2013


Herbstsonne 2013

Ausblick von meiner Sonnenbank, 25.10.13, 18:48

Evening red and morning gray speed the traveler on his way ...

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Ob ich schon ein originelles Mitbringsel für den morgigen Besuch bei Freunden hätte, werde ich am Familientisch gefragt. Ich weiche der Frage aus und erzähle, dass der Hibiskus, den ich ihnen im Juni mitgebracht hatte, den Umzug in die Neubauwohnung ohne jegliche Blühhemmung überstanden habe.
Nun ist wieder etwas “Originelles” gefragt. Brot und Salz? Nein, auf keinen Fall, meint meine Tochter T., davon haben die Freunde sicher mehr als genug erhalten. Sie spreche aus Erfahrung, denn in ihrem Quartier werde bei Umzügen Salz und Brot verschenkt. Wobei man besonders das Holzbrett, worauf die Gabe arrangiert sei, gut gebrauchen könne. Sicher seis mit diesem Brauch auch im Mattenhof ähnlich wie in der Länggasse. Also eher nicht Brot und Salz. Besser ein Buch, evtl. etwas Brasilianisches im Rückblick auf die Buchmesse? Nicht originell. Dann doch den Granatapfel, den ich im türkischen Laden gekauft habe. Eventuell auf einem Teller Pistazien aus biologischem Anbau und fairem Handel? Etwas zu originell, ausserdem fehlen meinem Apfel zwei Zacken im Blütenkrönchen, was nicht soo gut aussieht. Könnte sein, dass ich den Freunden damit mehr Mühe als Vergnügen beim Öffnen von Frucht und Kern bereite? Wie wärs mit Haus-Pralinen aus der Quartier-Bäckerei-Konditorei? Meine Familie ist skeptisch, denn verglichen mit Sprüngli & Co. sei diese Bethlehem-Schoggi doch sehr gewöhnlich und fein sei anders. “Das ist eben das Originelle,” halte ich entgegen: “Aus der Region, für die Region, weit weg von Sprünglis, Eichenbergers, Tschirrens – einfach nur der reine Geschmack des Gewöhnlichen.”
Am folgenden Tag überbringe ich eine Schachtel Pralinen, eingewickelt in rotes Rosengeschenkpapier, verschnürt mit einem rotweissen Band. Meine sozialdemokratischen Freunde freuen sich – die Rose hat man ihnen ja längst aus der Faust genommen – wickeln aus, finden die Truffes wunderbar lecker. Nein, nein, ihr Geschmack sei gar nicht auf Sprüngli & Co. beschränkt. “So etwas kaufen wir meist zum Verschenken.”

Mond im Westen

Abnehmender Mond 07:20 von meinem Balkon aus gesehen.

In meinen Büchern gesucht. Viele gefunden.
Hier eine kleine Auswahl:

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Halva – Eine weitere Geschichte, gesammelt von 1st, Mai 2002, erzählt von dem Mädchen L., das wir nach seiner fünfjährigen Flucht aus dem Irak in unsere Familie aufgenommen hatten.

Als ich in Griechenland in Veria im Gefängnis ankam, wollte ich Halva essen. Wir hatten sie in der Türkei gekauft und mit uns den ganzen mühsamen Weg geschleppt. Wir hatten sie noch dabei, als die griechischen Soldaten uns an der Grenze schnappten. Eigentlich wollten wir früh morgens mit einem Plastikboot zusammen mit 30 Leuten nach Griechenland fahren.
Ich bin froh, dass die Soldaten vorher gekommen sind, denn wir mussten eine Nacht lang still im kalten Wasser ausharren. Ich spürte meine Beine nicht mehr. Es sind schon viele Männer, Frauen und Kinder umgekommen, und die Fische haben sie gefressen. Wenn die Kurden nicht mehr flüchten, gibt es in Griechenland keine Fische mehr.
Im Gefängnis spürte ich also einen toten Hunger. Ich biss in die Halva, biss auf etwas Hartes – es war ein grosser Fingernagel von einem Mann.
Sie haben ihn extra reingetan.
Ich schwöre dir ….

Kommentare wie der heutige Es ist unsere Schande auf der Bund-Titelseite von Stephan Israel regen mich weniger auf als früher (als ich über unsere Schande 9/11 gelesen habe, hat mir das noch den Schlaf geraubt). Aber sie bereiten mir nach wie vor Mühe, vor allem, wenn im Zusammenhang mit dem Schock um so viele Tote noch das Wort “scheinheilig” fällt, was häufig dazugehört.

Es ist richtig, wir haben uns als Schweiz immer wieder mit falschen Entscheidungen auseinanderzusetzen: Mit Abgewiesenen, im Nationalsozialismus Verfolgten. Mit Abstimmungsergebnissen, die Mitbürger und Mitbürgerinnen ungleich machen.

Aber ich verstehe es nicht, wenn in Kommentaren unser Verhalten und das unserer Politik (und der Deutschlands, ebenfalls verurteilt, da ohne Aussengrenze) so mir nichts dir nichts zur Schuld wird. Und damit nicht genug: Ob menschliches Entsetzen über die Katastrophe oder christliche Nächstenliebe mit hilflosen Helfern und Spenden als Tropfen auf den heissen Stein: Alles scheinheilig!

So selten, dass ich mich gar nicht mehr erinnern kann, lese ich über die Verantwortung der Regierungen in all den Ländern Afrikas, aus denen diese Menschen flüchten. Häufig Länder mit natürlichen Ressourcen von globalem Interesse, die weit über die unsrigen hinausgehen. Oft solche, von denen wir abhängig sind, nur schon für die Innereien unserer Smartphones. Regierungen, die ihre Bevölkerung weder schulen noch an irgend einem Geschäft teilhaben lassen. Regierungen der Südhalbkugel, die die Schuldgefühle der Nordhalbkugel gut einzusetzen wissen.

Der Kommentar bringt am Ende einige Stichworte auf, die ganz sicher in unsere politische Agenda gehörten, leider viel zu kurz. Migrationspartnerschaften mit afrikanischen Ländern sind nicht so einfach, die Schweiz ist in dieser Debatte von der Nachwuchsfinanzierung bis zu Good Governance seit Jahren vorne dabei und riskiert, sich auch hier schuldig zu machen.

Orte für den Aufenthalt von Flüchtlingen zu finden, ist auch nicht leicht – unsere alleinige Schande? Afrikanische Zugewanderte haben es hier schwer, das ist unbestritten. Seit langem versuche ich mich in Unterstützung eines Jungen aus Kenya. Und ich sehe selbst, wie vielen Vorurteilen afrikanische Menschen ausgesetzt sind. Leider sind diese nicht einfach zu widerlegen; die jedem Fortschritt zuwiderlaufende Herrschaft der Clans und die Anzahl Delinquenter in der Schweiz ist schwer wegzudiskutieren. Wir können nur differenzieren.

Die nächste Asylgesetzrevision kommt bestimmt. Und leider wird sich kaum ein Journalist mit der Umsetzung herumschlagen. Man wird in den Medien der Verschärfung und Repression einmal Verständnis und ein anderes Mal Kritik entgegenbringen. Die Integrationsartikel aus dem neuen Gesetz wird die Berichterstattung unter den Tisch fallen lassen, wie bei den beiden vergangenen Revisionen auch. Denn Integration gibt vielleicht ab und zu eine nette Basketball-mit-Kopftuch-Geschichte, alles andere ist zum Gähnen.

Ich bedaure das sehr und es reut mich auch. Ich habe ständig das Gefühl, wir verlören so viel Zeit und Menschen. Integration ist eine komplizierte, von der ganzen Gesellschaft zu gestaltende, demokratische und zukunftsweisende Aufgabe. Und was dabei herauskommt, ist immer Veränderung für alle Seiten, deshalb ist es ja so eine Zumutung. Es wäre gut, wir würden das einfach wieder mehr diskutieren, uns austauschen. In den Städten ist in jedem kleinsten Kreis in jeder Gesellschaftsschicht mindestens einer Migrant, beim Stammtisch auf dem Land serviert er mindestens das Bier. Wir sollten besser mit den Widersprüchen der Zuwanderung umgehen lernen, indem wir noch mehr nachdenken und unser Urteil abwägen. Ob Migration oder Integration: Ein jeder hat hier persönliche Herausforderungen, da müssen wir anfangen. Es ist selten eine Frage der Schuld, sondern eine Frage von Mut und Geduld.

Saisonschluss

Kleine Wellen 1 Kleine Wellen 2

(Saisonende 2013, fotografiert und notiert am 09.09.)

Hermann mit der Beinprothese ist schon seit einigen Tagen weg. Während Käthi nur noch ein paar Schwimmzüge im kühlen Wasser macht, zieht Gatte Franz noch eimal prustend und schnaubend eine halbe Runde durchs Becken. Nein, ins Wasser gehe sie heute nicht mehr. Die Anzeigetafel sei seit längerer Zeit defekt und mehr als 18° könne die Wassertemperatur nicht sein. Sie sei nur gekommen, um ihre Garderobe (Kleiderkasten) zu räumen, erklärt mir Frau Knöpfli und wartet, bis ich geduscht und ins Wasser gestiegen bin: “Auf nächsten Sommer und alles Gute!” ruft sie mir hinterher. Ich schwimme gemächlich durchs klare, kühle Wasser, das leicht vom Wind gekräuselt wird. Ein paar herbstlich gefärbte Blätter schaukeln vor meiner Nase. Der Himmel ist blau, nur einigen Wolken türmen im Westen. Kaum zu glauben das dies heute der letzte Badetag draussen sein könnte. Der letzte der Saison oder der letzte?
Es war wieder ein Sommer mit hundert kleinen “Badi-Geschichten” aus aller Welt.

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Salat und Bohnen

Während ich Bohnen ablese und den Garten giesse,

Schattengarten

... ist das heutige Thema durch den Zaun, ich staune, hauptsächlich das “Schwingen”. Die 5jährige Amina ist begeistert vom Königsmuni Fors vo dr Lueg. Meine Nachbarin, die sonst kaum TV schaut, kann nicht genug bekommen von Örgeli-Musik und Alphornklängen, findet die bösen Mannen ausnahmslos sympathisch. Die Chinesinnen aus meinem Block, heute besonders früh auf den Beinen, sind auf dem Weg in ihr Restaurant am Austragungsort des “Eidgenössischen”. Es gebe einen grossen “Umsu” (Umzug) und das bedeute eine Menge Gäste auf dem Schlossfelsen. Das verstehe ich, denn ihre Frühlingsrollen sind legendär und können’s ohne Probleme mit den Bernerplatten aufnehmen. Auch der pensionierte Wirt unseres Quartierrestaurants muss sich sputen, gilt es doch, den Riesengrill, Überbleibsel aus seiner Wirtezeit, auf dem Festgelände in Gang zu bringen. Einige tausend Würste und Kottelets warten auf glühende Kohlen. Aber auch die UPS-VIPs (Eintrittskarte über 1000 Franken) erhalten ihr Essen und Trinken flott serviert, u.a. von einer jungen hübschen Frau aus dem Block. Von einem Stadt-Land-Graben, der mir immer von Leuten auf dem Land eingeredet wird, höre ich heute nichts.

In der Gotthelftracht, 1960

Ich binde Sträusschen für die Bundesräte, 1. Berner Graniummärit 1960

Herrlich, einfach unbeschreiblich!! Endlich darf man sich wieder einmal ungehemmt so richtig eidgenössisch, ja, emmentalisch fühlen, bodenständig verwurzelt in der engsten urchigen Heimat, wo man allen Du sagt und es “nüt vo Komplimänte” gibt. Neben den gierigen ungezählten Sponsoren hat jeder x-beliebige Heini in meinem Bekanntenkreis eine Karte fürs Eidgenössische, entweder bei einem Milch-, Käse-, Bahn-, Bier-, Salben-, Kraftfutter-, Bauhaus-, Landmaschinen-, Sportuhren-, Unterwäsche-, Ovomaltinen-, Duschgelwettbewerb gewonnen oder als Kunden-, Geburtstags-, Kadermitgliedgeschenk. Hauptsache, man ist live dabei. Stadtpräsidenten und -präsidentinnen landauf und -ab in Designerbrillen, mit modischem Haarschnitt tun in Interviews ergriffen kund, dass sie selbstverständlich in Chüejermutz und Tracht erscheinen würden. Zu Tränen gerührt seien sie, wenn irgendwo ein Juz oder ein Alphorn ertöne. Ob der vielen Arbeit, der allgemeinen Hektik, den täglichen Anforderungen hätten sie ihre Wurzeln aus den Augen verloren, was eigentlich schade sei,

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Schlot

Die Meinungen sind geteilt. Einige finden, dieser mit Segeltuch umhüllte Kamin sei wieder einmal ein typisches Beispiel für hinaus geworfenes Geld. Die HKB hätte damit Gescheiteres anfangen können. Mit zwei Kränen dem Schlot dieses Kondom überzuziehen sei nun wirklich keine Kunst, erst noch in dieser abscheulichen Farbe. Andere finden, in Anbetracht der steigenden Zahlen der HIV-Diagnosen, ein solches Werk passend. Ein paar graue Hasen und Häsinnen erinnern sich daran, dass in Bern schon vor 45 Jahren verhüllt wurde. An einem trüben Regentag wie heute, soll mir dieser Blick auf das Kunstwerk nur recht sein. Von mir aus kann, ausser Frauen- und Mädchenköpfe, alles verhüllt werden.

Solange ich mich erinnern kann, versuchte man in meiner Familie neben den gesenkten Rücken auch mit “Nasenlümpen” und Schnüren die täglichen Herausforderungen einigermassen “in Egi” (im Gleichgewicht) zu halten. Aus Taschentüchern gabs mit vier Knoten den Sonnenhut, jegliche Art von Verbänden, Armschlingen, Wickel, Beutelchen für am Wegrand Gesammeltes, in einen Zipfel wurde der Sonntagsschulbatzen eingebunden, ein Knoten im Tuch hiess: du darfst etwas nicht vergessen, mit etwas Spuke angefeuchtet liessen sich Kindermäulchen abreiben, bevor irgend eine Verwandtentür aufging, nichts trocknet Tränen weicher, als ein hundert Mal gewaschen und gebügeltes Grossvatertaschentuch. Bis heute ist es mir unentbehrlich. “Aber die muss man immer waschen und bügeln im Gegensatz zu denen aus Papier.” Stimmt. In der Zeit, in welcher ich die Fussel eines gewaschenen Papiertuches von meinen schwarzen Seidenleibchen rolle/zupfe, bügle ich “im Schwick” (im Nu) ein paar Dutzend aus Stoff.

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U wüsst i, wohär dass i chume,
u wär mir dert gseit het: Chasch gah!
De seit ig ihm Danke für alls, won i sider
erläbt un erfahre ha.

U wüsst i, wohi dass i fahre
u was dert alls wartet uf mi,
de fragt i mi glych, isch das ds Ändi oder
geit’s wyter, no anderswo hi?

(Aus: Wohär u wohi? von Heinrich Boxler)

Wir trauern um

Christoph H.
geboren am Freitag, 4. März 1977,
verunglückt am Montag, 22. Juli 2013.

Wildnis

Der “Midi libre” Ist wieder einmal ausverkauft, und so habe ich nicht die leiseste Ahnung, was hinter den Schilf-, Joanniskraut-, Distel- und Daturastauden an der Route de l’E. so alles läuft. Keine Resultate von regionalen Boule- und Stierspielen, keine Berichte über töpfernde Seniorengruppen, bogenschiessende Ferienkolonien, renovierte Schulbibliotheken, neu entdeckte Tropfsteinhöhlen, nichts – rien de tout.
Ausser meinem Bremsenstich in den linken Unterarm, grossflächig gerötet und hässlich geschwollen. Das blassbraun getigerte, giftige Bremsenvieh erwischte mich weit ab von jedem Pferdestall am Ufer einer seichten Bucht, wo einem die Fische zwischen den Beinen durch flitzen. Ich glaubte die blutgierige Säugerin seit langem ausgestorben. Dabei ist sie mit ihren Artgenossinnen nur über den Gotthard geflogen. Ich war so fasziniert, wieder einmal eine Bremse zu sehen, dass mein Klatsch zu spät kam. Nun fühle ich mich gestraft für Abertausende verjagte Bremsen, die ich als Kind mit einem Haselzweig von schwitzeden, nervösen Ackergäulen fernhielt, wenn diese darauf warten mussten, dass der Bindbaum endlich über dem Fuder lag und sie vor dem ersten Blitzschlag die Einfahrt hinauf in die Bühne traben durften.
Trotz abendlicher Technomusik, Internet und Spielcasino hält einem “die Natur” hier fest im Griff. Die miauenden, glucksenden Möven, die lauten Grillen, der Sand, der Wind, der Pferdegeruch, die Hitze und die Mücken, die ganze Heerscharen von Forschern beschäftigen. Ohne diese “Wächter” des Naturschutzgebietes wäre es aus mit frei lebenden Pferden, Flamingos und Stieren. Die Mischwasserseen wären trocken gelegt zu Golfplätzen geworden und die privaten Luxusvillen versperrten den Zugang zum Meer.
Meine Bremse lebt noch und wird mit zahllosen Nachkommen noch einige Strandbars aus der Bucht fern halten.

Brot, Speck und Wein

Brot, Speck und Wein am 15e

Während die Jungen den 14e Juillet ausschlafen, treffen sich die Alten zum camarguaisischen Frühstück auf dem Place des Gitans. Sie stellen Tische auf, laden einen Korb mit hundert Baguetten, Bleche mit Ententerrine und Pakete mit Speckscheiben aus dem angerosteten Citroen. Aus einer Kiste werden dürre Rebstöcke auf den Grill geschichtet. Emsig legen die Frauen Speckscheiben auf Bratgitter, während der Wein als Morgentrunk in die Becher plätschert. Der “Tätschmeister” schlitzt gekonnt die Brotstangen auf, schneidet grosszügige Portionen, damit Pastete und Speck dazwischen geklemmt werden können. Isst jemand kein Fleisch? “Rien que päng” geht nicht. Er bringt den nicht Fleischigen Käse. Nehmt Wein. Die Kirchenglocken bimmeln, die Alten stellen ihre Drahtesel, bejahrt wie die Besitzer, an die Stämme der Platanen, scherzen und lachen, wieder einmal ein Nationalfeiertag vorbei und sie sind noch munter, schwitzen nicht einmal trotz der aufsteigenden Mittagshize, trotz Wein, Speck und fetter Pastete.
Das angekündigte Dressurreiten fällt aus. Pferde und Reiterinnen wären munter, aber die Männer müssen noch ausschlafen.

Grande Roussataio

Beim Grande Roussataio am frühen Nachmittag werden sie wieder sicher im Sattel sitzen und zur Freude der Touristen die Herden der jungen Pferde, Stuten und Fohlen durch die Strassen des Städtchens führen.

Bald kommen die Fischer

Die Berichte, Zeugnisse, Giesskannen, Post- und Gartenschlüssel sind verteilt, Schul-, Geburtstags-, Matur-, Abschiedsfeste sind gefeiert, Kollegiumsreisen auch dieses Jahr überstanden, Wohnung aufgeräumt, Stellvertreter instruiert, Schuhe vor Haustür wie zufällig hingestellt, damit die Einbrecher meinen, es sei jemand zu Hause. (Meine neuen Nachbarn haben einen Wachhund. Wenn der anschlägt, schauen sie immer ins Treppenhaus). Jedes Jahr hoffe ich, dass “nicht noch etwas passiert”, das unsere Reise verzögert / erschwert. Und ich werde meistens nicht enttäuscht, besonders deshalb, weil “das Hindernis” unvorhergesehen eintritt. Aber lassen wir das Jammern auf diesem Niveau, denn ein Teil der Blogk-Familie hat sich bereits durch den Reisberg durch gegessen und ist wohlbehalten auf dem Delta angekommen. Ich fahre morgen und werde …

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Nach einem erfrischenden Bad im Weiher gibts anschliessend auf der Liegewiese nichts Spannenderes als die magrebinischen Familiengeschichten meiner Nachbarin.

Idris war arm, klein gewachsen, ausgesprochen genügsam, beinmager und fleissig. Am Rande des Marktplatzes hatte er einen winzigen Gewürzestand. Jeden Tag ass er sein Brot mit etwas Olivenöl. Beinahe noch ein Junge, wurde er mit dem schönen Mädchen Fatima verheiratet, das sich im Laufe der Jahre um die acht Kinder kümmerte, während Idris seinen Gewürzstand erweiterte, schliesslich den Gewürzhandel der Region unter sich hatte, den Marktplatz samt anderen Marktplätzen pachtete und gutes Geld mit den Standmieten machte. Bei Idris veränderte sich äusserlich nichts, er war immer noch mager, trug seine einfachen Kleider und ass Brot in Olivenöl getunkt. Betrat er aber die grösste Bank der Stadt, kam Direktor Zizzi, um seinen Kunden persönlich zu begrüssen. Für den Gewürzhändler lief alles bestens bis diese schändlichen Gerüchte in Umlauf kamen.

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