Das Faszinierende an unserem zum Ghetto gestempelten Quartier ist, dass man abends nach der Arbeit noch schnell in ein anderes Land “verreisen” kann, z.B. in den Magreb. Frau Nachbarin, beste *Tajine-Köchin in ganz Bethlehem, hat ein paar Frauen aus den umliegenden Häusern zum Essen eingeladen. Wieder ists der beste Eintopf aller Zeiten, der laut Gastgeberin, ausser dem, was man sehe nichts enthalte, als ein bisschen PfefferSalzKümmel. Wers glaubt;-)
Nach einem Abstecher zu Kräutern und Gewürzen im Allgemeinen wenden wir uns der lokalen Politik zu, machen quartiermässig einen Rück- und Ausblick, erinnern uns einiger der bösen Buben und oberflächlichen Mädchen, die trotz Bedenken unsererseits nicht enttäuscht haben und zu verantwortungsvollen Erwachsenen heran gereift sind. Dazwischen führen wir ohne Eile in Brot eingepackte Bissen zum Mund. Wir erzählen einander von früheren Bergtouren, heiklen Situationen und Unverstand wie durchhängende Seile und Rutschpartien in Geröll- und Schneehängen, (am meisten beobachtet bei italienischen Berglern … tschuldigung).
Nun weiss ich auch, wie man für vier Wochen in der Einöde des finnischen Hochmoors vorsorgt, ohne unter dem Gewicht des Rucksacks zusammen zu brechen. Nicht, dass ich einen Abstecher in Moor und Kieferwälder vor hätte, aber ich liiiebe “unnützes” Wissen!
Nach zwei Stunden gemächlichen Taginierens, überrascht uns Frau Nachbarin mit einem karamelisierten Birnenkuchen auf feinstem Blätterteig – natürlich auch sehr einfach zu backen.
Gegen Mitternacht brechen wir auf, abzuwaschen gibts kaum etwas. Den Heimweg finden wir blindlings.
Als Supplement mitgenommen habe ich den Tipp, bei Mückenattacken einen Birkenzweig abzubrechen und stetig, aber nicht hastig damit zu wedeln. Ein nützlicher Hinweis, den ich als ehemalige Bremsen-Abwehrerin bei den Pferden meiner Kindheit schon beinahe vergessen hatte.
Leichtes Fächeln, in Ermangelung eines Birkenzweigs mit der Speisekarte, hilft auch gegen die Fliegen in der “Bären”-Gaststube.

Tagine

Minergie in der Stadt