2018


Macheath: Siehst du den Mond über Soho?
Polly: Ich sehe ihn, Lieber. Fühlst du mein Herz schlagen, Geliebter?
Macheath: Ich fühle es, Geliebte.
Polly: Wo du hingehst, da will auch ich hingehen.
Macheath: Und wo du bleibst, da will auch ich sein.

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Lange Nase

Die Annahme von Zuwendungen, auch von Bargeld, ist für Bundesparlamentarier zulässig. Übersteigen sie aber den Bereich des “Geringfügigen Vorteils”, wird es problematisch und potentiell strafbar. Die für den Ratsbetrieb zuständigen Ratsbüros (blogk: geniessen die Büros auch zulässige Zuwendungen?) ermahnen die Politiker deshalb regelmässig, “grössere Sensibilität und Zurückhaltung zu wahren”.
Es sei schwierig, eine Grenze im Sinne eines fixen Frankenbetrags zu ziehen, heisst es in den Empfehlungen des Ratsbüros. Es liege in der Selbstverantwortung der Ratsmitglieder, zu entscheiden, wann ihre Unabhängigkeit durch die Annahme von Geschenken oder anderen Vorteilen eingeschränkt werde.

Der Bund, 1. März 2018, S. 2

Ein Nischenprodukt zu er-finden und damit bis übers Lebensende hinaus (für die geliebten Nachkommen) ausgesorgt zu haben, war schon immer mein Wunsch.
In allen möglichen Situationen des täglichen Lebens hielt ich Ausschau nach einer leeren Nische, die erfolgreich ausgefüllt werden könnte. Mein Wunder-Fränsler, den ich bereits auf den Rand einer Zeitung gezeichnet hatte, wurde leider von Finanzkräftigeren auf den Markt gebracht.
Auch die Entwicklung chicer Klammern, mit welchen Krücken und sonstige Stöcke senkrecht parkiert werden könnten, blieb nur als Gekritzel auf einer Busfahrkarte.
Das “Auskunftsbüro von A-Z und für jede Lebenslage”, betrieben zusammen mit meinen schlauen Familienmitgliedern, wurde bereits in der Planung vom Internet abgewürgt.

Vor gut fünfzig Jahren besuchte ich eine Freundin in Berlin. Das Spital, in welchem sie arbeitete, ein roter Backsteinbau im Stil der deutschen Renaissance, war von wildem Wein überwachsen. Abgesehen davon, dass ihr Gezwitscher die Patienten aufheitere, würden auch die Mücken von den Vögeln gefressen und im Winter schütze das kahle Gerippe der Äste die Mauern vor dem starken Wind, sagte man mir.
So etwas wollte ich in meinem Quartier auch machen. Nachdem ich mich durch einige Bücher gelesen hatte, versuchte ich die Hausverwaltung, den Gärtner, die Bewohner und Bewohnerinnen von Fassadenbegrünung zu überzeugen – leider nur mit äusserst mässigem Erfolg. Die grösste Angst: Die Betonmauern könnten zerstört werden. Der vermehrte “Vogellärm” in nächster Nähe würde den Leuten den Schlaf rauben, allerlei Spinnen und anderes Krabbelgetier würden sich in Vorhängen und Betten einnisten und im Herbst müssten mehr Blätter zusammengekehrt werden.
Irgendwie kam mein Geschäft nicht in Schwung.
Einmal fand ich dann einen abtrünnigen Gärtner, der stillschweigend einen wilden Wein und ein Geissblatt an den Fuss des 45 Meter hohen Kamins pflanzte.
Die Stauden wachsen (an einer intakten Mauer) jedes Jahr ein paar Meter.

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Osten

... die rot gestrichelte Linie ist die Mauer oder auch “Staatsgrenze” genannt. An der Kerbe (Spitze des Kugelschreibers) vorn in Hohenschönhausen Berliner Strasse, heute Konrad Wolf Strasse ist der Opa am 22.01. in einer Urnenbüchse beigesetzt worden. Urnenstelle 6-27.

Die Postkarte samt Todesanzeige schickte uns der Rentner Bernhard F. aus Westberlin. Sein Freund Robert, Opa genannt, wohnte in Ostberlin und hatte mit seinen über 80 Jahren eine Reiseerlaubnis in den Westen. Meine Töchter und ich lernten die beiden Männer 1984 bei einer Schifffahrt auf Spree und Landwehrkananl kennen. Sie wussten viel über die beiden Teile der Stadt zu berichten. Als wir wieder in der Schweiz waren, schickten sie neben Briefen und Postkarten manchmal auch ein Buch, ein Magazin, einen Zeitungsartikel oder eine Infobroschüre für westliche Touristen in Ostberlin. Ab und zu reiste auch ein Berner Schoggi- oder Lebkuchenbär nordwärts, sehr zur Freude von Opa Robert und Rentner Bernie.

Aus aktuellem Anlass habe ich heute in meinem Archiv gestöbert.
Hier ein paar Fotos aus den 1980er Jahren:

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Blue Moon

Zum zweiten Vollmond dieses Monats.

(Gsür, Südostflanke, 30-01-2018, 10:30)

Nachdem die Wichtigen der Welt in der vergangenen Woche Sonne, Schnee, feinstes Essen samt ausgeklügeltestem Flattieren “auf Augenhöhe” in den Schweizer Bergen genossen hatten, komme ich heute zu dem Schluss: so etwas oder wenigstens etwas Ähnliches will ich auch!
Heute schaue ich mal, was ich für eine Gemeinsame Zukunft in einer zerbrochenen Welt tun kann.

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Es “strubusset” – eben ein richtiges Strubussi-Wätter” heute früh, wie in den vergangenen Tagen. Jetzt ist es Friederike, die, wie ihre Vorgängerinnen Evi, Christine und Burglind wild um die Häuser braust und durch die Ritzen der neuen Fenster pfeift.
Am liebsten möchte man unter der warmen Bettdecke bleiben, aber irgendwie steht man dann doch in Mantel und wetterfesten Stiefeln bereit zum Einkaufen. Heute ist Familienznacht und Raclette garniert ist angesagt, mit Fruchtsalat zum Dessert.
In meiner Orangen-Riesen-Filiale ist es um diese Zeit noch ruhig. Schon bald stehe ich an der Kasse. Vorbei ist’s mit den Weihnachtswichteln , die aus der Leiserbox “beep” machen.
Aber die Orangen-Riesen-Kundinnen und Kunden dürfen übergangslos weiter sammelnspielengewinnen. Da steht auch schon das Glücksrad, unter welchem man die Kassenbons scannen und angeblich tolle Preise gewinnen kann. Das Rad dreht sich und bleibt – beinahe immer – auf einem leeren Feld stehen.
Nur gestern nicht, erzählt mir meine Lieblingsmitarbeiterin Serpil: “Ein Älplerbrot für 2.60 hat er gekauft, der Glückspilz, und dann 1’000 Franken gewonnen. Bin ich neidisch.”

Nun regnet es in Strömen und ich bin froh, dass mich mein Schwiegersohn im Auto heim fährt.

Im Infokasten vor den Liften hängt eine Anweisung, wie die BewohnerInnen ihre Rollläden und Storen bei stürmischem Wetter zu Hause behalten können. Friederike würde sie nur zu gerne gen Osten tragen.

Letzthin habe ich die Schachtel mit den Bürsten, Lappen und Cremen hervorgeholt, um den Kleinkrähen die Schuhe zu putzen. Gespannt sahen sie zu, wie ich den Schmutz weg bürstete, dann Wichse auftrug und die Stiefel anschliessend mit einer weichen Bürste und einem Lappen polierte. “So macht man das!”
“Ja”, meinen die Kinder, “so machen sie’s auch im Comic.”

Nach einer fast schlaflosen Nacht bin ich am nächsten Morgen allein in der Bäckerei. Ich schiebe eben ein Blech Riesen-Zuckerplätzchen in den Ofen, als laut klirrend an die Glasscheibe der Landentür geklopft wird. Ich werfe die Ofenhandschuhe auf die Arbeitsplatte, stelle die Zeitschaltuhr am Herd, wische mir die Hände an der Schürze ab und sehe auf meine Armbanduhr: 5.35 Uhr …

Das bin natürlich nicht ich, sondern Hope, welche die Familienbäckerei nach dem Tod ihrer Mutter in Gang zu halten versucht.

Hier handelt es sich wieder einmal um einen hängen gebliebenen WMDEDGT?-Beitrag.
(Weitere pünktlich erschienene WMDEDGT-Beiträge auf der Website der In­i­ti­an­tin dieser Rubrik!)

So viel Kleinkram will nach den Festtagen erledigt werden!
Kleinstmädchen stülpt sich eine Plüschratte über das Fäustchen. Das Tier hat vier Nagezähne aus Filz, aber trotzdem sehen sie wie “der Zahn der Zeit” aus, der unermüdlich am neuen Jahr nagt.

Baum Pinie II
Kaum hat sich der Sturm etwas beruhigt, fahren Männer mit Fräsen, Sägen und Laubbläsern auf. An Ausschlafen ist nicht zu denken. Ich besprühe die jungen Piniensprösslinge mit lauwarmem Wasser. Vor drei Wochen steckte ich die steinharten Samen in die Erde. So winzig sie noch sind, duften sie doch schon nach Sommer und Süden.

Abbrotzen Abfall
Um den Stamm des Christbaums werden sich im Sommer Bohnen ranken. Der Schmuck kommt zurück ins Seidenpapier. Abfall wird getrennt entsorgt, schöne Geschenkpapiere und -bändchen aufbewahrt.

Hartbrot Ochs
Brotreste schneide ich in Würfel und trockne sie im Backofen zu weiterer Verwertung. OchsEselundSchaf mit Heiliger Familie kommen in Grossvaters Trögli.

Waschen With joy
Servietten, Tisch- und Handtücher ab in die Trommel. Niemand aus der Blogk-Familie mochte mir einen neuen Putzeimer zu Weihnachten schenken. Als Präsent zum Fest sei das wirklich nichts. So etwas könne man gleich besorgen: Roundflat, Clever Spin, Leifheit??
Der sogenannte Einfacheimer tut’s auch, besonders, wenn noch “Clean with Joy” draufsteht.

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Kugel 3

Der Mann im Mond hängt bunte Träume,
Die seine Mondfrau spinnt aus Licht,
Allnächtlich in die Abendbäume,
Mit einem Lächeln im Gesicht.

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