Alles oder nichts


(Sie haben recht, den Titel dieses Beitrags habe ich bei Mariana Leky ausgeliehen.)

Wieder einmal nehme ich “Gedichte vom Mittelalter bis zu Neuzeit” zur Hand und treffe auf zahlreiche vertraute Bekannte, ernste und witzige.
Erst jetzt, wo von daheim aus gelernt werden muss, werden die Jungkrähen von den LehrerInnen mit Balladen bekannt gemacht: “Belsazar” und “John Maynard”. Dazu braucht Grossmutter natürlich kein Buch.

Heute werkle ich auf dem Balkon und mache ihn frühlingstauglich. Pflanzen gibt es keine zu kaufen und ich bin froh, dass einige den Kaumwinter überlebt haben und nun wenigstens etwas Grün hergeben.
Von meinem Balkon im 16. Stock sieht es so aus:
Unter mir auf dem roten Platz gönnt sich meine Familie das tägliche Auslüften.

Roter Platz II

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Frühlingsfreuden – Deko, Mode, Kids
Auch bei Coop-City kommen Ihre Sinne jetzt voll auf Ihre Kosten. Es erwarten Sie luftig leichte Mode, kreative Dekorationsideen, praktische Küchenhelfer …
Kommen Sie doch einfach vorbei und freuen Sie sich gemeinsam mit uns über den bevorstehnden Frühling …
(Magazin, 28.03.2020)
Eine Werbung für eine Welt, in der wir gerade n i c h t leben!

Wahrend ich auf dem Balkon meine Fussübungen mache, schaue ich den Vögeln zu, die auf den leeren Ästen der Buchen landen, flattern und wippen. Es sind auch einige Tauben dabei, die sonst auf dem Pausenplatz den Krümeln hinterher trippeln oder ihre Eier in die Blumentöpfe auf unseren Balkonen legen. Besorgte Tierschützende machen sich Gedanken, wie man die Tauben heil durch die Krise bringen könnte: Taubenschlag, artgerechtes Futter, auf keinen Fall Hungertote. Fachleute wehren ab, denn die Vögel könnten selbst für sich sorgen.

Was ich tun kann, um die Eltern der Jungkrähen etwa zu entlasten: z.B. Brot und Kuchen (Wähen) backen, Früchte für die Pause rüsten, Kartoffelwürfel für Bratkartoffeln vorbereiten und eine Härira (marokkanische Gemüsesuppe) kochen.
Es ist unglaublich, was diese “Vögel” zu essen vermögen. Dauernd ist der Kühlschrank leer, und in wenigen Wochen werden sie aus all ihren Kleidern und Schuhen herausgewachsen sein.

Nun habe ich auch Gelegenheit – gezwungenermassen – mir helfen zu lassen. Ich hätte es viel lieber umgekehrt, aber ich bin dankbar für solche …

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An Vorschlägen “damit einem die Decke nicht auf den Kopf fällt” mangelt es im Moment nicht. Z.B. Unnützes Können aneignen: Fingerschnippen, ein Problem? Kein gutes Bauchgefühl, vielleicht hilft Bauchreden? Mitreden bei Herr der Ringe, lernen Sie Elbisch … (MMagazin, 03.2020)

(Unnützes Wissen zu erwerben war mir immer eine Freude. Ich meinte, hier schon mal etwas darüber geschrieben zu haben, stiess aber bei der Suche nur auf diesen alten Frühlingsbeitrag.)

Drei meiner Enkelkinder wohnen vier Stockwerke unter mir, das vierte (3rd, male) leistet seine Tag- und Nachtdienste in einer psychiatrischen Klinik. Alle Achtung und danke!!
Damit ich sie nicht noch mehr vermisse …

Orangen

...mache ich für die Jüngeren eine Znünibox parat: frische Orangenstücklein, auch mit getrockneten Birnenschnitzen oder Feigen.
Heute für jedes einen Bacio Perugina mit inliegendem Sinnspruch:

Wie wir fühlen, so wollen wir gehört werden
Es ist keine Freude etwas zu besitzen, ohne es zu teilen
Lebt für die Gegenwart, träumt für die Zukunft, lernt aus der Vergangenheit
Wahre Grösse wird durch Einfachheit ausgedrückt
Liebe ist die Weisheit des Narren und die Torheit des Weisen

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Ein eisiger Wind pfeift mir um die Ohren, als ich heute so gegen halb sieben vor das Haus trete.
Unbeschreiblich, nach sechs Tagen in der Wohnung wieder draussen zu sein! Die Fensterläden in der Reihenhaussiedlung sind noch geschlossen. Nicht mal ein Hund wird an diesem biesigen, grauen Tag ausgeführt. Abstand halten ist für mich so kein Problem. Ohne jemandem zu begegnen, bin ich nach ca. 170 Metern im Garten. Wie hatte ich ihn vermisst. Ich jäte, lockere hier und dort die Erde, verteile Kompost, decke das Beet mit den Kefen ab, um diese vor den Katzen zu schützen und ernte Nüsslersalat fürs Abendessen. Manchmal schlägt die Kirchenglocke ohne sonntägliches Läuten – sogar für mich als seltene Kirchengängerin ungewohnt und zusammen mit der Stille im Quartier bedrückend.
Es wird heller. Bei all dem “Grümschelen” merkt nur mein Handy, wie kalt es ist und weigert sich, zu fotografieren. Nach drei Stunden mache ich mich auf den kurzen Heimweg. Die Frau mit dem kleinen Hund grüsse ich von Weitem. Im Lift drücke ich den Knopf mit dem Handschuh.
Zu Hause mache ich mir ein Frühstückzmittag wie es Frauen in meinem Bekanntenkreis und Alter scheint’s jeden Tag zum Kreuzworträtsel, der Zeitung, dem Sudoku essen: Brot, Butter, Käse, Müsli mit Joghurt, Frucht, ich ohne gekochtes Ei.
Dann wasche und rüste ich den Nüsslersalat, was etwas dauert und eher eine “Niveliarbeit” ist.

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Im Nachhinein war’s wirklich, trotz allem, ein Glückstag.
Das fing schon mit der Post an. Die Golf Academie Aare in Zusammenarbeit mit meiner Bankkarte schrieb mir:
Sie sehen sich nach einer neuen Herausforderung, liebe Frau Blogk. Sie wartet auf Sie – auf unserem Rasen. Wir wecken Ihren Ehrgeiz mit einem ersten kleinen Wettkampf. Profitieren Sie vom Vorzugsangebot …
Dann kam noch eine Einladung von der Universitätsbibliothek zu einer Führung durch die neu gestaltete Bibliothek Medizin an der Baltzerstrasse.
Die Direktion lädt alle pensionierten MitarbeiterInnen am 18. Mai zu diesem Anlass mit Info-Apéero ein. (Inshallah…)

Am Vormittag lernte ich mit meinem Enkel eine NMG-Probe facetimemässig: Alte Eidgenossenschaft, Schlacht im Grauholz (Berner verlieren hochhaus gegen die Franzosen), Helvetische Republik, Wienerkongress, Schweizerische Eidgenossenschft, Mediationsakte… Gegen Mittag gab es dann eine Online-Verbindung zur Lehrerin, die der Reihe nach alle SchülerInnen mündlich prüfte. Auch für sie ist dieses Distance Learning ein Stress. Man sah gestern, wie ihr der Schweiss von der Stirne lief. Nächste Woche können wir alles schon etwas besser.

Nach dem Essen erhielt ich Besuch …

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Heute wird das “Schulzimmer” zu Hause in Betrieb genommen.

Buero

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Zwiebelschalen für meine Ostereier habe sie dann parat, falls ich wieder färben würde, sagte meine Nachbarin aus der Wohnung mir gegenüber. Ich bin richtig gerührt über dieses Angebot. Dann führt sie mich auf den Balkon, auf welchem die Geranien und Kapkörbchen Knospen treiben. Pfefferminze und Astern wuchern in einem Topf. Hauswurz und eine rosa Zyklame zieren das Fensterbrett umkränzt von Hornveilchen und Glockenblumen. Seitdem der Hund gestorben sei, bekämen ihre Pflanzen noch mehr Zuwendung. Auch koche sie regelmässig für Kinder und Enkelkinder, altmodische Sachen wie Härdöpfelbitzli und Fotzelschnitten.
Ich schaue noch die gerahmten Hundefotos an – Prachtskerle, gross und mit glänzendem Fell, dazwischen zwei Dackelmischlinge, die Jagdhunde ihres Mannes. An der Wand gegenüber ein stimmungsvolles Waldfoto, Sonnenlicht durch Nadeln und Blätter auf Moosboden: “Ds Grebli vo mim Maa, är het’s so wölle ha.” Der Pfarrer sei auch in den Wald mitgekommen und habe ein paar passende Worte gesagt. (So ist er, unsere Pfarrer. Er hört auf seine “Schafe”.)
Meine Nachbarin wartet auf ihre Freundinnen. Sie wollen zusammen Apfelküchlein backen. Die Vanillesauce steht schon zugedeckt bereit. Am besten schmecke sie noch lauwarm.

Am Freitagabend verbreitet sich im Block die Nachricht, dass die Orangen Riesen bald für einige Tage geschlossen würden. Ich finde keine entsprechende Nachricht im Netz, im Gegenteil, die Läden bleiben normal geöffnet, die Versorgung ist gewährleistet.

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Ein eigenartiger Titel: “Frauen Reserve”.
In dieser Datei lege ich Fotos von Frauen ab, die mir jemand geschickt hat oder die ich selber fotografierte. Früher hätte ich die Bilder in einer Schuhschachtel gesammelt, um sie bei Gelegenheit hervor zu holen und an die Frauen zu denken. Natürlich sind noch mehr in dieser “Schachtel” aufbewahrt, damit sie nicht verloren gehen.
Im Laufe der Jahre habe ich schon viele hervorgeholt um sie hier im blogk zu veröffentlichen.

Erfreulich, dass immer neue dazu kommen.

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Endlich habe er eine sinnvolle Verwendung für den Schnaps gefunden, den er jeweils von den BewohnerInnen zum “Gutjahr” erhalte, berichtet der Hausmeister. Täglich reinigt er mehrmals die Lifte mit Alkohol. Im Moment sei’s Kirschwasser, mit dem er Haltestangen, Bedienungsbretter und Wände abwische. So kommen die Geschenke wiederum allen MieterInnen zugute.

Die Menscheit zerknittere, las ich letzthin in der Zeitung. Bügeln sei die ödeste Hausarbeit. Trotzdem habe ich heute 36 Shirts, Blusen und etwas Tischwäsche geplättet und mir dazu einige Kapitel “Emma” (Jane Austen) vorlesen lassen. Diese Woche hielten mich Ellis Orkanböen zeitweise im Haus, wo ich wieder mal einige Gläser Beerenkonfi einkochte (erfreulicherweise schwindet der Vorrat vom vergangenen Sommer stetig).

Kleinesmädchen wäscht Äpfel. Ich halbiere diese, entferne Kernhaus, Stiel und Fliege. Meine Helferin bekommt ein handliches, scharfes Messer und schneidet die Hälften in Stücke. Es dauert nicht lange bis meine grösste Pfanne gefüllt ist. Das gibt Apfelmus zum Einfrieren (Ergänzung zum Notvorrat).

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Es ist eine eigenartige Zeit …

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Eigentlich wollte ich heute ein Passevite kaufen. In der Haushaltabteilung, die den ganzen 4. Stock des Warenhauses einnimmt, fragte ich nach diesem Utensil. Es befinde sich am gegenüberliegenden Ende. Die Verkäuferin, durch meine Frage gestört im Gespräch mit einer Kollegin, spurtete los zwischen Gestellen und Tischen, hielt ungeduldig nach mir Ausschau, machte dann eine Armbewegung in die Runde: “Hier in Chromstahl” und eilte davon. Ich bücke mich zu einem der untersten Tablare, öffne eine Schachtel mit einer Minilotte für Fr. 49.90 und schaue mir das Modell in Chromstahl durch seine Plastikverpackung an, Fr. 99.90. Das Warenhaus, welches einen schweren Stand gegen den Onlinehandel hat, verliess ich dann mit einem Paar schwarzen Lederhandschuhen (70% Rabatt). Ich zog sie gleich an, denn Handschuhe werden, wie Mützen und handgestrickte Schals, im Unterland immer überflüssiger.

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Edelweisse

Jedem auf dem Lebenspfad
Einen Freund zu Seite,
Ein zufriedenes Gemüte
Und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite.

Johann Peter Hebel, 1760-1826

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Die etwas durchhängenden Äste unseres diesjährigen Christbaumes gehöre zu seiner Art, ist meine jüngere Tochter überzeugt und hängt noch eine weitere rote Riesenkugel – Geschenk von der katholischen Tamilienfamilie – in die untersten Zweige. Ich befürchte, dass der Baum ganz einfach überladen ist und platziere Silberstern und -engel aus der Provence sorgfältig in die oberen Regionen. Nächstes Jahr müssten Saturn und Astronautin etwas näher beieinander sein, sowie die türkis Kugeln und der Delphin. Pilze, kleine und grosse werden am Baum verteilt, auch die munzigen Fliegenpilzchen, eine Erinnerung an Herrn Hirsiger, der mir nach dem Tod seiner Frau den Weihnachtsschmuck vererbt hat.

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Tscharni

Das isch es zuefälligs Föti, eis, wo ni gar nid ha wölle mache. Das Bild vom Tscharnerguet, däm Quartier visavi vo mim Block, isch am 10. Novämber öppis nach de Sibne am Abe uf mis Händy cho.
Im Louf vo de zwo letschte Wuche hani Liecht fotografiert, wo me i dene feischtere Tage dringend cha bruuche. Hie es paar Bischpil:

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“Grüessech, Frou M., kennet Dir mi no?” fragt mich ein junger Denzel Whashington vor der Apotheke. Er freut sich sichtlich an meinem Stirnerunzeln. Er sei doch der Edi. Ja, nun sehe ich ihn auch, wie er unbeschwert von Buch, Heft und Schreibzeug zur Aufgabenstunde erscheint, immer lustig und clever jeder kleinsten Arbeit ausweichend. Er lacht, als ich ihm das sage. Immerhin kontrolliert er jetzt irgendwelche Heizungssysteme und denkt daran, noch an einer technischen Fachschule zu studieren.
Begegne ich meinen Ehemaligen, freue ich mich immer “henne” zu hören, wie es ihnen und ihren Familien geht. Die meisten hatten durch Krieg und Flucht in ein unbekanntes Land einen unglaublich schweren Start ins Leben.

Heute ist wieder einmal ein Archivschachteltag.
Ich lese mich durch Kinderbriefe und schaue mir Zeichnungen an, die mir die Schülerinnen und Schüler die Jahre hindurch schenkten.
Hier Bilder zu drei wichtigen Themen in einem Kinderleben:

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