In den vergangenen Tagen mochte ich mir kein Adventstürchen ausdenken. Alles schien mir einfach zu trist.
Wir brachten gerade eine Quarantäne zu Ende, bevor wir gleich in die nächste sausten. In den paar Stunden dazwischen kaufte ich mit meinem Schwiegersohn beim Förster einen prächtigen Weihnachtsbaum. Dieser steht jetzt auf meinem Balkon, und wahrscheinlich wird er erst an Silvester geschmückt werden können.

Bei all der behördlich verordneten Distanz hatte ich Zeit, zurück zu blicken auf das Jahr 2009.
Da übernahm ich die Hälfte des Schulgartens in unserem Quartier.

Zusammen mit meiner Familie befreite ich den Platz von diversem Gerümpel, das dort seit Jahrzehnten gelagert war, seis’s über oder unter der Erde, verfaultes Holz, Plastikplanen, Netze, Glasscherben von Biergelagen, diverse Metallstücke, Drähte, Schnüre und von hunderten Ahorn- und Buchenschösslingen. Ausserdem befand sich hier auch das vielbesuchte Klo der Quartierkatzen.

Nach einigen Jahren der Zuwendung und stetigen Pflege sah der oben abgebildete Teil licht und grün aus, sehr zur Freude der Bienen und der Gärtnerin, die regelmässig hier durch die Jahreszeiten in Blogk berichtete.

Eines der beiden Frühbeete, bei uns „Couche“ genannt, vom April 2009.

Im August 2009 bot die Couche diesen Anblick:

2009 war der Eingang zum Garten überstellt mit ausrangiertem Baumaterial. Als der Hausdienst der Schule dann endlich alles weggeräumt hatte,

… war der Weg frei für kleine und grosse Gartenbesucher*innen.

Nach Jäten, Hacken und Giessen wuchsen plötzlich Pflanzen, die lange Jahre ihre Blätter nicht aus dem Boden gestreckt hatten: Rhabarber,
Pfingstrosen, Johanniskraut, Veilchen, die unvergleichliche Gartenmelde…
Ein Teil des Gartens wurde nun regelmässig von den Kindern der Tagesschule zum Spielen genutzt. Natürlich gab es ab jetzt auch einen Platz für die Mitareitenden der Schule, wo man in Ruhe eine Zigarette rauchen und ein Gespräch führen konnte.
Auch am Gartenzaun ergaben sich nachbarschaftliche Begegnungen, über welche ich in Blogk immer wieder berichtete.

Ein Spaziergang dem Garten – und allen übrigen Gärten im Quartier – entlang, war für die Bewohner*innen des Altersheims ein Vergnügen. Waren die Beeren reif, wanderte immer wieder ein „Hämpfeli“ in die Hände der alten Leute. Sie freuten sich an der Kleinigkeit und einige erzählten eine Beeren-Geschichte aus der Kindheit.

Manchmal bat jemand um ein paar Samen von dieser oder jener Blume. Es gab auch immer wieder Pflanzen, die bei uns im Garten Asyl fanden, weil sie für den Balkon zu gross geworden waren oder weil niemand sie mehr pflegen konnte. Nicht alle überlebten den Umzug, aber immerhin hatten wir es versucht.

Auf diesem Teil des Gartens konnten wir neben Blumen auch Randen, Blumenkohl, Zuckererbsen, Spinat, Bohnen, Kürbisse und vieles mehr ernten.

Gestern haben wir den Garten für immer abgeräumt. Noch konnten wir nicht für alle Pflanzen einen neuen Platz finden. Den Wetterhahn verschenkten wir einem Nachbarn.

Schulhausabwart und Köchin finden, dass wir „die Schule“ aus dem Garten verdrängen, also müssen wir auf den 31.12.2020 geräumt und den Schlüssel abgeben haben. (Schulhausabwarte in der Stadt Bern bestimmen oft mehr als der Schulleiter.)
„Was soll ich den vielen Leuten dann sagen, wenn sie fragen, weshalb wir nicht mehr im Garten sind?“
Der Abwart: „Sie sagen einfach, dass es wegen des Umbaus der Schule sei.“
„Das werde ich sicher nicht tun.“