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Wir Kinder waren schon gross, als meine Mutter das “Chuchistübli” mit Schmierseifenwasser bearbeitete, den Hühnerläusen damit den Garaus machte, das halbblinde Fenster polierte, zwei Betten bezog und die finstere Stube so freundlich wie möglich heraus putzte. Zwei Pflegekinder sollten bald in unsere Familie kommen. Zum Glück gings dem Frühling zu und ein warmer Krug unter der Decke reichte, dass die Kleinen nicht frieren mussten. Im April 1963 brachte die Fürsorgerin Fräulein Sutter dann Nelli und Heinz, zwei Geschwister von sechsen, zu uns auf den Bauernhof, wo sich Füchse und Hasen nie gute Nacht sagten.
Ich erinnere mich, wie zerbrechlich die Kinder waren, Nelli ein zartes Vögelchen und Heinz ein dünner Bub mit unsicherem Gang. Meine Mutter merkte bald, dass der Junge eine Brille brauchte, um auf die Beine zu kommen. Diesen Kindern konnten wir nur Fürsorge und Liebe bieten, nicht den geringsten Luxus. Gerne hätten meine Eltern auch Rita, die Schwester der beiden, aufgenommen. Die Behörden aus dem anderen Kanton erlaubten es leider nicht. Das Mädchen brauche eine heilpädagogische Sonderschule, und es genüge nicht, wenn unsere Dorflehrerin verspreche, es nach Kräften zu unterstützen. Rita kam dann in ein Heim (ohne jegliche heilende Pädagogik und Zuwendung), durfte aber die Schulferien bei uns verbringen.

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Es ist ihm zum Weinen nicht Recht, dass er gepflegt werden muss wie ein kleines Kind. Aber es ist schön, umgeben zu sein von “den Iigeten”, der eigenen Familie. Da versteht man ihn, weiss wovon er spricht, obwohl das Sprechen schwer fällt. Er erzählt der Pflegetochter von den Schmerzen und der Hilflosigkeit, die sein Pflegesohn Heinz erleiden musste und die er jetzt so gut verstehen kann.
Vater träumt sehr viel, taucht ab in andere Welten, wo Pferde übermütig im Schnee umhertoben, verfolgt von einem kleinen Jungen der einen Hütestock in der Hand hält. Die Leute wollen, dass der Bub rauskommt aus der Hofstatt. Aber Vater will ihn laufen lassen, den Pferden hinterher.
Auch der Habk, der Habicht, ist manchmal da und zieht seine Kreise.
Wahrscheinlich ist der Winter für Menschen, die ihr ganzes Leben lang eng mit der Natur verbunden waren, die passende Jahreszeit, um von ihr Abschied zu nehmen.

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Seit seinem Hirnschlag vor sechzehn Jahren ist mein Pflegebruder gelähmt. Viele Leute meinten damals, es wäre besser, wenn er sterben dürfte. Seine Frau nahm ihn nach Hause auf den abgelegenen Bauernhof im Jura, liess eine Rampe ins Haus zimmern, stellte ihn bei schönem Wetter im Rollstuhl unter einen Baum, damit er die Arbeiten auf dem Hof mitbekam. Die Familie lernte die Laute des Vaters verstehen und er sah die Kinder aufwachsen.
Nur mit dem Daumen seiner linken Hand gelingt ihm eine leichte Bewegung. Will er etwas schreiben, wählt er aus dem vorbeiziehenden Alphabeth auf dem Bildschirm des Computers den passenden Buchstaben aus, indem er damit ein Metallplättchen an seinem linken Zeigefinger berührt.
Letzte Woche hat er seinem Pflegevater folgenden Brief geschrieben:

Lieber Vater

bevor es ganz Frühling wird, möchte ich dich doch mal fragen, wie es dir geht.
Ich habe vernommen, du seist in der Zwischenzeit im Spital gewesen. Aber es ginge dir jetzt wieder viel besser. Das ist doch normal, wenn der Frühling kommt, dann erwachen die alten Menschen und sie fangen an zu hüpfen wie Kälber, die zum ersten mal nach draussen gehen.
Bei uns da oben hat es schon Schneeglöckchen und das ist hier sehr früh. Ob sie sich am Datum verschaut haben, ich weiss es nicht.
Schnee haben wir nicht viel, aber für mich ist es super, denn mit dem Rollstuhl im Schnee, das geht nicht gut.
Nadine und ich sind nun mit Isabelle allein zuhause. Beatrice ist fertig mit der Lehre als Krankenschwester. Sie arbeitet in Neuenburg und ist damit ausgezogen nach Neuenburg.
Nun wünsche ich dir noch einen milden Winter und gute Gesundheit

Heinz und Familie