Von hier nach dort


Meine Pflegetochter ist wirklich unglaublich: sie lernt schnell, ist fleissig und zielstrebig, oft auch lustig, hat Humor. Sie ist eine genaue Beobachterin, eine Kennerin sämtlicher alten amerikanischen Filme, ist eine ausgezeichnete Erzählerin, aber auch eine raffinierte Schwindlerin. In der Politik und Geografie ihres Landes kennt sie sich bestens aus. Spätere Berichte von Journalisten aus dieser Kriegsregion bestätigen das. Nach etwas mehr als einem Jahr in der Klasse für Fremdsprachige kann L. in die Sekundarschule übertreten. Zwar schläft sie immer noch nicht im Dunkeln und klagt oft über Bauchschmerzen, aber L. hat schwimmen gelernt, kann nun Rad fahren, versucht sich auf dem Snowboard, geht regelmässig ins Bauchtanzen. Inzwischen spricht sie deutsch, ihre achte Sprache. Sie liest und zeichnet gerne, freut sich an ihren neuen Kleidern, ihrem eigenen Zimmer und geniesst es, am Wochenende mit meiner Tochter in den Ausgang zu gehen.
Nach und nach wird aus meiner Pflegetochter ein hübsches und fast normales Teeny, welches dauernd am Telefon hängt und einem manchmal mächtig auf die Nerven geht. Längst ist sie ein Mitglied der Familie geworden.

Oft sagen nun die Leute: “Wir hätten L. auch genommen, wenn wir nur gewusst hätten, dass sie einen Platz braucht.” Einige meinen zu wissen, dass ich unter einem Helfersyndrom leide. (Da niemand gerne unter so etwas leidet, warten Scharen von Bedürftigen vergebens auf Hilfe).

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An diesem Wochenende widme ich mich einigen Altlasten. Gut, dass ich dazu heute nur noch Kehrichtsäcke brauche. Steuer- und Bankbelege auf vergilbtem Papier werden rübis und stübis entsorgt. Anders ist es mit den umfangreichen Unterlagen zu einem “Unternehmen”, auf welches ich mich vor 15 Jahren einliess. Ich lese alles noch einmal durch, bevor ich den grössten Teil davon auch in den Abfallsack stopfe und Dateien lösche.
Diesen Beitrag schreibe ich zum heutigen Internationaen Frauentag und als kurzen Rückblick für die jüngeren Familienmitglieder.

Als man Ende der 90er Jahre hier in der Schweiz noch nicht wusste, was mit unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen zu tun ist – weiss man es heute? – nahm ich ein junges Mädchen auf.

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Feldpost von Vater

Nach über siebzig Jahren sind Joggelis Briefe an Hanna verblasst und brüchig geworden. Meine Mutter bewahrte sie in einer goldenen Schokoladeschachtel auf, waren sie doch der Anfang einer Mésalliance, die bis äneuse hielt.

Lausanne, 10.11.1942
Mein Liebes Hanny!
Schnell in paar Worte von mir. Bin am Montag gut gereist, nur viel zu schnell, habe gar nichts gesehen von der Gegend. Der Zug war überfüllt, nur im Postwagen stehen oder auf den Säcken sitzen. Der Drill ist in vollem Gange, sehr streng. Muskelkater bis obenauf, alles muss verdient sein. Ich möchte am liebsten wieder heim zu Dir, Hanny. Bis der Kurs vorbei ist, können wir fast nicht mehr auf den Beinen stehen. Der Oberst hat gesagt, wenn schon alle Muskeln kaputt, auf das Hirn kommt es an, nur den Mut nicht sinken lassen. Die zwei Tage dünken mich schon ein Monat.
Essen gut, aber nicht zu viel, denn ein grosser Bauch würde uns hindern, ein strammer Soldat zu sein. Ich weiss ja nicht ob ich den Kurs fertig mache wegen dem Daumen. Kann vieles gar nicht machen oder mit Schmerzen, aber keine Angst Hanny, ich ducke mich, wo ich kann.
Bist du gesund Hanny? Ich hoffe das Beste für dich und die Deinen.
Will schliessen für dies Mal, schick mir das Postsäckli mit 1 Paar Socken, 1 Hemd. Esswaren brauchst nicht zu schicken, nur einen langen Brief. Kann nicht mehr schreiben, ziemlich kalt und dunkel im Zimmer.

Leb wohl, mein Hanny, ein Kuss von mir.
Joggeli
HD Sdt. Glauser J.
U.O.S. HD Insp. ter 1

Sabbath in Venedig
(Campo di Gheto Novo)

Hier einige Bilder aus dem ältesten Ghetto der Welt, welche meine Tochter (2nd2nd, female) heute kurz nach 09:00 Uhr gemacht hat. Wer hätte im 16. Jahrhundert gedacht, dass sich “Ghetto” als Bezeichnung eines Stadtviertels unverändert bis ins 21. Jahrhundert halten würde?

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Mönch mit Jungfrau

Lütschinental mit Mönch (hinter Wolke) und Jungfrau

Wenn die Harderbahn ruckelnd an den Stahlseilen hängt und die steile Fahrt durch Felsentunnel und Wald hinauf auf die Kulm beginnt, bleibt einem nichts anderes übrig, als auf die Schweizer Qualitätsarbeit zu vertrauen. Die Reisegruppe aus Japan jedenfalls scheint sorglos. Auf sie wartet bereits der Lunchteller im Bergrestaurant, denn mit der übernächsten Bahn gehts wieder talwärts einer weiteren Sehenswürdigkeit zu. Meine Nachbarin und ich werden von den asiatischen Gästen gleich als “Einheimische” erkannt. Lachend fotografieren wir uns gegenseitig neben der blaugeblumten Kuh auf dem Aussichtssteg. Dann gibts auf der Terrasse Spargelcremesuppe und Trutenschnitzel mit Gemüse. Frauen im Niqab wandeln an uns vorüber, begleitet von Männern in legerer Freizeitkleidung, eine Mädchenklasse in hellbrauen Kopftüchern freut sich an den Hunde- und Bärenschlüsselanhängern am Kiosk.
Wir bleiben, bis sich die Schneeberge aus den Wolken schälen und erinnern uns an die Zeit, als wir noch ohne Bahn in den Bergen wanderten, ausser ein paar Geissen nur selten jemandem begegneten und meinten, die Welt sei in Ordnung.

Mirabellen

Am Baum …

Im Glas

... Im Glas

Auf dem Tisch steht ein grosser Teller mit goldgelben Mirabellen. Sicher vom Früchtehändler, der jeden Sommer seine Hütte an der Strasse zum Meer einrichtet. Nein, sagt meine Tochter und führt mich zu einem hohen Baum, voll behangen mit Mirabellen. Ein Elsternpaar schnabuliert keifend und krächzend die reifen Pflaumen an den obersten Ästen.

Vor 15 Jahren war dieser Baum ein fingerdicker Spross hinter unserem Wohnwagen. Den muss ich im Auge behalten, dachte ich damals und sah schon die feinen Früchte. Eine Baufirma wollte dann Ferienhäuser bauen und liess viele der alten Nadel- und Laubbäume fällen und die Lorbeer- und Oleanderhecken ausreissen. Für den Mirabellenspross hatte ich keine Hoffnung mehr.

Es wurde nicht gebaut. Der Platz blieb viele Jahre sich selber überlassen, sah mit den Baumstrünken und abgesägten Hecken jämmerlich aus.

Heute wachsen neben den alten wieder neue Bäume, der Oleander blüht, Büsche und Stauden säumen die Wege. Sonnenschirme stehen auf den Veranden der Wohnwagen. Es flippt und floppt, pingt und pongt, rutscht und hüpft. Und zwischen all dem Ferientreiben steht der Mirabellenbaum, immer noch fest verwurzelt im Sand der Camargue, wo es doch heisst, auf Sand bauen sei unklug.

Mirabellen

Der Pillendreher paddelt tapfer auf dem Kräuselwasser. Ich hole dich hier raus, verspreche ich. Federleicht streift ein Mauersegler das Wasser und macht meine Karmapunkte für diesen Tag zu nichte.

Aus meinen Reisenotizen vom 15./16. April 2013

Gestern
wurden Zimtkolibri, Kugelfisch, Ohrenqualle, Mistkäfer und Schneeaffe
geehrt. Das finde ich löblich, denn sie gehören – wie die Wanzen – auch zum Ganzen. Ich habe mir kurz überlegt, wen oder was ich zum Tag der Erde ehren würde.
Wenn auch im Vergleich zu Zimtschneekugelohrenmist, recht unoriginell (zu oft fotografiert) und wahrscheinlich auch zuwenig bio-divers, das hier:

The View

Das Navajo-Hotel “The View” im ersten Morgenlicht vom Wildcat Trail aus gesehen.
Alle Balkone sind nach Osten ausgerichtet und haben …

Ins Tal

... diese Aussicht!
Kurz nach 6 Uhr morgens. Noch ist um diese Zeit kaum jemand auf dem Wildcat Trail unterwegs, obwohl ein Greenhorn wie ich darauf wartet, dass er im Garacho zwischen East Mitten Butte und Merrik Butte auf feurigem Pferd heransprengt. Aber nichts dergleichen, nur auf einer Felsplatte etwas abseits des Weges ein Geländewagen mit Alutrailer, davor einige Männer eifrig am Telefonieren – Filmleute von Lone Ranger?
Immer weiter fahren wir hinein ins Monument Valley, welches eigentlich gar kein richtiges Tal, sondern eine weite Ebene ist, aus welcher sich die unglaublichsten Felsformationen erheben, von Riesen fallen gelassene Blöcke in Form von Kamelhöckern, Daumen, Fäusten, Totempfählen, Thronsesseln, Frauengestalten (Three Sisters).

Fasziniert schauen wir zu, wie die Sonne aufgeht, machen ein paar Fotos, auf welchen wir neben den Felsen aussehen wie Winzlinge. (Auch das Auto, ein Infiniti QX 56, steht für einmal klein da unter einem so mächtigen Thumb-Butte und lässt die Motorhaube hängen. Ist es sich doch gewohnt, von japanischen Touristen, Polizisten entlang des Rio Grande, Hotelpersonal und Berner Grossmutter ohne Führerschein und Fanin von Fahrkomfort, bewundert zu werden. (Entsch …, über Autos schreibe ich sonst nie.)
Obwohl es Abertausende von Monument-Valley-Fotos gibt, sogar in unserem Quartieranzeiger wurde letzthin eins publiziert, geben die folgenden Aufnahmen von 2nd, female diese einzigartige Morgenstimmung wieder – der Beginn eines unvergesslichen neuen Erdtages – für uns Touristen.
Hier gibt es Navajo-Familien, die 16 Kilometer vom nächsten Brunnen entfernt leben.

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Grenzgebiet

Schafherde um Pobergjë im Westen von Kosovo

Nein, den Dia-Abenden bei herum gekommenen Freunden traure ich nicht nach, auch nicht den Umschlägen, welche man gegen korrekten Abholschein im Fotogeschäft ausgehändigt bekam, nachdem man eine Woche auf die Entwicklung der Ferienfötis gewartet hatte.
Mir kann man mit “Handy”-Bildern aus allen Gegenden der Welt eine Freude machen! Ich schaue dann auf Karten nach, suche Informationen zu den Orten, zur Kultur, der Geografie, den Tieren und Pflanzen – komme vom Hundertsten ins Tausendste, erinnere mich an meine eigenen Reisen – einfach super spannend!

Heute regnet es in Deçan, im gebirgigen Grenzgebiet von Montenegro und Albanien.
2nd2nd, male besucht für ein paar Tage seine Verwandten in einer der 36 Ortschaften dieser Grossgemeinde.
Hier einige Frühlingsimpressionen aus dem Grenzgebiet:

Sonnenplatz

Ottomanen unter freiem Himmel warten auf Gäste mit Sitzleder

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White Sands

(Reisenotizen vom 12.04.2013)
Im Hintergrund nach Westen die San Andres Mountains …

Ledig habe sie Dupont geheissen und sei dann bei ihrem Besuch in der Schweiz tatsächlich in einem “Hotel Du Pont” übernachtet, erzählt die Managerin des Bookshops. Ich kaufe eine Postkarte und eine Einkaufstasche aus ökologischem Material im Info Center des National Monuments, dann schaue mir den Film über die Entstehungsgeschichte dieses Naturwunders an.
Denn wieder bin ich an einen Ort gekommen, von dem ich noch nie gehört hatte: White Sands. Der Name ist irreführend. Es ist nicht Sand, sondern feiner Gips, der sich als strahlend weisse Dünenlandschaft über 470 Quadratkilometer vor den Besuchern ausbreitet. Man kann sie auf markierten Wegen – den Trails – in verschiedenen Längen durchwandern.
Ein bisschen mulmig wird mir schon, als 2nd, male und 3rd, male zwischen den Gipshügeln auf dem Alkali Flat Trail verschwinden. (Verirrte sollten sich nur oben auf die Düne setzten, damit sie von den Rangern gefunden würden).
Tiere und Pflanzen haben sich an die aussergewöhnlichen Bedingungen angepasst, so dass der blasse Gecko nur ein Vorüberflitzen ist. Hier und da ragen spitze Laubblätterbüschel von Yuccas mit ihren Blütenrispen aus den Dünen während ihre Stämme tief darin versteckt bleiben. Der Gips unter den Füssen fühlt sich kühl an.
Einige Kinder schlitteln auf Plastikbobs, keine sichtbaren Testflüge, keine Dreharbeiten für Brautkleider oder Autos, weder Mountain- noch andere Biker und auch keiner, der die Kleider vom Leib reisst und sich vor lauter Natur nackt über die Dünen schmeisst.

Später dann auf der einsamen Interstate 70, überholt uns – gesetzteswidrig schnell – ein Soldat auf dem Motorrad. Seine Uniformhose flattert im Wind und das Hemd bläht sich auf dem Rücken auf.

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Eis auf Neufundland
(Fotos vom 6. April 2013, Flug Paris – Houston, TX)

In dieser “Class” bin ich schnell als Flug-Greenhorn zu identifizieren, denn niemand klebt so lange und dicht am Fenster, wie ich. Zwölf Kilometer unter mir liegen – so weit das Auge reicht und scheinbar menschenleer – die Gletscher, zugefrorenen Seen und Flüsse von Neufundland. Da ist bin ich schon froh, wenn alle Luftteilchen vorbildlich um die Tragflächen strömen.

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Halva – Eine weitere Geschichte, gesammelt von 1st, Mai 2002, erzählt von dem Mädchen L., das wir nach seiner fünfjährigen Flucht aus dem Irak in unsere Familie aufgenommen hatten.

Als ich in Griechenland in Veria im Gefängnis ankam, wollte ich Halva essen. Wir hatten sie in der Türkei gekauft und mit uns den ganzen mühsamen Weg geschleppt. Wir hatten sie noch dabei, als die griechischen Soldaten uns an der Grenze schnappten. Eigentlich wollten wir früh morgens mit einem Plastikboot zusammen mit 30 Leuten nach Griechenland fahren.
Ich bin froh, dass die Soldaten vorher gekommen sind, denn wir mussten eine Nacht lang still im kalten Wasser ausharren. Ich spürte meine Beine nicht mehr. Es sind schon viele Männer, Frauen und Kinder umgekommen, und die Fische haben sie gefressen. Wenn die Kurden nicht mehr flüchten, gibt es in Griechenland keine Fische mehr.
Im Gefängnis spürte ich also einen toten Hunger. Ich biss in die Halva, biss auf etwas Hartes – es war ein grosser Fingernagel von einem Mann.
Sie haben ihn extra reingetan.
Ich schwöre dir ….

Wildnis

Der “Midi libre” Ist wieder einmal ausverkauft, und so habe ich nicht die leiseste Ahnung, was hinter den Schilf-, Joanniskraut-, Distel- und Daturastauden an der Route de l’E. so alles läuft. Keine Resultate von regionalen Boule- und Stierspielen, keine Berichte über töpfernde Seniorengruppen, bogenschiessende Ferienkolonien, renovierte Schulbibliotheken, neu entdeckte Tropfsteinhöhlen, nichts – rien de tout.
Ausser meinem Bremsenstich in den linken Unterarm, grossflächig gerötet und hässlich geschwollen. Das blassbraun getigerte, giftige Bremsenvieh erwischte mich weit ab von jedem Pferdestall am Ufer einer seichten Bucht, wo einem die Fische zwischen den Beinen durch flitzen. Ich glaubte die blutgierige Säugerin seit langem ausgestorben. Dabei ist sie mit ihren Artgenossinnen nur über den Gotthard geflogen. Ich war so fasziniert, wieder einmal eine Bremse zu sehen, dass mein Klatsch zu spät kam. Nun fühle ich mich gestraft für Abertausende verjagte Bremsen, die ich als Kind mit einem Haselzweig von schwitzeden, nervösen Ackergäulen fernhielt, wenn diese darauf warten mussten, dass der Bindbaum endlich über dem Fuder lag und sie vor dem ersten Blitzschlag die Einfahrt hinauf in die Bühne traben durften.
Trotz abendlicher Technomusik, Internet und Spielcasino hält einem “die Natur” hier fest im Griff. Die miauenden, glucksenden Möven, die lauten Grillen, der Sand, der Wind, der Pferdegeruch, die Hitze und die Mücken, die ganze Heerscharen von Forschern beschäftigen. Ohne diese “Wächter” des Naturschutzgebietes wäre es aus mit frei lebenden Pferden, Flamingos und Stieren. Die Mischwasserseen wären trocken gelegt zu Golfplätzen geworden und die privaten Luxusvillen versperrten den Zugang zum Meer.
Meine Bremse lebt noch und wird mit zahllosen Nachkommen noch einige Strandbars aus der Bucht fern halten.

Brot, Speck und Wein

Brot, Speck und Wein am 15e

Während die Jungen den 14e Juillet ausschlafen, treffen sich die Alten zum camarguaisischen Frühstück auf dem Place des Gitans. Sie stellen Tische auf, laden einen Korb mit hundert Baguetten, Bleche mit Ententerrine und Pakete mit Speckscheiben aus dem angerosteten Citroen. Aus einer Kiste werden dürre Rebstöcke auf den Grill geschichtet. Emsig legen die Frauen Speckscheiben auf Bratgitter, während der Wein als Morgentrunk in die Becher plätschert. Der “Tätschmeister” schlitzt gekonnt die Brotstangen auf, schneidet grosszügige Portionen, damit Pastete und Speck dazwischen geklemmt werden können. Isst jemand kein Fleisch? “Rien que päng” geht nicht. Er bringt den nicht Fleischigen Käse. Nehmt Wein. Die Kirchenglocken bimmeln, die Alten stellen ihre Drahtesel, bejahrt wie die Besitzer, an die Stämme der Platanen, scherzen und lachen, wieder einmal ein Nationalfeiertag vorbei und sie sind noch munter, schwitzen nicht einmal trotz der aufsteigenden Mittagshize, trotz Wein, Speck und fetter Pastete.
Das angekündigte Dressurreiten fällt aus. Pferde und Reiterinnen wären munter, aber die Männer müssen noch ausschlafen.

Grande Roussataio

Beim Grande Roussataio am frühen Nachmittag werden sie wieder sicher im Sattel sitzen und zur Freude der Touristen die Herden der jungen Pferde, Stuten und Fohlen durch die Strassen des Städtchens führen.

Bald kommen die Fischer

Die Berichte, Zeugnisse, Giesskannen, Post- und Gartenschlüssel sind verteilt, Schul-, Geburtstags-, Matur-, Abschiedsfeste sind gefeiert, Kollegiumsreisen auch dieses Jahr überstanden, Wohnung aufgeräumt, Stellvertreter instruiert, Schuhe vor Haustür wie zufällig hingestellt, damit die Einbrecher meinen, es sei jemand zu Hause. (Meine neuen Nachbarn haben einen Wachhund. Wenn der anschlägt, schauen sie immer ins Treppenhaus). Jedes Jahr hoffe ich, dass “nicht noch etwas passiert”, das unsere Reise verzögert / erschwert. Und ich werde meistens nicht enttäuscht, besonders deshalb, weil “das Hindernis” unvorhergesehen eintritt. Aber lassen wir das Jammern auf diesem Niveau, denn ein Teil der Blogk-Familie hat sich bereits durch den Reisberg durch gegessen und ist wohlbehalten auf dem Delta angekommen. Ich fahre morgen und werde …

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