Alles oder nichts


Der Stern
Heisser Tee für Gäste auf dem Hochhausdach 21. Stock. (Foto vom 22. Dez. 18:43 Uhr)

Bereits am späten Nachmittag schleicht sich an der Hauswand der Nebel hoch. Er verschlingt seelenruhig alle bunten Lichtgarben, -kugeln, -regen und es bleiben nur Knallen, Heulen und Pfeifen. Eigentlich gäbe es für mich in den letzten Stunden des alten Jahres noch eine Menge zu tun, wollte ich fixfertig aufgeräumt ins neue treten, aber ich lasse alles liegen und nehme noch einmal die zahlreichen Weihnachtskarten zur Hand mit den Wünschen, die ich hier weitergebe:

Kraft
Energie
Glücksmomente
Gesundheit
Zeit, um anzuhalten und
vorwärts zu schauen
Zufriedene Füsse
Freundschaft
Hoffnung
Offline mit dem Alltag und
online mit den Lieben um uns
Zeit für Dinge, die dir gut tun und
die du richtig gerne machst
Gelegenheit, um Erinnerungen zu pflegen,
die Gegenwart zu besprechen und in
die Zukunft zu schauen

Une très bonne année 2017

Lauchernalp
Foto (2nd, female) vom 31.12.2016, 17:41
Walliser-Alp – wo sich gerade ein Teil der Blogk-Familie aufhält – 1970 m über Meer nebelfrei

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Panettone

Zusammen mit dem Rest der Blogk-Familie ausserhalb des Fotos (jaja, unscharf, Frau S.;-() wird der Panettone “Boella Crema Arancia” bis auf den letzten Krümel aufgegessen.

Damit der Panettone wachsen kann, braucht es Zeit. 72 Stunden lang wird der Teig gehätschelt, behütet, gewärmt gekühlt, gebacken und dann wieder sanft abgekühlt (... raffredare lentamente). Am Vortag nehmen die Bäcker den Mutterteig aus der Schüssel und teilen ihn in Stücke, kneten Mehl und reine Butter hinein.
Währen der Nacht wächst der Teig über sich selber hinaus. Steigt über den Schüsselrand empor (... il bordo della ciotola). Kräftige Männerarme nehmen ihn in Empfang, falten und kneten ihn von Hand und mischen zuletzt die Zutaten hinein: Sultaninen aus biologischem Anbau und kandierte Fruchtstücke, sonst nichts. Deshalb schmeckt der Panettone genau so wie er muss.
Jeder Panettone wird heute noch mit grosser Sorgfalt von Menschen für Sie eingepackt.

Ich liebe diese “Geschichten” auf Verpackungen von italienischen Lebensmitteln. Sollten wir uns nicht auch Zeit nehmen, um zu wachsen, und über den Schüsselrand empor zu steigen? Hätscheln, behüten, wärmen, sanft abkühlen und dabei genau werden, wie man muss!
Der Panettone (ich meinte immer, Panettone sei weiblich) war, wie alle Jahre zuvor, ein Geschenk von meiner Schwester Rosy.
Merci 1000!

Herr und Frau Muthunayagam haben für diese letzte Woche vor Weihnachten 36 Maschinen Wäsche eingeschrieben. Jedes textile Fetzchen, welches Wasser verträgt, soll bis zum Fest gründlich durchgespült sein. Frau Flühmann im 20. Stock regt sich über solch massive Besetzung der Waschmaschinen heftig auf. Bei Muthunayagams sei sowieso immer alles blitzblank und dieser Ansturm auf den Waschsalon völlig unnötig.

Anfangs Dezember klebt der Hausmeister ein Merkblatt mit seinen Putzterminen in den Lift. Die Mieterinnen und Mieter werden gebeten, alle Gegenstände, die sie vor der Wohnungstür stehen haben, wegzuräumen, denn der Vorraum wird gefegt und poliert. Im Gegensatz zu anderen Mietshäusern ist es bei uns erlaubt, “Gegenstände, die den Eingang zur Wohnung verschönern” hinzustellen.
(Selten wird in diesem Fall über Geschmack gestritten. Das triste Bild mit den braun und violett ineinanderlaufenden Spiralen, welches meine Nachbarin zwischen unsere beiden Wohnungstüren gehängt hatte, wechselte ich erst nach fünf Jahren aus nach einem längeren Gespräch mit ihr.)

Obwohl im Block ein grosser Teil der Bewohnerinnen und Bewohner nach dem Buch kein Christfest feiern, hängen jetzt an vielen Türen Weihnachtsdekorationen in Form von Kränzen, Kugeln, Glocken, Bändern, Schneemännern und Engeln. Es gibt kaum eine Wohnung, in welcher nicht mindestens ein Plastikbaum mit bunten Kerzen aufgeklappt wird.

Im Sommer achtet man kaum darauf, dass unsere Strasse nach einem der drei Weisen aus dem Morgenland benannt ist. Erst in der Adventszeit denkt die Eine oder der Andere vielleicht kurz an den König von Nubien und Arabien, der einem Stern nach ging in rotem Mantel und mit Gold im Gepäck.

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Der Glockenturm spielt – immer drei Minuten vor dem Stundenschlag der Kirchen – eine kurze Melodie. Heute ist es “Leise rieselt der Schnee”.
Etwas Schnee liegt nur auf den Bergketten am Horizont. Trotzdem ist ein früher Morgen mit Rauhreif vom 16. Stock aus gesehen auch zauberhaft.

Wald mit Rauhreif

Blick von meinem Balkon Richtung Nordwesten zum Jura.

2 Bäume

Rauhreif in die Reihenhausgärten vor meinem Block.

Pausenplatz

Der Pausenplatz mit Schulhäusern. Unsere Kinder sitzen – welch ein Glück – im Warmen.

Über die Winter in meiner Kindheit habe ich hier geschrieben. Schifahren, meist auf zu langen Latten und und in unpassenden Schuhen, war bei tiefem Schnee eine Notwendigkeit, weit weg von jeglichem Vergnügen. An einem nebligen Morgen kam ich zu spät zur Schule. Ich hatte mich auf einem Feld verirrt, traf immer wieder auf meine Schispur und fand eine zeitlang den Weg ins Dorf nicht mehr. Meine Eltern hatten den ganzen Winter damit zu tun, täglich den Fussweg vom Bauernhaus hinauf zur Dorfstrasse frei zu schaufeln und Fenster und Türen von Schneewechten zu befreien. Auf und über dem Sitzofen wurden die durchnässten wollenen Winterkleider getrocknet. Daran und an den Geruch in der Wohnstube erinnere ich mich jedes Mal, wenn ich die Schneeanzüge, Jacken, Handschuhe und Mützen meiner Enkelkinder aufhänge, alle aus diesen bunten, leichten, wasserdichten Materialien und im Nu trocken.

Mit Schnee an Weihnachten sei nicht zu rechnen, melden die Meteorologen. Im Berner Oberland schneien die Kanonen weisse Bänder in braune Landschaft.

Sie laufen heimlich ab, versperren einem den Platz in Geldbeutel- und Taschenfächern und brodusiern oft Apfal, alle diese Bons, Kleber, Stickers, Goldpunkte, Märkli, Rubbellose usw. Eigentlich finde ich jegliche Art von Gutscheinen mühsam – Bücherbons ausgenommen.
Trotzdem freute ich mich, als ich neulich beim Abstauben einen Umschlag mit einer Geschenkkarte hinter einem Fotorahmen fand: Fr. 100.- für Ihr Coiffure mit der besonderen Atmosphäre und dem gewissen Etwas (deutsch: Ihr Frisur mit der besonderen Atmosphäre und dem gewissen Etwas??).
Ein guter Anstoss, vor den Festtagen wieder einen schön geformten Hinterkopf zu holen. Zum Glück hat Gutschein Nr. 1666 kein Verfallsdatum. Er muss schon sehr lange hinter dem Bild gesteckt haben, was leider nicht gerade das beste Licht auf meine Abstaubmoral wirft.
Vor dem CoiffeurCoiffure-Salon greife ich zur Karte in meiner Tasche – vergebens. Sie ist weg.
Wowiewannwarumwer ratlos und mit immer noch flachem Hinterkopf komme ich nach Hause. Hier ist er auch nicht. Ich telefoniere versuchshalber in die Coiffure. Eine freundliche Nadine hört mir zu und verspricht, den Fall ihrem Chef darzulegen. Falls es eine noch offene Nr. 1666 gibt, höre ich von ihr.

Alles hat geklappt. Nadine hat mir eine neue Geschenkkarte geschrieben, sie mit Goldstift verziert und an der Coiffure-Kasse deponiert.
Bereits einen Tag später sitze ich in der besonderen Atmosphäre und dem gewissen Etwas bei Ramona. Sie mischt ein Pfirsich-Lavendel-Shampoo, erklärt, dass sie meine grauen Haare damit aufhelle, weil graue Haare oft eine leicht urinfarbene Gelbspur hätten. Ups, ich glaube, sie will mir so einen Gelbspurwegspüler verkaufen. Ich möchte nicht und betone, dass meine Haare überhaupt nicht die geringste Gelbspur aufweisen würden. Ich sei prima zufrieden mit meiner Haarfarbe, grau hin oder her.
Ramona weiss, wann’s genug ist. Sie habe ihr Haar rot gefärbt, als das noch nicht so in Mode gewesen sei. Inzwischen sieht ihr Pferdeschwanz etwas orange und struppig aus.
Soll sie mir die Haare bis oberhalb der Ohren kürzen, hinten wieder in die Spitze schneiden? Lieber stumpf oder etwas wild? Wild ist ok. Sie schabt mit dem Messer über meine Haarsträhnen und schüttelt die feinen Büschel ab. Dabei vernehme ich, dass Ramona heuer dreimal Weihnachten feiern darf: zuerst mit dem Götti, der Geburtstag hat, dann mit der Familie und zum ersten Mal nach drei Jahren Zusammensein mit der Familie ihres Freundes. Darauf freut sie sich sehr, und “ds Mami vom Fründ” freut sich auch, denn die Familie besteht nur aus drei Personen und da macht ein Zuwachs sehr glücklich. (“Und erst noch ein so netter”, schiebe ich ein.) Weihnachten zu Dritt ist ja auch ein bisschen mickrig, sinniert die junge Frau.
Soll sie ein bisschen Schaum? “Ja, bitte, lieber als Spray”.
Ramona hat das gut gemacht. Kein Mensch sieht, dass ich bei der Coiffeuse war, obwohl der Hinterkopf doch nun nicht mehr so “vertätscht” ist.

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Als der Radiowecker klingelte, langte Juliette mit ausgestrecktem Arm nach dem Nachttisch und warf auf diese Weise den Wecker zu Boden, womit das grässliche Summen aufhörte. Sie schob ihr Federbett zur Seite …

Das bin natürlich nicht ich, sondern Juliette Beaumont aus dem Buch, in welchem ich vor dem Aufstehen noch ein paar Seiten lese. Es ist das “Winterbuch” aus meinem Café littéraire. Laut Werbung von RTL France auf der hinteren Seite des Umschlags ist dieser Roman gefährlich und man könne ihn nicht mehr aus der Hand legen. Ich kann.
Dichter Nebel schwappt mir entgegen, als ich das Fenster öffne. Auf dem Sims liegen zahlreiche tote Mücken. Seitdem die Fassade des Blocks isoliert wurde und deshalb die Fenster tiefer liegen, suchen Mücken und allerlei Käfer hier Schutz vor der Kälte. Gestorben sind sie ja zu dieser Jahreszeit immer, aber ein bisschen diskreter. Oft wurde in den vergangenen Wochen der Hausmeister zu Hilfe gerufen. Der konnte nur zu einem Lappen und Seifenwasser raten.

Ich beschliesse, die erfrorenen Mücken heute liegen zu lassen. Vor dem Duschen und Anziehen werfe ich einen Blick auf die News-Schlagzeilen, mache die angezeigten Uploads auf meinem iPhone. Später lese und beantworte ich ein paar Mails und bezahle eine kleine Weihnachtsspende hier ein. Wer weiss, vielleicht reicht es für eine Nähmaschine. Beim Zusammenlegen der gestern Abend gewaschenen Wäsche stelle ich, wie früher schon, weiteren Sockenfrass fest: 23 Einzelpilze, aber immerhin 33 Paare. Ich falte auch die übrige Wäsche (für die Kleinkrähen) und lege sie zum Mitnehmen in eine blaue Tasche aus dem Elchhaus.
Falls jemand hier liest, möchte sie/er eeendlich Kaffee. Ich auch.
Wenn man im 16. Stock wohnt, versucht man möglichst viel in einem Gang zu erledigen. Also packe ich die diversen Plastikflaschen in den Einkaufswagen, binde den Müllsack zu, schnappe die Einkaufsliste und fahre mit dem Lift ins EG. Im “Ghüderhüsli” (Kehrichtraum) werfe ich den Abfallsack in einen der riesigen Kontainer. Auf dem Weg zur Tramhaltestelle mache ich einen kurzen Abstecher in den Garten. Dort ist von meiner letzten Sammelaktion nichts mehr zu sehen. Eine neue Laubdecke liegt auf Beeten und Rasen. Wie die Mücken auf dem Fenstersims, lasse ich auch die Blätter liegen und fülle nur frische Körner ins Vogelhaus. Auf dem Rosmarinstrauch daneben liegt ein Rauhreifspinnennetz.
Beim Orangen Riesen werfe ich die Flaschen in die Sammelbehälter. Für meine Tochter, die morgen Geburtstag hat, suche ich den Topf mit der schönsten Christrose aus. Frau Moosberger an der Blumenkasse stellt mir die Pflanze sorgfältig in eine Tüte. Ich kann diese bei ihr deponieren, bis ich meinen Einkauf erledigt habe.

Endlich nehme ich mir im Orangen-Riesen-Restaurant eine angewärmte Tasse und drücke auf die Milchkaffeetaste. Es gibt, obwohl es langsam gegen Mittag geht, noch ein Croissant. Nun lese ich die Zeitung und überspringe auch ab und zu einen schrecklichen Bericht.
Kurz nach elf, ein bisschen vor den Arbeitern, kommen zahlreiche Rentnerinnen und Rentner zum Mittagessen. Das ist mir noch nie aufgefallen. Es gibt unter anderem Fleischvögel mit Gemüse und sieht sehr lecker aus. Ausserdem gibt es Zeitungen und Bekannte für ein Schwätzchen.
Nun mache ich meine Einkaufsrunde. Heute kann man Mandarinen und geräucherten Schinken degustieren. Die Teller unter den Plastikhauben sind beinahe leer. Mit meiner Dauersorge, einmal richtig arm zu sein, stelle ich mir vor, dann diesen Degustationsplatten nach zu gehen und Traubenbeeren, Hobelkäse, Christstollen, Salami und Grossmutters Lebkuchen zu verschlingenprobieren. Immerhin ein Plan für schlechte Zeiten.
Aber – GSD - kann ich mir noch kaufen, was ich brauche. Mit Frau Minder, der Mitarbeiterin, welche im Sousol alle Regale auffüllt und im Schuss hält, wechsle ich immer ein paar Worte. Sie hat eine neue Frisur: auf einer Seite Millimeterschnitt, sieht sportlich aus. “Ja, man merkt’s, die Weihnachtszeit ist für viele Kunden nicht leicht”. Zum Glück arbeite sie in einem guten Team, da könne man das durchhalten.
Nun hole ich noch die Christrose ab und mache mich auf den Heimweg. Es ist nun 12:20 Uhr.

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Tauben ausgeflogen

Die Tauben sind also weg. Schätzen wir den Spatz in der Hand!

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Just vor dem ersten ernstzunehmenden Reif konnte ich meinen Garten vollends einwintern. Dabei werkelte ich mit Besen und Laubsack, schnitt die Himbeersträucher zurück, verteilte um Stauden und Büsche wärmenden Kompost und jätete die Gartenwege. Als es im Orangen Riesen die Tulpen- und andere Frühblüherzwiebeln zum halben Preis gab, konnte ich nicht widerstehen. Falls die zarten Knollen nicht in hungrigen Mäusebäuchen verschwinden, sollten im Frühjahr über zweihundert Tulpen und Glocken spriessen.

Winterschlaf

Die abgeernteten Beete grub ich ein bisschen um und bedeckte sie mit dem golgelben Laub des Kirsch- und Apfelbaums, welches auch beim Einnachten noch schön aussieht. Überhaupt genoss ich die Abendstunden im Garten. Während ausserhalb des Zauns die Strassenlampen angingen und Bewohnerinnen und Bewohner nach Hause eilten, füllte ich Herbstlaub in Säcke und stellte das Vogelhaus auf. Mein Nachbar, ein Biologe, hat mit der Winterfütterung der Vögel bereits begonnen. Kleiber, Berg- und Grünfink, Gimpel, Sumpf-, Kohl- und Blaumeise samt Wacholderdrossel sind bei ihm schon eingekehrt. Mir werden die gemeinen Sperlinge, ein paar Amseln und eine einsame Türkentaube bleiben – wahrscheinlich wird sich auch der Buntspecht aus der hohen Buche den Futtervillen des Wissenschaftlers auf der anderen Strassenseite zuwenden.

Von wegen zuwenden: mit der Frau als Stadtpräsidentin werden wir wohl noch ein paar Jährchen warten müssen. Am 15.01.2017 gibt es einen 2. Wahlgang mit 1 Frau und 1 Mann.)
Im Moment ist es schier unerträglich, wie niederträchtig, böse und gemein über die Kandidatin (und ihre Familie) geschrieben wird. Der Kandidat – wofür steht er eigentlich ein? – wird dagegen in den Medien hoch gelobt (in den Kommentaren mit vielen orthographischen Fehlern) – wofür??
Bis jetzt habe ich von diesem Kandidaten, Abkömmling einer alter Berner Patrizierfamilie (seit 1270) noch kein Wort gehört, das den Dreckbewurf auf die Kandidatin verurteiltmissbilligt. Vous devriez avoir honte, monsieur le candidat!

In England dürfen rothaarige Frauen keine Schiffe taufen, habe ich heute in der letzten Sonntagszeitung gelesen. Schwangere dürfen in Frankreich nicht.

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Der Bethlehemstern auf unserem Block wurde am Freitag bei trockenem Hochnebelwetter aufgerichtet. Die Beleuchtung funktioniert tadellos.
Wie jedes Jahr haben die Bewohnerinnen und Bewohner im benachbarten Glöggliweg alles gegeben, um Reihenhäuser und Gärten festlich zu schmücken.
Auf dem Heimweg werfe ich einen Blick auf die Lichterketten.
Eine grimmige Männerstimme aus dem Vorgärtchen:
“Gottfriedstutz, warum brönnt dä Bock nid?”
(Gemeint ist der Leuchtschlauch-Rehbock)

...fuckfaktisches:

Meine Tochter (2nd, female) schreibt mir am 21.11.16, 22:17:

Wenn du mal Zeit hast, 8 Seiten zu lesen …

Ich habe die acht Seiten eben gelesen und muss, quasi als Verdauungshilfe, meine Blog-Woche mit diesem Video abschliessen (Link ebenfalls von meiner Tochter):

(1996 Kennedy Center Honors, Washington D.C.)

Auch in unserer kleinen Stadt stehen Wahlen an.
Je näher sie rücken, desto mehr zweifle ich daran, dass wir nach 184 Jahren Herrschaft endlich eine Stadtpräsidentin bekommen, denn seit Monaten wird eine für dieses Amt bestens qualifizierte Kandidatin wacker demontiert. Auch sie hat (siehe oben) “zwei Gesichter”, “prescht schon wieder vor” wie damals, “mit Ambitionen auf einen Sitz im Gemeinderat”, sie “nimmt Mitfrauen Wind aus den Segeln”, “desavouiert Bündnispartner”. Sie sei schnippisch, schaue nur für ihr Wohnquartier, nehme ihre Kinder bis spät in die Nacht mit an Veranstaltungen. Taxifahrer und auch -fahrerinnen verfluchen sie wegen der Baustellen in der Stadt, den Velowegen und -streifen, den mangelnden Parkplätzen und ihrer Nichtnähe zu den “Büetzern”. Ganz klar, dass über keinen kandidierenden Mann so etwas geschrieben wird.
Wir müssen einfach sofort damit anfangen, vor unseren eigenen Türe zu wischen.

Friedhof am Langen Berg

Bei Nebel und Schnee die Gräber der Eltern mit Tannenästen zudecken, mit einem Topf Christrosen und einer weissen Kerze schmücken (mit Sensor, damit sie nur im Dunkeln brennt.)

Der November tut’s dem Oktober nach: er drängelt sich eilig an mir vorbei. Ich mache es diesen Wochen auch leicht, denn oft habe ich keine Hand frei, sie mindestens ein bisschen aufzuhalten. Ich buttele Kleinstmädchen, singe 11 vergessen geglaubte Vogelhochzeitsstrophen bis Kindchen schläft, schleppe letztes Gemüsegrün vom Garten in die Küche, wasche fein, bügle dampfend, streiche Brote gesund, übe mit den “Grossen” Ergänzen auf eine Million, Wortarten und Sauriernamen, rühre Schoppen und Suppen, lese vor, schimpfe ein bisschen JackenaufhängenSchuhezusam-menstellennichtinderWohnungschutten, flicke – auch heute noch – völlig durchgewetzte Lieblingshosen (mit Kindchen auf dem Schoss, welches das Schnurren der Nähmaschine liebt und mich mit grossen Kirschenaugen anschaut, wenn ich sage: “Nei, nei, nid ds Fingerli i d’Nadle ha, das macht ganz fescht Bobo!” (Sage im Laufe des Tages noch ganz andere Sachen als “Bobo”).
Immer wieder nehme ich mir vor, einmal das Protokoll eines Wochentags zu machen. (Woran anderen Bloggerinnen auch schon dachten und wahrscheinlich sogar umsetzten).

In meiner Zeit als Bibliothekarin in einem Archiv für Frauengeschichte begegnete ich Augusta Gillabert-Randin – nicht persönlich, denn sie starb bereits 1940. Um der Frauenarbeit sichtbar zu machen, schrieb sie u.a. auch so eine Alltagsliste.
Am vergangenen Mittwoch traf ich mich mit Frauen aus “meinem” Café Littéraire. Wir verbrachten den ganzen Vormittag in einer Buchhandlung, kauften viele Bücher, sprachen kaum über die US-Wahl, sondern nur darüber, was wir gerne gelesen hatten, welches von den neuen Büchern wir als erstes lesen würden und welche Titel wir den Frauen im Café Littéraire fürs 2017 – unserem 35. Jubiläumsjahr – vorschlagen könnten.
Vor einigen Tagen wurde ein junger Journalist gefragt, was er nun nach diesem Berichterstattungsmarathon aus Washington zu Hause in der Schweiz als erstes tun würde. Er werde seine Kinder umarmen.

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Toscana

Auf solchen Feldern wächst das Getreide für die feine toscanische * Pasta.

Ehrlich gesagt hält sich meine Begeisterung in Grenzen, als mir meine Tochter (2nd2nd, female) vorschlägt, mit dem Kleinkrähenvolk ein paar herbstliche Tage in der Toscana zu verbringen. (Unzählige Bernerinnen und Berner zieht es in dieser Jahreszeit, auch im Frühling, dorthin). Wir könnten ein bisschen baden und ein paar (”überlaufene!!”) Sehenswürdigkeiten besuchen, wie z.B. den schiefen Turm, den eigentlich alle in ihrem Bekanntenkreis schon gesehen hätten, nur sie …
Als Grossmutter hat man meist keine Gelegenheit, in der Erziehung Unterlassenes nachzuholen.
Was soll’s, denke ich, wenn dieser Torre pendente noch da ist, die Zypressen, Olivenbäume, Rebstöcke, PastaGelato&Co., die Städtchen auf den Hügelkuppen, das Meer, können wir ja hinfahren.

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I ha so ne Feissbukakaunt, aber i mache chum öppis drmit, ha dr Närv nid, luege aber gärn die schöne Fötis vo mine 14 Fründe a. Mängisch tuet mi Tochter mir es Bild druf oder e Usspruch, wo ni gmacht ha, wie: „Äs git Lüt, die säge eifach gäng Ja“.
Wi gseit, i ha dä Akaunt houptsächlech drzue, dass i die feine Pâtisseriekreatione vom Wältmeischter u sire Cruu cha luege.
O die stimmigsvolle Sunneungergäng, die härzige Enkelching und Fotone vo däm feine ungarischjüdische Ässe, wo mi Fründ us Naharya poustet, laikeni ab u zue oder schribe e Glückwunsch zu mene Fescht. Klar, klickeni de o i de Profil vo dene ihrne Fründe ume u de gseht me de, was i scho vor em Feissbuk ha vermuetet: mi kennt eifach vil meh Lüt, als me dänkt.

Letschthin bi ni zuefällig uf ene Name gstosse, wo mer bekannt isch vor cho. I ha de druf klickt u mi lachet e Ma a mit äbemässige Zäng, agrauete Haar, amene graumelierte, pflegte Bart, imene gälbe Sportliibli, Sekundarlehrer. Sicher isch er vil dusse. Hinger dr gschmackvolle Brülle blitze siner Ouge spitzbüebisch. Obwohl 63 Jahr vergange si, sit i ihn zletscht Mal gseh ha, kenne nine sofort wider, dr Sämi, mi Verehrer us dr Ungerschuel.
Är isch nid gsi, wie di angere, het gärn gläse, isch mit dr Mueter ga ichoufe, het ihres Velo grüen agmalt, was si ganz toll het gfunde. Die angere Giele hei nid gwagt, ne uszäpfle, will er guet ir Schuel und im Sport isch gsi.

O wo ner d’Lehrere gfragt het, öb är mit mir i ds Handarbeite dörfi cho, het kene glachet. Dr Sämi isch de näbe mir ghocket, het im Schwick feschti Masche, Stäbli u Luftmasche chönne wi mir Meitschi u het es grüens Ichoufsnetz mit silberige Ringe für d’Träger ghääglet. Nach der Schuel het är mi mängisch hei begleitet, obwohl das für ihn e Umwäg isch gsi. Är het Gedicht gärn gha u se uswändig chönne. Woni einisch chrank bi gsi, het er mir Grossmuetter es Strüssli Schneeglöggli für mi mitgä. Är het mini Zeichnige grüehmt u mängisch hani ihm siner e chli verbesseret. Wil er es Jahr elter isch gsi als ig, isch er de i d’Sek u ines angersch Schuelhus cho.
Dr Sämi isch sicher o dr Grund, warum ig i d’Sek ha wölle. Miner Eltere hei drvo ke Ahnig gha u hei ersch vernoh, das i d’Prüefig bestange ha, wo d’Lehrere mim Vater het gratuliert, das i die Beschti vo de Meitschi sig gsi.

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Wenn die tonnenschweren Kürbisse (2016/1190,5 kg) von ihren Züchtern an die Kürbis-EM gewuchtet werden und nachts der Frost über den Boden schleicht, ist es aus mit Sommer.
Schweren Herzens greife ich als Rockträgerin zu Unterhemd und Strumpfhosen, lasse den roten Lack noch ein bisschen auf den grossen Zehen und mache erste Schritte in geschlossenen Schuhen.
Im Garten hole ich die letzten Bohnen, den späten Salat und schaue nach, ob die Schnecken mir etwas von den festen Kabisköpfen übrig gelassen haben. Kletterrose und Kapuzinerkresse legen sich mit Blühen noch einmal ins Zeug, zusammen mit einigen Borretschstauden mit ihren blauen Sternenblümchen. Die ersten Körbe Laub werden zusammengerecht und einige Stauden zurückgeschnitten.

Die Draussen-Baden-Saison in meinem Lieblingsbad schloss ich vor einem Monat …

Letzters Bild 2016

mit einem einsamen Schwumm durchs bereits kühle Wasser ab, packte die ...

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Geputzt und gesrrählt

(Johanna und Jakob, Frühling 1941)

Dieses Bild meiner Eltern hängt, zusammen mit einigen anderen alten Fotos, bei mir in der Küche. Als ich es am vergangenen 30. August, ihrem gemeinsamen Geburtstag, abswischte, fiel mir zum ersten Mal auf, wie blank poliert die Schuhe des glücklichen Paares sind. 1941 gab es im Emmental kaum asphaltierte Strassen und Wege und auch wenig Schuhe.
1941 wurde mein Vater wieder einmal für einige Wochen in den Militärdienst eingezogen, was besonders während der Sommermonate für einen Bauern hart war. Zu Hause standen die Ernten an und auf irgend einem unnützen Posten langweilten sich die Soldaten. Das Gute daran war, dass Soldat Glauser genug Zeit hatte, seiner geliebten Johanna zu schreiben:

Ostermundigen, 29. Juli 1941
Auf meinem Posten sind 13 gute Kameraden, fast alle von Lützelflüh und Sumiswald. Ich werde am 8. August in den Urlaub gehen. Es ist so langweilig, keine Ruhe und wenig zu essen, aber ich kann mich ganz gut drein schicken, geht ja nicht mehr lange.
Schick mir nur nichts zu essen. Es sind viele Kameraden bei uns, die nicht heim schreiben können oder der Geliebten, um Essen zu schicken. Ich kann mich gut fügen, du weisst es ja wohl. Ich möchte nicht mehr sein als alle anderen.
H., wenn ich in den Urlaub komme, werden wir an einem schönen Sonntag noch eine Velotour machen.
Wie geht es deinem Fuss. Hoffentlich gut.
Warum hat dich Frida geschnitten mit der Sense?

(Frida war die Ex-Freundin meines Vaters und auf meine Mutter so eifersüchtig, dass sie sie mit der Sense verletzte. Kommentar von 1st hier)

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