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Ehrlich gesagt glaubte ich, diese Art von Journalistinnen und Journalisten stürben langsam aus. Aber nein, es rücken junge nach, welche die Klischees übernehmen – sehr schade, fantasielos, beleidigend und das Wichtigste: nicht den Tatsachen entsprechend!
Wie oft schon habe ich mir vorgenommen, mich nicht mehr zu enervieren, wenn wieder einmal ein Zeitungsartikel erscheint, in welchem unser Quartier als Betonwüste oder gar als Unort beschrieben wird.
In der Regel erscheinen solche Berichte im Advent, denn was bietet sich besser an, als kurz durch CH-3027 Bethlehem zu schlendern, am besten abends zwischen fünf und sechs Uhr an einem kalten Strubussitag mitten in der Woche? Am nächsten Morgen kann man dann lesen, wie menschenleer, trist und grau dieses Ghetto halt sei, nur ab und zu um eine dunkle Ecke streichend ein Vermummter und das MigrosoderCoop-Restaurant voller alter Leute bei billigem Kaffee.
Dieses Jahr gab’s schon im Juni etwas zu berichten.

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Obwohl die Tür des Grossen Saales erst um 19 Uhr göffnet werden soll, warten davor schon zahlreiche Mieterinnen und Mieter. Eine alte Frau ist auf dem Vorplatz gestolpert und wird nun von ihren Nachbarn aus der Pfütze wieder auf die Beine gestellt. Es regnet in Strömen, ab und zu rollt der Donner über die Dächer. Alle sind gekommen, um sich über die bevorstehende Totalsanierung unseres Blocks informieren zu lassen. Aufgereiht auf der Bühne sitzen bereits die Fachmänner (Fachfrauen sind nicht vorhanden) für Haustechnik, Betonsanierung, Architektur, Verwaltung, dazu ein junger “Trübel” mit schmalen Schultern, welcher für sämtliche “Mieterangelegenheiten” während der zweijährigen Bauphase zuständig sein wird.
Der Redner macht dem eifrigen Getuschel des Publikums ein Ende, indem er den dröhnenden Lärm einer Kernbohrung auf Band abspielt. Zügig und solange das angebohrte Publikum noch Ruhe behält, wird nun powerpointunterstützt “ehrlich und offen” informiert: Küche elektrisch mit Glaskeramikherd und Geschirrspüler (Klatsch, klatsch von den Hausfrauen). Dann folgt ein (ehrliches) Bild von einer herausgerissenen Küche. Dieser Zustand wird mindestens 5 Wochen andauern: deshalb Verpflegung bei Freunden organisieren, evtl. Abgabe von Kochplatten durch den Hauswart. Anschliessend Bad/Dusche geplättelt (Klatsch, klatsch von den Hausfrauen): Duschen und Bislen im abschliessbaren Kontainer vor dem Block. Herr Meise aus dem Publikum hebt seine Krücke und ruft, dass er pro Nacht mindestens dreimal müsse. Der Redner bittet um Ruhe und rät, die Ferien so zu planen, dass das Bislen in den Griff zu bekommen sei. Eine Attikabewohnerin in den hinteren Reihen verlangt eine Terrassensanierung – Teeren statt Verbundstein, damit kein Unkraut durchstösst.

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Monatelange Geüchte, dass der ganze Block für eine Totalsanierung geräumt werden müsse, treiben viele Mieterinnen und Mieter beinahe zur Verzweiflung. Nächtelang überlegen sie sich, wohin sie denn umziehen könnten. Die Älteren denken an einen frühen Eintritt ins Seniorenheim. Schon vor Sonnenaufgang sieht man sie auf dem Gang zum Textilkontainer. Sie graben ihre Rosenstöcke und Hortensien aus und verschenken sie an Leute, die einen Garten besitzen. Nur die allernötigsten Neuanschaffungen werden getätigt. In der Freizeit und den Ferien werden Wohnungen besichtigt. Gefallen tut nichts wirklich, denn der Block, aus dem man sehr wahrscheinlich “vertreiben” wird, ist einem ja der liebste.
Es wird schlimm, das ist seit einigen Tagen sicher. Der Block, eines der grössten Gebäude der Stadt, muss saniert werden – total: Gebäudehülle nach energetischen Aspekten, neue Bodenbeläge, Küchen, Bäder, Duschen, Heizungen, Fenster, Leitungen, neue Raumaufteilung. Das bedeutet, es werden Wände eingerissen und Kleider- und Besenkammern aufgehoben. Aber gekündigt wird niemandem, nur Verständnis und Rücksichtsnahme von allen Beteiligten gefordert. Ein Team wird die Mieterinnen und Mieter betreuen und sich deren Anliegen besonders annehmen. Bis jetzt hatten wir eine Liegenschaftsverwalterin. Da man aber vor einer zweijährigen Umbauphase steht, wurde sie durch einen Mann ersetzt. Schliesslich kommt eine noch nie dagewesene Herausforderung auf uns alle zu und da wäre eine Frau wahrscheinlich überfordert, meint der Bodenleger und zwinkert mir dabei zu. Die meisten Blockbewohner sind bereit, diese zwei harten Jahre auf sich zu nehmen. Sorgen bereiten ihnen aber die angekündigte Mieterhöhung nach “marktgerechten Niveau”. Vermag man dann die sanierte Wohnung noch zu bezahlen oder wäre man doch besser vor all dem Lärm und Schmutz umgezogen?
Einen neuen Namen für “blogk” zu finden wäre noch das Einfachste.