Foto: Susanne H., meine Nichte

Der Mond ist aufgegangen.
Ich, zwischen Hoff- und Hangen,
rühr an den Himmel nicht.
Was Jagen oder Yoga?
Ich zieh die Tintentoga
des Abends vor mein Angesicht.
Peter Rühmkorfs Variation auf ‹Abendlied› von Matthias Claudius, 1962
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Dieses Foto haben wir am 15. April extra für den diesjährigen Welttag des Buches und des Urheberrechts gemacht.
Von links nach rechts: „So schwer – So leicht“, „Äpfel – Rezepte aus dem Obstgarten“, „Reportagen April/Mai 2021“, „Die Gefährtin des Wolfs“, vorne: „Glück“, „Leben! – Juden in Wien nach 1945“ (Foto: 3rd, male)

Obwohl meine Vorfahr*innen alle sehr gerne lasen, waren Bücher bis in meine Generation Mangelware.
Lesen lernte ich im Alter von fünf oder sechs Jahren bei meiner Grossmutter. Sie hatte für uns Kinder das Sonntagsschulblättchen „Der Schäflihirt“ abonniert, welches vom Evangelischen Brüderverein herausgegeben wurde. Mir gefielen die Geschichten vom wilden Löwen, der sich mit dem Lied „Gott ist die Liebe“ bändigen liess. Auch vom kleinen Negerbübchen, welches mit der Mutter auf dem Acker Maiskörner steckte konnte ich nicht genug bekommen. Im „Schäflihirt“ war viel von den Heiden in Afrika die Rede und dass sie unbedingt Jesus kennen lernen müssten. Dieses „Ausland“ interessierte mich brennend, und wahrscheinlich lernte ich deshalb lesen. Da weder meine Grossmutter als ehemalige Fabrikarbeiterin in einer Seilerei noch meine Mutter, aufgewachsen als Verdingkind bei einem Kleinbauern, viel Ahnung hatten von der kindlichen Entwicklung, wurde ich nie dafür gelobt. Als ich in die erste Klasse kam, war ich erstaunt, dass die anderen Kinder nicht lesen konnten, und ich versuchte so zu tun, als ob ich es auch nicht könnte. In der 3. Klasse schenkten mir die Eltern das Buch „Christeli“ von Elisabeth Müller. Noch heute kann ich Teile aus Müllers Büchern auswendig.

GLuD, gibt es in meiner näheren und weiteren Familie diesen Büchermangel nicht mehr. Mein Traum aus der Kindheit, einen Eisenbahnwagen voller Bücher zu „besitzen“, ging in Erfüllung.
Nachdem ich im vergangenen BleibenSiezuHause-Jahr viele Bücher gelesen hatte, überkam mich im Winter eine Lesemüdigkeit, überhaupt eine allgemeine Müdigkeit. Mir fehlten u.a. die Begegnungen und Diskussionen in meinem Café Littéraire und das ewige Distanzhalten stimmte mich trübsinnig.
Diese Woche habe ich wieder einmal ein Buch in einem „Schnuuss“ gelesen: Sarid, Ishai : Siegerin, Kain und Aber, 978-3-0369-5840-8

Oh Wunder, es hat sich gelohnt, unnachgiebig zu sein: Wir haben den Schulgartenschlüssel wieder bekommen!
Der heutige Tag der Erde stand unter dem Motto: „Restore our earth – Stellt unsere Erde wieder her!“ Genau das machten wir in unserem möglichen Rahmen.
Danke den Zuständigen der Verwaltung Stadt Bern, dem Präsidenten der Schulkommission und dem Vertreter meiner Partei für „Natur Bern West“.
Wir fingen wieder neu und klein an, nachdem wir die Pflanzen Ende Dezember ausgegraben, verschenkt oder an Pflegeplätze gegeben hatten. Danke allen, die den Knollen und Wurzeln eine Herberge boten!

Der Hausmeister baute mit seinem Freund an einem Unterstand für die Gartengeräte.

Voilà, jeder Stein fand seinen Platz.

Heute jäteten wir, sammelten die dürren Äste und den Abfall ein und nahmen die Gespräche durch den Gartenzaun wieder auf.
Als ich so vor mich hin hackte und schaufelte, meinte mein Enkel: „Ima, du bist ja wieder henne fit.“

Alles sah noch ziemlich leer und löchrig aus, aber Sonnenhut, Gartenmelde, Jungfer im Grünen, Borretsch, der Knoblauch und natürlich die Tulpen reckten sich der Frühlingssonne entgegen.
Noch nie genoss habe ich ihren Anblick so sehr, wie in diesem kalten Frühling.

Obwohl streng protestantisch erzogen, denke ich an Ostern nicht zuerst an die Auferstehung Jesu, obwohl mir in der Sonntagsschule dieser schwere, auf die Seite gerollte Surchabisbockistein stets drastisch beschrieben wurde. Ich erinnere mich an den Komiker Emil, der an einem Kreuzworträtsel knorzt und beim kirchlichen Feiertag „Ogtern“ einsetzt. (Leider finde ich das Video nicht mehr.)
Eier gefärbt haben wir nur in der engsten Familie. Wir alle waren so müde. Schon nach kurzer Zeit liessen Färberinnen und Färber von den Eiern ab und suchten sich ein Schlafplätzchen. So kam es, dass nur noch meine Freundin Marwa und ich die Stellung und das Traditionsfädchen hielten.
Immerhin reichte es auch dieses Jahr, einigen kleinen und grossen Nachbar*innen ein Näschtli zu schenken.
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Eigentlich hatte ich, zugehörig der Risikogruppe, das Kästchen „Inselspital“ angekreuzt. Das bedeutet, dass ich DIEIMPFUNG im Impfzentrum des Inselspitals bekommen wollte. Auf wunderbare Weise erhielt ich aber einige Stunden nach meiner Registrierung den Bescheid, dass ein Impfteam mich zu Hause aufsuchen würde. Ich müsse mich aber gedulden, man würde sich dann per Telefon melden. Interessant, ich hatte nichts gegen diesen einzigartigen Service einzuwenden. Nachdem ich mich sieben Wochen geduldet hatte, kam der versprochene Anruf. Laut und sehr langsam wurde mir im Walliserdialekt mitgeteilt, dass ich an diesem Vormittag die erste Impfung erhalten würde. Es kamen dann ein junger Mann und eine Frau um die Fünfzig, welche beide von der Aussicht – Alpen bis ins Luzernische, Voralpen bis ins Freiburgische und Jurahügel bis zum Weissenstein – aus dem 16. Stock fasziniert waren.
Sie verabschiedeten sich in normaler Lautstärke.

Drei Wochen später kündigte mir eine Frau Mürgi per Telefon die 2. Impfung an:
„Mir chöme im mittlere Morge.
Äs cha gäng wider Verzögerige gä.
Tüet de nid grad drvo loufe, we mer no nid grad da si!
Mir chöme sicher.“
Natürlich versprach ich Frau Mürgi, nicht davon zu laufen und auf das Team zu warten.
Während der Wartezeit fotografierte ich einen Teil meiner Osterdekoration, denn es wurde einem in den Medien gegen den Pandemiekoller ja immer wieder geraten, u.a. die Wohnung zu dekorieren:
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Rochel hatte schon lange nicht solch eine Nacht gesehen. Der Mond spazierte mitten am Himmel, und um ihn herum waren tausend Sterne ausgeschüttet, glitzernde Brillanten. Die Luft warm, leicht und frisch, kein bisschen Wind …

Aus: Scholem Aleijchem: Stempenju, Ill.: Anatoli Kaplan

Leipzig : Reclam, 1989
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Da kann’s stürmen, schneien, bei Minustemperaturen einem den Wintermantel um die Waden winden oder sogar erdbeben, der Frühling ist da und mit ihm der Bärlauch. Der Orange Riese überschlägt sich gerade mit Produkten, welchen saisongemäss dieses Wildkraut beigemischt wird: Brat- und Lionerwürste, Schinken, Fusscreme, Käse, Antischuppenschampoo, Brotaufstriche, Teigwaren, Saucen, Salate, Möbelpolitur gegen Wasserflecke … Verarbeitet mag ich Bärlauch jedenfalls nicht mehr sehen.
Den ganzen Winter über hat mich der Verlust des Gartens geplagt. Den Fussweg dem Zaun entlang vermied ich, denn ich wollte mir den tristen Anblick der leergeräumten Beete und des nun mit Abfall verschmutzten Sitzplatzes ersparen. Im Januar machte ich einmal einen „verbotenen“ Besuch im Garten, um so viele Schneeglöckchenbüschel auszugraben wie ich tragen konnte. Diese pflanzte ich dann in die Rabatten vor den Block. Zusammen mit dem Hausmeister und zur Freude einiger Bewohner*innen jätete und hackte ich anfangs März auch das Kräuterbeet vor dem Haus. Wir klaubten die unzähligen Zigarettenkippen, die bei uns täglich von den Balkonen vom Himmel fallen, zwischen Rosmarin- und Lavendelbüschen raus, bis alles „e gueti Falle“ machte (gut aussah). Vielleicht war ja jetzt die Zeit gekommen, wo ich mich auf das „Chräbele“ von Blumenrabatten und einem gemütlichen Schwatz mit den Nachbarn – im Moment sind es glückliche Impfgeschichten – auf dem Bänklein vor dem Block beschränken sollte?
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… lokal gefeiert in Berns Westen.

Für sie git’s nüt wo’s nid git
U aus wo’s git, git’s nid für ging
Sie nimmt’s wie’s chunnt u lat’s la gah

Aus: Patent Ochsner: W. Nuss vo Bümpliz *


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… dann erwachen die alten Menschen und sie fangen an zu hüpfen wie Kälber, die zum ersten Mal nach draussen gehen.

Diese Zeilen schrieb Heinz im März 2007 an seinen Pflegevater Jakob Glauser. Heinz war schon damals seit vielen Jahren gelähmt und konnte die Arbeiten auf seinem Bauernhof nur vom Rollstuhl aus mitverfolgen.

Heute vor zwei Wochen, dreissig Jahre nach seinem Hirnschlag, ist mein Pflegebruder Heinz an Krebs gestorben.
In den ersten Lebensjahren wurden er und seine fünf Geschwister von den Eltern verlassen und dann von der „Fürsorge“ in verschiedene Pflegefamilien verteilt.*
Als Erwachsene nahmen die beiden Schwestern Nelli und Rita wieder Kontakt mit den lange von ihnen getrennten Geschwistern auf.
Dass Heinz uns als glücklicher Mensch in Erinnerung bleiben darf, ist das Verdienst seiner Frau und seiner drei Töchter.
Sie gaben ihm in diesen schweren Jahren Liebe und Halt, so dass er im Frühling mit den Kälbern „hüpfen“ konnte.

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I, diesen Feiertag hätte ich beinahe übersehen, Entschuldigung, liebe Eisbären Wandernde, wie euch die Inuit respektvoll nennen!
Den Weltpinguintag im April werde ich ankündigen, damit diejenigen, welche dieses Jahr auf Ostern verzichten möchten, eine sinnvolle Feiertagsalternative prüfen können.

Zeichnungen: Briggs, Raymond : Der Bär, Lappan 1994, ISBN 3-89082-137-5

Saharastaub schwebt über Liebewil

Nach dem samstäglichen Einkauf mit meiner Tochter holt sie zwei Becher heissen Coffeetogo im geschlossenen Restaurant. Wir setzen uns dann ins Auto und fahren aufs Land. Es dauert nur wenige Minuten und schon sind wir zwischen dampfenden Miststöcken, Reitpferden in Wärmedecken, mit Rossmist belegten Gartenbeeten (Neid meinerseits). Die Tür- und Fensterrahmen der Häuser sind noch in weihnächtlicher Tannenzweigen- und Strohsterndekoration. Auf einer braunen Wiese steht ein Kran neben Rundballen in weissem Plastik. Wir parkieren dann artig auf einem Feldweg, so dass die Hunde mit ihren Menschen noch durchkommen, trinken Kaffee aus dem Kartonbecher und schauen auf die Bergketten, manchmal hinter grauen Wolken.

Gestern fuhren wir übers Bottigenmoos nach Liebewil, welches nach Herzwil kommt. Da gibt es behäbige Berner Bauernhäuser, Speicher, Scheunen, Ofenhäuser, Ausweichstellen zum Kreuzen, kopfsteingepflästerte Hausplätze mit starken Autos.
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In seiner Kabine auf der Santa Maria führte Columbus das Logbuch der Reise.Tatsächlich führte er zwei Logbücher. In einem verkürzte er die Entfernungen, um die aufsässige Mannschaft zu beruhigen.
Aus: Sis, Peter: Folge deinem Traum – Die Geschichte des Christoph Columbua, Hanser 1992, ISBN 3-446-16515-0