März 2018


Maria Mitchell

02.03.1854:
Ich schlief letzte Nacht zwei Stunden, und zwar in drei Abschnitten. Es war eine grosse Nacht. Kein Lüftchen regte sich, kein Wölkchen am Himmel, alles klar, alles schön. Ich geniesse die Arbeit, nur mein Rücken ermüdet rasch. Ich sah zwei Nebel im Löwen, die ich nicht kannte, und das entlohnte mich für dieses Mal.

Maria Mitchell, amerikanische Astronomin 1818-1889 in „Frauen erkunden die Welt“, ISBN 978-3894055202

Forsythie III

(Draussen ein paar „kahle“ Zweige schneiden und zu Hause erblühen lassen)

Vor einigen Tagen fiel mir die Brille von der Nase. Dann klemmte auch noch der Verschluss meiner teuren Uhr (Geschenk von den Kindern).
Also setzte ich die alte Reservebrille auf, zog mich warm an und fuhr in die Stadt. Das Optikergeschäft hatte sich in meiner kurzen Abwesenheit von einem lichten, modernen Laden in eine Art polierte Sennhütte verwandelt. Es roch nach Sägemehl und Harz. „Wir haben ein neues Gesicht“ war gross und fett an der Glasscheibe zu lesen. Auf massive Holzpflöcke waren erdfarbene, afrikanische Männermasken arrangiert. Vor jedem Pfahl lag eine Brille. Ich trat an die hölzerne Bar und wurde gleich bedient. Nein, die Brille könne man nicht flicken, man müsse einen neuen vorderen Teill bestellen. Mein erster Gedanke: Ups, das wird nicht billig. Zum Glück hatte ich noch eine gültige Versicherung.
So schnell wie möglich verliess ich die künstliche Gemütlichkeit und trippelte vorsichtig durch die verschwommene Welt mit gefährlichen Strassen Richtung Spitalgasse. Das Uhrengeschäft war zum Glück auch sehr gross angeschrieben. Die Uhr könne nicht an Ort und Stelle repariert werden, da man diese Spezialstiftchen nicht am Lager habe.
Im Orangen Riesen, wo ich nach einer Osterhenne suchte, war auch alles umgestellt worden. Rechts beim Eingang wartete eine Reihe Chromstahlschalen mit warmen Speisen samt to-go-Dosen auf Hungrige aus Schulen und Büros. Ich wunderte mich kurz darüber, dass im meist frequentiertesten Geschäftsbereich in Magenhöhe offenes Essen angeboten werden darf. Osterhuhn fand ich keins, nur Türme von Hasen. Die Hennen sind verschwunden, zusammen mit anderen Vögeln.

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Nein, die rote, langstielige Rose neben meiner Wohnungstür hat nichts mit dem heutigen Internationalen Frauentag zu tun!

Anfangs März nahm ich mir vor, am 8. hier wenigstens einen kleinen Eintrag zu machen. So stand ich heute dann auch beizeiten auf, schaute in einen wolkenlosen Himmel und auf schneebedeckte Bergketten, hörte die Amseln eifrig „lieden“ und wartete auf eine originelle Idee.
Aber da kam rein gar nichts.

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Macheath: Siehst du den Mond über Soho?
Polly: Ich sehe ihn, Lieber. Fühlst du mein Herz schlagen, Geliebter?
Macheath: Ich fühle es, Geliebte.
Polly: Wo du hingehst, da will auch ich hingehen.
Macheath: Und wo du bleibst, da will auch ich sein.
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Lange Nase

Die Annahme von Zuwendungen, auch von Bargeld, ist für Bundesparlamentarier zulässig. Übersteigen sie aber den Bereich des „Geringfügigen Vorteils“, wird es problematisch und potentiell strafbar. Die für den Ratsbetrieb zuständigen Ratsbüros (blogk: geniessen die Büros auch zulässige Zuwendungen?) ermahnen die Politiker deshalb regelmässig, „grössere Sensibilität und Zurückhaltung zu wahren“.
Es sei schwierig, eine Grenze im Sinne eines fixen Frankenbetrags zu ziehen, heisst es in den Empfehlungen des Ratsbüros. Es liege in der Selbstverantwortung der Ratsmitglieder, zu entscheiden, wann ihre Unabhängigkeit durch die Annahme von Geschenken oder anderen Vorteilen eingeschränkt werde.

Der Bund, 1. März 2018, S. 2