre beiden Söhne zu Besuch in der Schweiz, zum ersten Mal nach ihrer Entführung. Es gefiel ihnen nicht besonders hier. Sie waren die vielen Regeln nicht gewohnt, die es hier zu befolgen gibt. Dagegen sei das Leben in einer Hauptstadt im Nahen Osten unendlich viel freier. Auf dem Gymnasium lernen sie neben Arabisch auch Französisch. Aliva möchte, dass sie später einmal in der Suisse romande studieren können, einer Musik, der andere Mathematik.
Sie selber macht immer wieder Weiterbildung in ihrem Beruf. Sie wird von den Kollegen und den Patienten geschätzt – mehr, als von der eigenen Familie.

Eine von mir hoch geschätzte, oft gekaufte und verschenkte Zeitschrift wie das Lettre International liess den Bankvorsteher Herr Sarrazin eine Vorlesung halten, anstatt ihn kritisch zu interviewen. Damit nicht genug, die Redaktion stellte den Ausführungen im ganzen übrigen Themenheft “Berlin” auch nichts Brauchbares entgegen. Keinen Bericht zum Beispiel über die grenzenlose, niederschwellige und wegweisende Jugendarbeit, die in Berlin häufig und mit geringen Mitteln gemacht wird. (Unser Quartier profitiert von der Einwanderung berlinerischer Sozialarbeiter “mit Migrationshintergrund”, die verdammt gut mit Rückschlägen umgehen können und die hier bei den Indigenen des Quartiers wie auch den Migrantinnen und Migranten hohe Akzeptanz geniessen.) Nun muss ich also auch noch damit leben, dass offenbar viele Sarrazins Äusserungen gut fanden.

Ich bin die erste, die Probleme in der Integration anspricht, die sich unbeliebt macht bei den Zugewanderten, die mehr Sonderbehandlung möchten, bei den Alt-Sozialisten, die so manche Verordnung für ungerecht oder gar rassistisch halten, bei den Stammtischgängern, die einfach mal draufhauen wollen, beim Steuerzahler, der sich vom Fremden und Anderen immer und ewig geplündert fühlt.

Aber Pauschalisierungen schaffen Ungerechtigkeit. Und Pauschalisierungen in den Medien sind Gift. Nur gehört das heute offenbar zum Geschäft, immer mit der Begründung, dass es gefragt und alles Differenzierte so teuer sei. Medien, die Gegensteuer geben, werden wenig beachtet. Nun braucht also sogar die von der Intelligenzia der Friedensbewegung mit Elan, Herzblut und Gemeinsinn gegründete Kulturzeitschrift den “Kampf der Kulturen” für ihre Auflage.

Als Antwort der pauschal Verurteilten können wir den Tastaturschlag in die Fresse lesen (danke, kaltmamsell). Gegen den moralischen Zerfall der Politik und Medien in Integrationsfragen müssen wir jedoch alle selber argumentieren und schreiben und – in der Schweiz – auch abstimmen:

Nein zur Volksinitiative für ein Minarettverbot, nein zur Diskriminierung, nein zum Eingriff in die Grundrechte. Nein.

Dafür jeden Tag wieder ja zur Bildung für alle, ja zur Aufklärung, ja zur Chancengleichheit, ja zu unserer Verfassung.

Integration ist schwierig. Für jeden und beidseitig. Danke für die Kenntnisnahme.

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