Von hier nach dort


Wahlwerbung

Zu ihm habe ich nie “Alex” gesagt, obwohl ich ihn als Genossen hätte duzen dürfen.
Es muss im Herbst 2004 gewesen sein, als meine Partei eine Wahlveranstaltung im “Sternensaal” organisiert hatte. Ein kalter Tag, das Lokal überfüllt, Wurst und Suppe waren begehrt. An einem langen Tisch scharten sich die Kandidatinnen und Kandidaten um den damaligen Stadtpräsidenten und hatten es ganz für sich lustig.
Kandidat Alexander Tschäppät kam allein, liess den Präsidententisch links liegen und quetschte sich mit einem Teller Suppe, Wurst und Brot auf eine Bank mitten unter die Stimmbürgerinnen und -bürger. Es dauerte nicht lange und man war in ein lebhaftes Gespräch vertieft. Später stand der Kandidat auf und trat zu einer Gruppe Jugendlicher aus Bern West. Auch dort schien er den Ton zu treffen. Nach kurzer Zeit sass auf den jungen Schöpfen ein Hut mit der Aufschrift “Tschäppu”. Während die restlichen Kandidierenden sich um einen guten Wein versammelten, hatte Tschäppu seine Kampagne schon fein gestartet. (Im November wurde er dann mit über 60% der Stimmen zum Stadtpräsidenten gewählt).
Obwohl er ab und zu auch gut sichtbare Fettnäpfe übersah, bleibt er für mich der “Stadtpräsident”.

Adieu, lieber Alex. Ich werde dich vermissen, auch wenn ich dich im Leben nie geduzt habe.
2nd, female meint: “Zum Glück isch YB vorhär no MeYschter worde!”

Zwei alte Beiträge aus blogk zu Ehren des Stadtpräsidenten:

Stiller Held im Herbst, 20.10. 2007

Bubentraum, 31.01.2008

Osten

... die rot gestrichelte Linie ist die Mauer oder auch “Staatsgrenze” genannt. An der Kerbe (Spitze des Kugelschreibers) vorn in Hohenschönhausen Berliner Strasse, heute Konrad Wolf Strasse ist der Opa am 22.01. in einer Urnenbüchse beigesetzt worden. Urnenstelle 6-27.

Die Postkarte samt Todesanzeige schickte uns der Rentner Bernhard F. aus Westberlin. Sein Freund Robert, Opa genannt, wohnte in Ostberlin und hatte mit seinen über 80 Jahren eine Reiseerlaubnis in den Westen. Meine Töchter und ich lernten die beiden Männer 1984 bei einer Schifffahrt auf Spree und Landwehrkananl kennen. Sie wussten viel über die beiden Teile der Stadt zu berichten. Als wir wieder in der Schweiz waren, schickten sie neben Briefen und Postkarten manchmal auch ein Buch, ein Magazin, einen Zeitungsartikel oder eine Infobroschüre für westliche Touristen in Ostberlin. Ab und zu reiste auch ein Berner Schoggi- oder Lebkuchenbär nordwärts, sehr zur Freude von Opa Robert und Rentner Bernie.

Aus aktuellem Anlass habe ich heute in meinem Archiv gestöbert.
Hier ein paar Fotos aus den 1980er Jahren:

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In der vergangenen Woche wurde ich mehrmals gefragt, ob meine Enkelkinder und ihre Eltern gesund und zwäg aus den Herbstferien zurück gekommen seien.
Wahrscheinlich erzählte ich auch ausserhalb von blogk.ch, dass ein Teil meiner Familie ausgeflogen sei. “Hätte sie sich doch gemeldet und gesagt, dass sie alleine ist. Man hätte dann etwas abmachen können,” meinten einige Leserinnen und Zugewandte. Das finde ich wirklich lieb. Danke!

Man liess mich zum Glück nicht ohne Nachrichten aus dem Kosovo. Hier eine kleine Zusammenfassung:

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Traurig

Sie war eine Erzieherin mit Engelsgeduld – begnadet eben. Bei ihr gab es keine hoffnungslosen Fälle. Selbst die Wildesten und Ungehorsamsten hörten auf sie. Mühsame Eltern und taube Behörden brachten sie nicht aus der Ruhe. Jahrelang sorgte sie auf kleinstem Raum dafür, dass die Quartierkinder nach der Schule betreut wurden, spielen, essen und Hausaufgaben machen konnten.
Vor zehn Jahren richtete sie im ehemaligen Keramikatelier eine Tagesschule ein, denn die Nachfrage nach Betreunungsplätzen stieg von Jahr zu Jahr.
Dass “ihre” Schützlinge einen Beruf erlernten, dafür engagierte sie sich unermüdlich, gab Nachhilfestunden und half bei der Lehrstellensuche.
Ganz wichtig war ihr die Ausbildung von jungen Erzieherinnen und Erziehern. Ihren Praktikantinnen und Praktikanten war sie Beraterin und Vorbild. Sie hat mitgeholfen, aus der Betreunngsarbeit in einer Tagesschule einen anspruchsvollen Beruf zu machen. Dank ihr hatten zahlreiche Kinder einen leichteren Start hier in der Schweiz und eine schönere Kindheit.

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Salinen

(Postkarte aus der Rue de la Poissonerie)

Früher stand er mit seiner Kamera während der ganzen Sommersaison am Kanal, fotografierte Familien und Pärchen vor Fischerbooten und Leuchtturm. Die Bilder konnten über ein paar steile Treppenstufen in seinem Lädelchen in der Rue de la Poissonerie noch am gleichen Tag abgeholt werden. Besonders hübsche Ferienbilder kamen als Werbung in den Schaukasten am Quai Colbèrt.
In vielen Sommern kauften wir dort unzählige Postkarten: Salinen mit oder ohne Flamingos im Flug oder äsend, Stiere auch im Flug (über Abschrankungen in der Arena) oder grasend zwischen den Etangs, Sonnenblumen- und Lavendelfelder, Pferde mit Mähnen im Wind mit oder ohne Reiter, blumenumrankte Fenster in engen Gassen, Olivenbäume und -seifen und natürlich Strand und Meer bei jeder Tageszeit.
Nun hat der inzwischen ältere Herr mit seinen eigenen Händen den Laden umgebaut. Die enge Treppe ist weg und es gibt noch mehr Drehständer für Postkarten. “Im Winter habe ich ja sonst nichts zu tun”, meint er und freut sich, dass wir sein Werk rühmen. Ich beschliesse, dieses Mal von meiner Postkarten-App nur wenig Gebrauch zu machen und kaufe 20 Postkarten mit Flamingos im Flug oder äsend im Morgenlicht … siehe oben. Meine Tochter (2nd, female) hat sich um den zeitraubenden Markenkauf zur Post begeben, weil man meist in einer langen Schlange anstehen muss.
Auf dem Campingplatz frage ich nach dem Briefkasten. “C’est moi, la boîte aux lettres”, sagt der Mann an der Réception “die Leute haben un portable”. (Auf die Internetverbindung in dieser Region ist allerdings wenig Verlass).
Ich hoffe, dass der Mann mit den Postkarten nicht zu sehr in die roten Zahlen rutscht und wenigstens die Exemplare mit dem sonnenbadenden Mann, bekleidet mit nur zwei Sombreros, gut laufen. Wenn es nach meiner Enkelin geht (bald 11 J.), sieht die Zukunft dieser Ferienpost nicht so trüb aus, geht doch ihr Taschengeld hauptsächlich weg für Postkarten, und dann noch für eine geräumige Sammelschachtel mit Deckel.

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... die Füsse baumeln lassen!

Hoch hinauf

Im Schweisse deines Angesichts sollst du deine Koffer Taschen packen (1. Moses 3,19). Die Zeitungen sind gebündelt, der Kehricht im richtigen Sack entsorgt und die Grünabfälle kompostiert worden. Rechnungen bezahlt, altes Brot gewürfelt und im Backofen getrocknet, Beeren als Gelee und Konfi in Gläsern eingeschlossen usw.
Der mazedonische Nachbar, grosser Hobbygärtner mit Riesenzucchetti wollte sie nicht in sein Heimatland mitnehmen und beglückte uns damit. Also auch diese noch gerüstet und gedämpft der Familie zum Znacht vorgesetzt. Nun soll mir bitte niemand mehr seine Reste bringen.

Dieses Jahr verabschiede ich mich weder mit einer Windrose, einem Winddrachen, noch mit einem Lavendelbusch, obwohl es, wie schon seit Jahrzehnten, wieder dem Delta zwischen den beiden Rhonearmen zu geht.

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Weisse Pferde, schwarzes Hornvieh und auch die Schienen der Lokalbahn versinken im saftig grünen Gras.
Wenn die Möven über blaues Wasser segeln, schimmern ihre Federn türkis. Sträucher, die im Sommer vertrocknet scheinen, tragen weisse Blütenkugeln, über welchen junge Blättchen wie feuerrote Flammen züngeln.
Überall wird um- und angebaut. Im “Intermarché” ist die Kundentoilette eine Baustelle. “Ihr müsst auf dem Parkplatz Pipi machen”, wird der Mutter mit Kind am Infoschalter geraten. Also los, an die Akazien!
Die Mücken auf dem Delta haben die Alten entdeckt. Hinterhältig stechen sie mich mitten auf die Stirn. Sofort wächst mir dort eine rote Beule, welche mindestens drei Tage über meine Augenlider zurück auf die Stirn “wandern” wird – merci beaucoup;-(
Dabei wäre es doch ein Leichtes, mich mit Antibrumm einzusprayen, ein rustikales Lederarmband getränkt mit Geraniensaft und Zitrone umzubinden oder mich sogar mit einem klebrigen Stift einzuschmieren, der sich “Cinque à Cinque” nennt, wenn alle diese Produkte nur nicht so bestialisch stinken würden.
Der Campingplatz (4 Sterne) wird mit einer neuen App verwaltet. Kleine Reparaturen wie lockere Türangeln und knarzende Lunettes de toilette müssen die Mitarbeiter nun per App ihrem Boss melden, welcher dann über das Mobiltelefon sein Ok gibt. Was früher mit Notizblock und hinter die Ohren schreiben subito funktionierte, dauert nun Tage. Es kann gut sein, dass die langjährigen MitarbeiterInnen der App Widerstand bieten.
Gestern haben wir ein paar Eier gefärbt, was gar nicht einfach war. Die Kräuter “de sable” sind dick und pelzig, sogar die Löwenzahnblätter sind mit einem Flaum bedeckt.

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Quint Buchholz

(Bild: Quint Buchholz)

seiltänzer

fasst
fuss
auf wenig

fusst
fast
auf nichts

setzt
fuss
vor fuss

hoch
über
köpfen

Kurt Marti, 31.01.1921 – 11.02.2017

Den “Supermond” werde ich unter diesem Hochnebel wohl verpassen .
Macht nichts, denn am 25. November 2034 gibt es wieder einen in der ähnlichen Konstellation;-)

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Toscana

Auf solchen Feldern wächst das Getreide für die feine toscanische * Pasta.

Ehrlich gesagt hält sich meine Begeisterung in Grenzen, als mir meine Tochter (2nd2nd, female) vorschlägt, mit dem Kleinkrähenvolk ein paar herbstliche Tage in der Toscana zu verbringen. (Unzählige Bernerinnen und Berner zieht es in dieser Jahreszeit, auch im Frühling, dorthin). Wir könnten ein bisschen baden und ein paar (”überlaufene!!”) Sehenswürdigkeiten besuchen, wie z.B. den schiefen Turm, den eigentlich alle in ihrem Bekanntenkreis schon gesehen hätten, nur sie …
Als Grossmutter hat man meist keine Gelegenheit, in der Erziehung Unterlassenes nachzuholen.
Was soll’s, denke ich, wenn dieser Torre pendente noch da ist, die Zypressen, Olivenbäume, Rebstöcke, PastaGelato&Co., die Städtchen auf den Hügelkuppen, das Meer, können wir ja hinfahren.

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Tauchen

... ist grösser, als man denkt.
So weit unser Auge reicht nur Segel-, von Möwen begleitete Fischerboote mit echten Fischern und der Touristen-Katamaran “Picardie” auf dem Wasser.
So weit unser Auge reicht ausgebleichte Sonnenschirme über Jungen und Alten, die den Strand und das Wasser auf ihre Weise geniessen.
Weit und breit keine Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, ausser in den Zeitungen, die wir, im Gegensatz zu früher, jetzt auch auf dem Delta online lesen können.

Am diesjährigen 14 Juillet fehlen Bühnen, Fahnen, Lautsprecherwagen mit der “Marseillaise” und “Toreau picine” – nichts deutet auf den französischen Nationalfeiertag hin. Auf unser Warum meint die Wirtin im “Petit Mazet” augenzwinkernd, es sei eben erst der 13. Nur wenige Stunden später wären alle froh, es gäbe diesen 14. nicht.

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Taj Mahal

Foto von hier

Das Vollmondbild für heute mache ich passend zu den beiden vorhergehenden Beiträgen – Taj Mahal bei Vollmond, das Grabmal eines Herrschers zum Gedenken an seine grosse Liebe (vor ca. 385 Jahren).

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Die Kleinkrähen und ihre Eltern verbrachten einen Teil der Frühlingsferien bei ihren skipetarischen Verwandten im Dorf. Dieses liegt in einer abgelegenen Gegend an der Grenze zu Montenegro und Albanien. Erwerbsarbeit ist rar und man ist froh, dass von der neunköpfigen Mehrgenerationenfamilie einer Arbeit hat. Blerim verdient in einer Fensterfabrik ca. 300 Euro im Monat. Dazu kommt noch eine Familienzulage von 70 Euro. Obwohl sich die Familie zum grossen Teil selbst versorgt, bleibt für die bescheidensten Zusatzwünsche (z.B. ein ausländischer TV-Kanal zum Fussball schauen) absolut nichts übrig. Mit materiellen Gütern werden die Kinder nicht verwöhnt, aber es fehlt ihnen nicht an Zuwendung und Fürsorge seitens der Eltern und Grosseltern.

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Als Kind hatte ich wenig Ahnung vom “Ausland”. Das Ausländischste, das ich kannte, waren die zahlreichen Kinder des niederländischen Predigers Wim Malgo. Meine Tante, eine eifrige Jüngerin des Gottesmannes, brachte ein paar von ihnen manchmal zu uns auf den Bauernhof.
Anfangs der 60er Jahre wurde ich dann selber “Ausländerin”. Immer noch mit wenig Ahnung machte ich mich damals auf die Reise nach Israel, um als Volontärin in einem Kibbuz zu arbeiten. Ich hatte alles selber organisiert. (Es gab damals noch keine Anbieter für freiwillige Arbeitseinsätze in Kibbuzim.)
Im Hafen von Haifa wurde ich von einem Israeli abgeholt, der ursprünglich aus der Schweiz stammte. Dudel machte mir gleich klar, dass es morgen schon zu Ende sei mit Schweizerdeutsch und ich gleich jetzt mit der neuen Sprache anfangen könne: “Wosch e Miz tapussim, e Miz tapuchim oder lieber e Miz eschkolioth?” fragte er im Restaurant. Ich entschied mich für den Miz tapussim und bekam Orangensaft.

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Ihr Hilfswerk hat keinen Namen. Ihre Reisen bezahlt sie aus der eigenen Tasche. Kosten für die Administration fallen kaum an. Vom 11. Stock eines Hochhauses in Berns Westen leitet Elizabeth Neuenschwander mit ihren 85 Jahren drei Schulen (zwei Drittel sind Mädchen) und ein Frauenzentrum in Afghanistan und Pakistan. Jeden Samstag – bei niedrigem Telefontarif – spricht sie mit ihrer Assistentin in Kabul, welche ihr wöchentlich auch einen Bericht zu den Projekten per E-Mail sendet.
Mindestens zweimal im Jahr erhalten die zuständigen Botschaften in Genf einen unerbittlichen Besuch von der zierlichen alten Frau. Ohne ein gültiges Visum wird sie das Gebäude nicht verlassen. Das weiss mann aus Erfahrung

In diesem Monat ist es wieder soweit. Die Reise geht nach Kabul, wo Frau Neuenschwander sich mit der Leiterin des Frauenzentrums und dem Leiter der Schulen treffen wird, zur Sicherheit in einem Privathaus. Und natürlich wird sie dabei sein, wenn die Absolventinnen des Nähkurses ihr Diplom erhalten. Wer zwei Jahre fleissig gelernt hat, bekommt neben einem Diplom die Nähmaschine geschenkt.

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