2019


Aus allen Seitengässchen tauchen sie auf, die in Regenkleider verpackten Gestalten mit ihren gestiefelten Winzlingen an der Hand. Die Parkplätze sind « complet ». Eine lange Warteschlange ringelt sich ungeduldig vor dem Eingang zum Sea-Aquarium. Die jungen Katzenhaie werden sich heute nicht über mangelnde Streicheleinheiten zu beklagen haben. Graue Wolken versprechen noch mehr Regen. In den Weinbergen von Listel, die keine Berge, sondern eine sandige Ebene sind, gruppiert sich eine Schar Senior*Innen um ihren Reiseleiter – bunte Regenjacken in hellgrünen Rebstöcken. Vor dem Stadttor fotografieren asiatische Gäste, in durchsichtige Plastikumhänge gehüllt, die Tauben in den Mauernischen und die Topfpflanzen in den Stadtfarben gelb, rot, blau.
Die Flamingos haben sich an den Schilfgürtel des Etangs zurückgezogen. Zwei Graureiher mit Hälsen wie ausgebleichtes Schwemmholz stehen regungslos am Ufer des Kanals. Im Hafen werden die Boote geschrubbt, der Verkehrskreisel bekommt eine neue Gestaltung und die Umleitungen im Städtchen wegen Strassenarbeiten bringen ein bisschen Chaos zwischen Marktstände und Strassencafés.
Die Rösslispielfrau, seit Jahren mit griesgrämigem Gesicht (verständlich, weil chronische Rückenschmerzen), bringt ihr zweistöckiges Karussell für Kleinmädchen in Fahrt. Ich fahre als Begleitung gratis mit.
Zusammen mit den hungrigen Kleinkrähen setze ich mich auf dem Platz vom Heiligen Louis unter einen Sonnenschirm, in dessen Gestänge Heizröhren montiert sind. So wohlig von oben gewärmt essen wir gebratenen Schafskäse auf Salat, Pommes und Zitronenkuchen.

X-mal öffnete ich letzte Woche die Wetterapp der Region Bouche du Rhone: Regen, Wolken, Kälte, nur wenig Sonne. Die Zeitung riet, die Osterferien auf der wärmeren Alpennordseite zu verbringen. Sicher wären unsere Nasenspitzen, hätten wir den Rat befolgt, wärmer geblieben, aber auch über kalte Nasenspitzen lässt sich hinaus sehen.

Hier handelt es sich wieder einmal um einen hängen gebliebenen WMDEDGT?-Beitrag.

Weitere pünktlich am 5. des Monats erschienene WasMachstDuEigentlichDenGanzenTag-Beiträge auf der Website der In­i­ti­an­tin dieser Rubrik!

Sie schlägt die Decke zurück, zieht die Kleider an, die wie alte, leblose Häute neben dem Bett auf dem Boden liegen. Ihr trübes Auge brennt. Sie kratzt die Krusten weg, die sich über Nacht in den Augenwinkeln gebildet haben, sie macht das Licht nicht an und schaut sich auch im Spiegel nicht an.

Das bin natürlich nicht ich, sondern Wanda aus dem Roman “Grit”, ISBN 978-3-905689-85-3.

Diese Sommerzeit – ich habe mich hier schon vor 15 Jahren darüber beklagt – bringt mich total aus dem Tritt.
Heute erwache ich etwas nach sechs Uhr, nein, es geht ja schon gegen halb acht! Auf Dächern und Gartenbeeten liegt Schnee, aber Nässe und Kälte halten die Vögel nicht auf, ihr Morgenkonzert durchzuziehen. 16 Stockwerke unter mir auf Pausen- und Sportplatz lärmen die Schulkinder, schmeissen ein bisschen mit Bällen, Jacken und Sportbeuteln – endlich der letzte Schultag mit Frühstück und Film im Schulzimmer! (Dem Grossenbuben habe ich gestern ein Glas Quitten-Orangen-Konfitüre mitgegeben.)
Ich beschliesse für heute einen Lesetag, angeregt besonders durch die Bringsel meiner Tochter von der Buchmesse in Bologna: Messekatalog und eine sommerliche Tasche.

Mit Stil

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Nach Westen

Frühlings-Vollmond im Westen, heute um 06:41 Uhr – aber Ostern muss noch warten.

Mucksmäuschenstilles Publikum, als des Königs sensible Stimme durch den Burghof schallt : “Day after day, alone on a hill …”
Als nächste Programmnummer wäre eigentlich “Roll over Beethoven” vorgesehen, aber ein Zwischenrufer schreit: “Satisfaction” und wird sogleich vom Publikum kräftig unterstützt. Es kommt, was bei diesem vermaledeiten Song immer kommt: unsere Rock’n’Roll-König fällt in der munzigen Pause zwischen “get no” und “satisfaction” in einen jähen rhytmischen Abgrund – in ein leeres Nichts.
Lachen.
“Buuh!” “Nochmal das Ganze!” ”Üben!” “Abdanken!”
Tief beschämt schleicht der König in den Thronsaal, legt Krone und Hermelinmantel auf den Thron, stutzt dann Bart und Haar, schnappt Reisetasche und Gitarre und verlässt das Schloss durch eine Hintertür.

King III

Freundlich leuchtet der Mond in dieser Nacht. Der König maschiert zügig durch den grossen Wald, zwischen den Baumwipfeln sieht er die Sterne blinken. Seltsam leicht ist es ihm ums Herz …

Nach:
Kriegel, Volker (Text und Ill.) : Der Rock’n’Roll-König, rororo, 1997,
ISBN 3-499-15363-7

Am Schluss der Geschichte kommt es zu der hinreissendsten Session, einer jener Sternstunden, von der wir alle ein Leben lang träumen:

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Bischofskraut

Diese aparten Zahnstocher – wohlriechend und mit allerlei Heilkräften – hat mir mein grosser Enkel aus Marrakesh mitgebracht. Bis jetzt habe ich dem Bischofskraut (Ammi visnaga) kaum Beachtung geschenkt, vielleicht unterwegs einmal einen Stängel in einen Feldblumenstrauss eingefügt. Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem alten Ägypten und aus Marokko, wo sie Khella genannt wird. Auf welchem Weg sie wohl hieher gekommen ist?
In der Fremde erhielt sie die Namen Bischofskraut, Echter Ammel, Zahnstocherammel oder Zahnstocherknörpelmöhre.
Bis einmal eine Frau die filigrane Doldenblüte mit den dynamisch angeordneten Döldchen genau anschaute und sagte: “Ich nenne dich St. Galler Spitze!”

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Restfamilienfoto

Mit meinen Töchtern, 1983 (Foto: R. Fuhrer)

Nein, ich bin nicht am Traumfängerbasteln, ziehe mir keine Schminktipps rein oder lasse mich mit süssen Leckereien und Cüpli verwöhnen.
Sitze ich auf einer Riesenente oder gibt es diese “Nacht der Frauen” in der Grossbuchhandlung tatsächlich?
Ich will es nicht glauben und werde gleich morgen in die Stadt fahren zum Nachfragen.

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Bis vor kurzem dachte ich, Cholera sei ausschliesslich eine schwere Infektionskrankheit.
Aber nein, es kann sich dabei auch um eine feine Spezialiatät aus dem Oberwallis handeln.
Weil Grosser Bub einen Vortrag über den Kanton Wallis vorbereitet und auch gerne kocht, backen wir beide für den Familientisch am Donnerstag eine Cholera – nicht schwierig, sieht aber prächtig aus und schmeckt an einem kühlen Febraurabend besonders lecker.

Lauch

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... noch ohne Bild.

Sehr gerne leite ich alle LeserInnen weiter zu dem amüsanten Februar-Vollmondbeitrag nach hier

Nachdem ich mit diversen Tastenkombinationen gestern früh versuchte, meinen Computer zum Leben zu erwecken, mir dabei mit gedrückt halten, ausschalten, Kabel aus- und wieder einstecken die Finger verrenkt hatte, sandte ich meinem Gewährsmann für solche Probleme einen Notruf. Aus dem Elsass, wo er in den Ferien weilte, rief er mich gleich an, lotste mich erneut durch die Tastenkombinationen, nicht ohne mich auf das methusalemische Alter des Geräts von 10 Jahren hinzuweisen.
Bereits einige Stunden später klemmte sich der Fachmann die Maschine – samt Leuchtkäfer im Vollmond- unter den Arm, um sie in seiner Werkstatt zu obduzieren.

Illustration zum Vollmond nachgereicht:

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Das Samstagmorgenprogramm beginnt bei mir meist mit Abfall: Glas, Plastik, Alu, Papier, Kompost stehen zum Entsorgen bereit. Bei den Zeitungen dauert’s, denn dieses oder jenes muss noch schnell überflogen werden.
Hier:
In einem Berner Kirchgemeindehaus werden bei Umbauarbeiten drei Wandbilder entdeckt. Es sind frühe Werke von Franz Gertsch. Nicht alle freuen sich über diesen Fund. Einige möchten eine weisse Wand, um darauf Filme zu zeigen oder eigene Kunstwerke auszustellen. Also am besten wieder Gipsplatte drauf? Der Künstler selber will scheint’s mit allem, was er vor 1969 gemalt hat, nichts mehr zu tun haben.
Heute ist er eine international anerkannte Grösse und seine fotorealistischen Malereien hätten in keinem Berner Kirchgemeindehaus mehr Platz.

Nach dem Bündeln der Zeitungen nehme ich das Singbuch für die Oberstufe der Volksschule (Staatlicher Lehrmittelverlag Bern, 1964) zur Hand. Illustriert wurde es vom jungen Franz Gertsch. Darin sind auch die drei freigelegten Bilder zu finden.
Seit fünfzig Jahren begleitet mich das Buch, es wurde oft gezügelt und wird immer wieder durchgeblättert, besonders um die Weihnachtszeit. Meine Samstagsarbeit kommt ins Stocken, denn ich zähle die Lieder, die ich dem Inhaltsverzeichnis nach kenne. Es sind immerhin 104.

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Sauber

Erinnerungsbild eines Wintermorgens im Bethlehemacker, falls der Schnee in Zukunft ausbleiben sollte. (Foto: der Hausmeister, 09.01.2019)

Endlich habe ich etwas Positives aus dem Pensioniertendasein zu melden: bei Schnee bis in die Niederungen, Miusgraden im Flachland und Glatteisgefahr darf ich zu Hause bleiben, darf mir, wenn ich möchte, bei Kaffee und Ankenbock, Bilder von Lawinen durch Häuser und über unbeschwerte Nebenpistenfahrer anschauen, dazu Carambolagen im Schneegestöber auf Autobahnen, lahmgelegte Bahn- und Fluglinien, Stromausfälle, eingeschneite Pressierte, die auf den Heli warten …

(Danke für alle zaubermärchenhaften Fotos von sonnigen Pisten, gemütlichen Chalets, stillen Wanderwegen, fröhlichen Menschen in schönen, warmen Kleidern.)

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Tomi Ungerer

Er war eine sehr stolze, klassenbewusste Katze, die sich nie zu so niedrigen Aufgaben wie Jagen herabliess. Er hattte die edle Präsenz einer Pharaonenmumie, als wäre er soeben einer Hieroglyphe entstiegen.
Wir hätten zu seinem Gedenken eine Pyramide bauen sollen.

Tomi Ungerer über seine Birmakatze Heidsieck, in “Katzen”, Diogenes 1997, ISBN 3-257-02063-5.
Foto (1973) aus diesem Buch ohne Angabe des Urhebers/der Urheberin.

Ein kurzes Leben

“Doch – wie die Natur vergehend bleibt bestehen – so wird auch ihre Asche nicht vergehen.”

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Hathor 3

Bild und Text aus: Gallant, Marc: Das Kuh Buch, Sauerländer 1984, ISBN 3-7941-2521-5

3000 v. Ch. – 2000 v. Ch.
Sehr viel geht in dieser Periode vor sich, aber die Kühe denken vor allem über Hathor nach, eine elegante, gehörnte Kuhgöttin im Niltal. Bei Erwähnung ihres Namens fallen sie schier in Ohnmacht.
Hathor fing klein als lokale Göttin an, aber jetzt hat sie einen prominenten Platz im ägyptischen Pantheon inne. Sie ist Muttergöttin, Göttin der Liebe und Freude, und sie ist überdies Göttin der Musik und des Tanzes – beides von besonderer Bedeutung für die Kühe …

Nein, diese Jahresenden mit ersten Wochen im Neuen sind wahrlich nicht meine! Aufheiterung in festliche Hochnebeltage brachten viele liebe Gäste, die mich in meinem “Turm” besuchten.
Danke für die originellen und super für mich passende Geschenke. Sie erhellen und verbessern mir den Alltag!
Die Weihnachtsguezli waren wieder wunderbar, samt special Edition “Winnie” aus Kokos.

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