Hier handelt es sich wieder einmal um einen hängen gebliebenen WMDEDGT?-Beitrag.

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Sie schlägt die Decke zurück, zieht die Kleider an, die wie alte, leblose Häute neben dem Bett auf dem Boden liegen. Ihr trübes Auge brennt. Sie kratzt die Krusten weg, die sich über Nacht in den Augenwinkeln gebildet haben, sie macht das Licht nicht an und schaut sich auch im Spiegel nicht an.

Das bin natürlich nicht ich, sondern Wanda aus dem Roman “Grit”, ISBN 978-3-905689-85-3.

Diese Sommerzeit – ich habe mich hier schon vor 15 Jahren darüber beklagt – bringt mich total aus dem Tritt.
Heute erwache ich etwas nach sechs Uhr, nein, es geht ja schon gegen halb acht! Auf Dächern und Gartenbeeten liegt Schnee, aber Nässe und Kälte halten die Vögel nicht auf, ihr Morgenkonzert durchzuziehen. 16 Stockwerke unter mir auf Pausen- und Sportplatz lärmen die Schulkinder, schmeissen ein bisschen mit Bällen, Jacken und Sportbeuteln – endlich der letzte Schultag mit Frühstück und Film im Schulzimmer! (Dem Grossenbuben habe ich gestern ein Glas Quitten-Orangen-Konfitüre mitgegeben.)
Ich beschliesse für heute einen Lesetag, angeregt besonders durch die Bringsel meiner Tochter von der Buchmesse in Bologna: Messekatalog und eine sommerliche Tasche.

Mit Stil

Vorest aber nehme ich mir die Zeit, das Musterdöschen mit der Extra Intensive Cream der Marke Sen*ai auszuprobieren. Mit der Lupe lese ich die “Packungsbeilage” :
Gehaltvolle Creme mit besonders seidiger Textur. Sie zieht optimal in die Haut ein und sorgt sichtbar für ein straffes und vitales Erscheinungsbild, sowie ein seidenweiches Hautgefühl – Tag für Tag. Morgens und abends.

Schon ohne Creme, nur mit dem putzigen Döschen in der Hand, fühlt sich meine Haut straffer an. Wie machen die das nur? Und erst nach der empfohlenen Gesichtsmassage – einfach seidig, dank der beigefügten Seidenfibronen! Hier bekommt frau etwas für ihr Geld, das ist sicher. 40 ml dieser Wundercreme kosten 367.-, würde ich gleich 5 Packungen kaufen, könnte ich 28.80.- sparen. Mit minimem Bedauern verzichte ich auf eine Bestellung. Neben dem Geld fehlt mir noch mehr die Zeit, die Creme richtig mit all ihren Begleiterinnen in edlen Töpfchen und Tuben anzuwenden. Im Probetöpfchen ist ja noch etwas für morgen drinn.

Nun erledige ich die täglich anhänglichen Kleinstkleinigkeiten wie Zahnbürste aufladen, Tabs für den Geschirrspüler nachfüllen, rausgefallenen Seiten in einem Buch fachgerecht heften, Marmeladegläser für die Reise nach Frankreich bereit machen, ein paar Mails beantworten, Brotkasten reinigen, Kalenderblätter abreissen, Wanduhr aufziehen …

Bei einer Tasse Kaffee und Butterbroten überfliege ich zuerst die lokalen Nachrichten der Gratiszeitung.
Heute gibt’s viel Tierisches, z.B.:

2017 war es nur einen Verdacht, meldet das Blatt, jetzt seien es schon zwei Pärchen, die auf dem Golfplatz “Grand Resorts” gegen 50 Bäume gefällt hätten. Allerdings würden die Weichhölzer rund um den See auch von Mitarbeitenden abgenagt umgesägt, falls sie eine Gefahr für die Golfer!nnen darstellten. Aus gesetzlichen Gründen könnten die Biber nicht ausgewiesen werden, deshalb suche man mit ihnen das Gespräch. Allerdings hätten die zwar fleissigen, aber uneinsichtigen Nager sich bis jetzt geweigert, sich mit den Bäumen am Rande des Roughs zu begnügen. Sie zerstörten die feine Ästhetik des Baumwuchses rund um Wasserläufe und Teiche – und bald sei auch noch mit Familienzuwachs zu rechnen.

Die diesjährige Krähenvertreibung aus dem urbanen Raum wurde abgeschlossen. Der Erfolg war nur mässig, obwohl sich die BewohnerInnen, z.B. um den Loryplatz, super organisiert hatten und tagsüber in regelmässigen Abständen an den Schnüren zogen, damit die Plastikeulen hoch oben in den Baumwipfeln ihre Plastikflügel hoben.
Als ich mir letzthin die Bewegungsvorrichtung demonstrieren liess – Stock mit Haken in langes Seil mit Schlaufe und kräftig ziehen – stolzierten die schwarzen Vögel an den Dachluken vorbei und lachten uns aus: “Wollt ihr da unten uns da oben für dumm verkaufen? Jede Kleinkrähe bekommt schon im Ei mit, dass Uhus an heiterhellem Tag keine Gefahr darstellen.”
Aus Mitleid mit den Leuten, die während der Brutwochen so unermüdlich am Seil ziehen, bauen die Saatkrähen ihre Nester auf den uhulosen Bäumen ein paar Meter weiter weg.

Den Bericht über die seit mehr als zwei Wochen entlaufene Kuh “Spächtli” lässt nur die Hartherzigsten kalt. Der Bauer aus Worb BE will die Braune, sicher jetzt Verwilderte, nicht mehr zurücknehmen. Sie sei eine Gefahr für seine Kinder und werde Ragout und Siedfleisch, falls … Zum Glück hat sich “Spächtli” über die Grenze abgesetzt. Liebe zwei und vierbeinige Kühe halten ihr einen sicheren Platz auf dem Rindvieh-Gnadenhof frei.

Die Dachse im Oberwallis wären besser zusammen mit “Spächtli” ausgewandert, statt sich nur eine Erdhöhle zu graben und sie nachts sorglos zu verlassen. Kann man dem Bauern, auf dessen Land unerlaubt eine Wohnung gebaut wird, einen Vorwurf machen, wenn er sein Eigentum verteidigt? Obwohl, das Niederwalzen sowohl der Unterkunft als auch deren Bewohner ist schon krass und zeigt, wie respektlos mit Schwächeren oft umgegangen wird – hütigtags.

Bis zum Abend ist der Schnee auf den Tannen geschmolzen …

Riedern

... die Zeitungen und das Buch (siehe oben) sind gelesen. Aus einer gekochten Kartoffel, Tomaten, Rest Blattsalat und ein paar Scheiben Mozarella mache ich einen Salat.

Im TV gibt es “Neverland” und eine Sendung über den umweltschädlichen Anbau von Avocados in Südamerika (1’000 l für 2 1/2 Avocados).