1999 bekamen wir endlich eine grössere Wohnung an der Sternenstrasse im 7. Stock, eine 6.5-Zimmer-Wohnung! Es war trotzdem ein schreckliches Jahr, weil im Kosovo Krieg war. Im Frühling musste ich Abschlussprüfungen machen, gleichzeitig war mein Onkel – der inzwischen nicht mehr Politiker, sondern ein UCK-Offizier war – gefallen.

Im Sommer habe ich Waren für meine Familie im Kosovo gesammelt, welche mein Bruder an ihren Fluchtort in Durrst (Albanien) bringen musste. Meine Familie war schon 1997 zu Fuss nach Durrst geflüchtet und war inzwischen ohne etwas. Nach Kriegsende 1999 beschlossen sie die Rückkehr in unser Dorf. Die Serben hatten zwar vor, dort ein Naturschutzgebiet mit Wildschweinen zu machen, aber das ging nicht, weil sie den Krieg gegen die Nato verloren hatten. Die Kfor hatte die wichtigsten Wege entmint und die Familie ging zurück für den Wiederaufbau. Ein Wiederaufbau geht aber nur, wenn man etwas hat. Mein Bruder und ich haben ihnen einen Lieferwagen gekauft und diesen mit den nötigen Waren gefüllt. Damit hat mein Bruder dann auch die Familien aus Albanien zurückgebracht in das zerstörte Dorf, in dem man überhaupt nichts hatte und auch nichts kaufen konnte.

Meinen Mutter hat in dieser Zeit ununterbrochen geweint und sie ist oft ohnmächtig geworden. Wir hatten unendlich viel Besuch, denn mein Vater und meine Mutter waren die einzigen Verwandten meines Onkels in der Schweiz. Ich musste ununterbrochen alle bewirten.

Die letzten zehn Jahre waren unsere Aufenthalte im Kosovo immer schon von den Kontrollen der Serben überschattet gewesen. Der Grund, den sie angaben, wenn sie unverhofft unsere Häuser durchsuchten, war meistens, dass sie gesagt haben, jemand der Nachbarn hätte gemeldet, dass wir eine Waffe haben. Sie drangsalierten uns alle, aber geschlagen haben sie zum Glück in dieser Zeit nur die Erwachsenen.

Aber es gab in dieser Zeit auch gute Sache, aber nur in der Schweiz. Ich spielte in einem Film „Dashuria e kthyar“ mit und wir bekamen 2001 einen Filmpreis dafür. Ich begann meine Nachtschicht bei der Migros Aare und konnte bis 2005 damit Geld verdienen. 2003 wurden ich und meine Schwester eingebürgert. Das war eine grosse Erleichterung.